Gewerkschaft gibt sich kampfbereit 42 Petcura-Mitarbeiter in Meppen müssen gehen

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Bei Pectura, dem Tochterunternehmen von Tönnies in Meppen, stehen weitere Entlassungen an. Foto: Hermann-Josef MammesBei Pectura, dem Tochterunternehmen von Tönnies in Meppen, stehen weitere Entlassungen an. Foto: Hermann-Josef Mammes

Meppen. „Sehr erbost“ sind die Mitarbeiter der Meppener Tierfutterfabrik Petcura auf die Geschäftsführung in ihrem Betrieb. „Es stehen Entlassungen von 42 Mitarbeitern an“, sagt Uwe Hildebrand von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

In einem Gespräch mit unserer Redaktion schildert er, wie es den ehemaligen Mitarbeitern des Würstchen-Herstellers Hochwald seit der Übernahme 2016 durch die Tönnies-Unternehmensgruppe ergangen ist.

So produzierten 113 Mitarbeiter tatsächlich in den ersten Monaten weiter Würstchen. Im Januar 2017 wurde den Beschäftigten dann mitgeteilt, dass sie „ab Mitte Februar 2017“ in Meppen Tiernahrung der neuen Marke Petcura herstellen sollen. „Zugleich sagte man ihnen, dass man für den Einschichtbetrieb nur noch 56 Mitarbeiter benötigt“, sagte NGG-Geschäftsführer Hildebrand. Allersdings hieß es bereits damals, dass „zum Jahresende 2017 ein Dreischichtbetrieb“ vorgesehen sei.

„Tönnies wollte die restlichen 57 Beschäftigten auf die Straße setzen“, mutmaßt Hildebrand. In Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan hätten Gewerkschaft und Betriebsrat dann jedoch erreicht, dass ein Großteil eine neue Beschäftigung in der Logistik und Verpackung bei der Tönnies-Tochter,dem Schlachthof Weidemark in Sögel, erhielten. „Viele mussten entgegen den Vereinbarungen dort im Akkordschlachtbetrieb arbeiten“, ergänzt Hildebrand. Leider ließen sich nach seiner Einschätzung „einige Beschäftigte einschüchtern“. Es habe mehrere Aufhebungsverträge gegeben. „Dabei gab es Abfindungen von rund 20.000 Euro“.

Vergeblich hätten Betriebsrat und Gewerkschaft in vier Verhandlungsrunden im Laufe des vergangenen Jahres 2017 für einen Haustarif mit Lohn- und Gehaltserhöhungen gekämpft. „Im November 2017 teilte uns die Geschäftsführung mit, dass bei Petcura nur noch 71 Beschäftigte arbeiten, einige davon in Sögel.“ Für Hildebrand und die Belegschaft war eine weitere Ankündigung völlig unverständlich: „Trotz einer guten Auftragsklage bis Ende 2018 sollten nur noch 35 Kollegen bleiben.“

Am 24. Januar 2018 hätten die Mitarbeiter daraufhin den Betrieb in Meppen Am Kabelkran 8 für einen Tag bestreikt. Axel Knau von der Tönnies-Unternehmensgruppe habe laut Gewerkschaft sogar am 23. Februar 2018mit „der Schließung des Werkes gedroht“. Die jetzt nur noch 63 Beschäftigten wurden von der 2017 gegründeten EL 3 GmbH beschäftigt und als Leiharbeiter im Werkvertrag bei Petcura eingesetzt. 21 von ihnen erhielten dann einen Arbeitsvertrag bei Petcura. Sie erhalten weiter den selben Lohn. Sie arbeiten jetzt zwar wieder direkt bei der Tierfutterfirma, allerdings ohne einen Betriebsrat.

Zudem kündigte die Geschäftsführung an, dass die restlichen 42 Beschäftigten zum Jahresende 2018 gehen müssen. Um trotzdem die Produktion zu gewährleisten, würden bereits Leiharbeitnehmer der Firma Besselmann Services GmbH & Co KG aus Bad Laer (Landkreis Osnabrück) jeden Tag nach Meppen kommen.

„Die anderen 42 will Tönnies größtenteils loswerden“, mutmaßt Hildebrand. So könnte die Produktion durch die Leiharbeiter wesentlich günstiger gestaltet werden. Der Stundenlohn bei Petcura bzw. EL3 betrage 12,81 bis 13,71 Euro. Dieser sei im Branchenvergleich zu anderen Standorten sogar niedrig. Ein Leiharbeiter würde jedoch pro Stunde nur 9,60 Euro verdienen. Gleichwohl würden sich die 42 betroffenen Petcura-Beschäftigten, die „fast alle gewerkschaftlich organisiert sind“, dies nicht einfach gefallen lassen. Dazu Hildebrand: „Wir sind kampfbereit.“


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