„Korn to be wild – Let’s Twiiist again“ Buch- und Bildervorstellung „Emsiges Land“ in Meppen

Von Petra Heidemann

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Drei, die ihre „Hand an das neue Buch gelegt“ haben: (v. l.) Lyriker Manfred Rockel, Verleger Georg Aehling und Fotograf Bernhard Kües. Foto: Petra HeidemannDrei, die ihre „Hand an das neue Buch gelegt“ haben: (v. l.) Lyriker Manfred Rockel, Verleger Georg Aehling und Fotograf Bernhard Kües. Foto: Petra Heidemann

Meppen. Zur Autorenlesung von Manfred Rockel und zur Eröffnung der dazugehörigen Ausstellung mit Bildern des Fotografen Bernhard Kües haben sich generationsübergreifend zahlreiche Lyrikliebhaber zur abendlichen Stunde im Café Koppelschleuse in Meppen eingefunden.

Der in Hannover geborene und 1974 zum Meppener Studienseminar versetzte Englisch- und Geschichtslehrer Manfred Rockel engagiert sich nicht nur auf Bezirksregierungsebene seit Jahren als Europa-Koordinator für internationale Partnerschaften, sondern fühlt sich „im Schreiben zuhause“. 17 Bücher, darunter ein Kinderbuch und „Immer alles geduldig tragen“ über die Gildehauser Holocaust-Überlebende Hella Wertheim, umreißen die Vielseitigkeit seiner Gedanken.

Das neueste Buch „Emsiges Land“ des Schreibwettbewerbsiegers spürt dem Wesen des Emslandes nach – feinsinnig, sprachakrobatisch, gewitzt – und gibt dem Leser Weite für eigene Gedanken. So nahm Rockel seine Zuhörer mit auf eine lyrische Reise „kreuz und quer“ und „hin und her“ durch Städte, Dörfer und Landschaften des Emslandes, um abzutauchen unter das Augenscheinliche und dem Eigentlichen Sprache zu geben, und das von klassischen Strukturen bis hin zur visuellen Lyrik.

Mit Augenzwinkern

Meppen hält er für „so nett“, dass er der Stadt ein Sonett widmete; Lingen setzte er ins Licht des „zusatzlosen Originals“ inmitten unzähliger deutscher Orte, deren Namen auf die Silben „Lingen“ enden. Die Suche nach einer Papen-Burg führte ihn zum „Wallfahrtsort Hafen“, dessen Riesenschiffe wohl Burg und Kathedrale unserer Zeit seien. „Dankernswert“ und nicht „an den Ha(a)ren herbeigezogen“ ließ Rockel mit viel Wärme in der Stimme Gleisverläufe im Moor bezeugen „es geht“ und mit sprachlicher Mehrdeutigkeit Mühlen zum Sinnbild menschlichen Mühens werden.

Ob Fußball, ob leer stehende Geschäfte, ob Grabrede für den Transrapid – auch Kritik gelingt ihm mit wortspielerischem Augenzwinkern. Während der Wahl-Emsländer sein amüsiertes Publikum per Kinderlied vom reisenden „Pups“ durch alle Orte des „duften Emslandes“ führte, stimmte sein Wunsch nach Unvergänglichkeit mit „Ich möchte eine Moorleiche sein“ nachdenklich.

Facettenreicher Dialog

Zu fast allen der 54 Gedichte hatte sich der Lingener Physiker und Fotograf aus Leidenschaft Bernhard Kües auf die Suche nach passenden Motiven gemacht – 2000 Kilometer durch das Emsland, ebenfalls „kreuz und quer“, um auch die Bilder sprechen zu lassen. So beeindruckte besonders eines seiner Fotos: Die Skulptur der Schiffahrtsfrau mit ihren Kindern, den Harener Dom im Rücken, das bange Warten im Blick auf den Wasserweg, und die Tatsache, dass ihr inzwischen der Standort und damit die Aussage genommen wurde, ließ im Publikum Unmut aufkommen.

Zu diesem gelungenen und facettenreichen Dialog aus Wort und Bild hatte Georg Aehling, der Verleger, die beiden Künstler einander zugeführt. Gedankliche Tiefe mit sprachlicher Leichtigkeit Schwarz auf Weiß in lächelnde Wahrnehmung zu transportieren, visualisiert im Schwarz-Weiß von Fotos mit ebenso starker Eigenaussage, das kam an, zusammengefasst in dem kaum hörbaren, zu sich selbst gesprochenen Fazit des wohl ältesten Besuchers: „Dieser Abend verändert mein Leben.“ Der Mensch, nie zu alt für einen Perspektivwechsel – mehr Wirkung konnten sich die Kreativen nicht wünschen.

Während der bebilderte Lyrikband „Emsiges Land“ von Manfred Rockel und Bernhard Kües für 15 Euro zu haben ist, sind die Originalfotografien noch bis zum 2. Oktober im Café Koppelschleuse zu sehen und können dort auch für 200 Euro erworben werden. Ein Viertel des Erlöses werde der Vitusstiftung zugeführt, versicherte der Veranstalter des Abends, Burkhard Sievers vom Kulturnetzwerk Koppelschleuse.


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