Alle Register gezogen Baumgartners monumentaler Abschied aus Meppen

Von Daniel Lösker

Meine Nachrichten

Um das Thema Meppen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Der Organist und Meppener Regionalkantor Balthasar Baumgartner hat sich mit einem umjubelten Orgelkonzert von seinem Publikum verabschiedet. Foto: Daniel LöskerDer Organist und Meppener Regionalkantor Balthasar Baumgartner hat sich mit einem umjubelten Orgelkonzert von seinem Publikum verabschiedet. Foto: Daniel Lösker

dloe Meppen. Der Organist und Meppener Regionalkantor Balthasar Baumgartner hat sich mit einem umjubelten Orgelkonzert von seinem Publikum vereabschiedet.

Spöttische Zungen behaupten, dass bei einem Abschied immer deshalb so viele Leute erscheinen, weil alle sich darin versichern wollen, dass der Protagonist auch tatsächlich geht. Wer dies angesichts der vollen Meppener Propsteikirche auch nur ansatzweise in Erwägung zieht, ist entweder ein unverbesserlicher Zyniker oder ein Musikbanause der ersten Klasse.

Alle, wirklich alle sind gekommen, um „Ihren“ Baumgartner noch einmal an „seiner“ Hillebrand-Orgel zu hören. Oder wie es Propst Dietmar Blank in seiner Dankesrede treffend ausdrückte: „Wenn die Orgel die Königin der Instrumente ist, so ist er (Baumgartner) ihr König!“

Baumgartner wählte für sein letztes Konzert als musikalischer Dienstherr ausschließlich Werke, deren Komponisten ihm besonders am Herzen liegen und beachtete dabei, dass sein treues Publikum auf seine Kosten kam. Letzteres erfüllte er vor allem mit der finalen „Toccata“ aus der 5. Sinfonie des französischen Orgelmagiers Charles-Marie Widor. Dieses Werk, bewältigt, nein, zelebriert Baumgartner als profunder Kenner seiner Materie mit großem musikalischen Spannungsbogen detailreich und zugleich monumental.

Mein Schatz, die Orgel

Noch großartiger aber ist, wenn dies überhaupt möglich scheint, seine Improvisation über das Volkslied „Muss I denn zum Städtele hinaus“. Klanggewaltig eröffnet er den Reigen, der mit insgesamt fünf Variationen aller Schattierungen – von schelmisch verschmitzt bis zur eindringlichen Liebeserklärung an seinen Schatz, der Orgel, ist alles dabei – seinen Fortgang findet und mit einer kurzen, aber erhabenen Fuge schließlich in einen prächtigen Hymnus mündet, bei dem der Organist buchstäblich alle Register zieht. Offene Münder, staunende Blicke allerorts. Spätestens jetzt hat der gebürtige Bayer sämtliche Herzen der fassungslos vor solch grandioser Musizierkunst erstarrten Zuhörer erobert.

Das jene Publikumsgunst immer etwas leichter mit gewaltigen Fortissimopassagen zu erlangen ist, weiß Baumgartner als erfahrener Musiker genau. Gerade deshalb ist es ihm hoch anzurechnen, dass er in seinem gut neunzigminütigen Programm auch die andere, zarte Seite des Orgelspiels eindringlich pflegt.

Zum Niederknien

Hier sei neben der vorzüglich registrierten und zum Niederknien interpretierten „Cantilene“ von Joseph Rheinberger, deren leichtes Kitschpotenzial auszuschöpfen sich Baumgartner nicht zu schade ist, besonders die „Triosonate Nr. 3 d-Moll“ von Johann Sebastian Bach zu erwähnen. Nicht die ausufernden Präludien oder die unwiderstehlichen Fugen, noch die klanggewaltigen Toccaten wählte der Noch-Meppener aus, sondern dieses kleine, große Meisterwerk, wie es nur der Thüringer Komponist schreiben konnte.

Die harmonischen Beziehungen und die rhythmische Vielfalt des gesamten Werkes sowie die außerordentliche Schönheit des langsamen Satzes, in dem die Flötenregister vom Organisten zu erstrangigen Ehren geführt werden, beinhalten alles, was die Großartigkeit des Bach’schen Kosmos auszeichnet.

Es bleibt, Danke zu sagen. Dank dafür, dass Lingen, denn dorthin zieht es Baumgartner, nur wenige Autokilometer entfernt ist, und somit der Abschied leichter fällt. Und Dank dafür, dass mit diesem erstrangigen Musiker Meppen sieben Jahre lang in eine zuvor kaum bekannte Dimension von Interpretationskunst vorgedrungen ist. Nicht enden wollender Beifall war der verdiente Lohn dafür.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN