George Gambier: "Meppen ist meine Heimat" Rockpalastbesitzer über das Bermudadreieck, Migration und Schützenvereine

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Am Wochenende geht es in den Räumlichkeiten des Rockpalastes von George Gambier oft hoch her. "Ich will, dass die Leute tanzen. Wenn sie es nicht tun, dann stimmt etwas nicht", sagt er. Foto: Harry de WinterAm Wochenende geht es in den Räumlichkeiten des Rockpalastes von George Gambier oft hoch her. "Ich will, dass die Leute tanzen. Wenn sie es nicht tun, dann stimmt etwas nicht", sagt er. Foto: Harry de Winter

Meppen. Seit 1982 betreibt George Gambier in Meppen den Rockpalast im Bermudadreieck. So gut wie jeder in der Kreisstadt kennt den über 80-Jährigen. Von vielen wird er einfach nur beim Vornamen genannt. Welche Erfahrungen er mit den Meppenern gemacht hat, wie es sich als schwarzer Mensch im Emsland lebt und wie er über Migration und Flüchtlinge denkt, hat er im Gespräch mit unserer Redaktion verraten.

Entspannt sitzt Gambier am Tisch. Er trägt eine schwarze Jogginghose und ein rotes Polohemd. Dass er schon über 80 Jahre alt ist, sieht man ihm nicht an. An den Wänden seines Büros hängen zahlreiche Familienfotos seiner Kinder und Enkel sowie Bilder vergangener Zeiten. Schon immer drehte sich sein Leben um Musik. Eine eigene Diskothek aufzumachen, war für ihn also nur eine logische Konsequenz. 

Von Südamerika nach Meppen

Bis er Mitte 30 war, lebte er in seinem Geburtsland Suriname, einem kleinen Staat an der Nordostküste Südamerikas. Hier arbeitete er in einem Hotel als Sänger und veröffentliche einige Songs auf Schallplatte. Anfang der 1970er zog es ihn nach Europa. Zunächst lebte er für einige Monate bei Verwandten in Amsterdam und ging dann nach Hamburg. Ein Freund von ihm war DJ in der damaligen Meppener Diskothek Barbarella. Dieser lud ihn in die Kreisstadt ein – und er blieb hier. Um Geld zu verdienen, arbeitete er bei Wavin in Twist und der Meppener Eisenhütte. Mit dem Ersparten pachtete Gambier ein Café und betrieb die Disco "Jump in". 1982 bekam er die Chance, sein eigenes Lokal zu eröffnen. Aus einer alten Werkstatt an der Schützenstraße machte er mit Unterstützung seiner Frau Petra, die er Mitte der 1970er in Meppen kennengelernt und wenig später geheiratet hatte, den Rockpalast.

Bewährtes Konzept

Der Name stellte zugleich den Schwerpunkt der Musik dar. "Wir wollten Rockmusik spielen, um nicht mit den anderen Discos zu konkurrieren", so Gambier. "Das lief aber nach einer kurzen Hochphase nicht mehr gut. Also erweiterten wir das Angebot um Soul, Independent und Funk. Außerdem sollten sich die Leute ihre Stücke beim DJ wünschen können." Bis heute setzt der Rockpalast auf dieses Konzept und zieht Gäste im Alter von 18 bis deutlich über 40 Jahren an. Im Vergleich zu früher würden die Besucher heute immer später zu ihm kommen, sagt Gambier. "In der 1980er war der Laden ab 21 Uhr gut besucht. Heute geht es erst gegen 1 Uhr morgens richtig los." Außerdem hätten die meisten bereits zu Hause getrunken, was sich am Umsatz bemerkbar mache. "Die Leute trinken bei mir weniger im Rockpalast. Aber ich will mich nicht beschweren." 

Es gibt wohl nur wenige Meppener, die noch nicht durch diese Tür in den Rockpalast zu George Gambier gegangen sind. Foto: Harry de Winter


Das Bermudadreieck

Dass Meppen eine Partymeile mit dem Bermudadreieck hat, findet Gambier toll. Nicht nur, weil er daran seinen Lebensunterhalt verdient, sondern weil hier immer etwas los sei. "Hier ist Leben. Es ist alles in Bewegung und die Atmosphäre ist locker". Für Meppen wünscht er sich ein großes gemeinsames Fest, doch das wäre aus seiner Sicht nur schwer durchzusetzen. "Die Leute feiern heute viel mehr im privaten Umfeld. Ein gemeinsames, großes Schützenfest aller Vereine aus Meppen, das könnte funktionieren." Selbst im Schützenverein aktiv zu sein, kommt für Gambier aber nicht in Betracht. "Auch wenn ich schon oft gefragt worden bin, dort mitzumachen. Das wäre einfach nichts für mich."

Der Rockpalast und George Gambier gehören in Meppens Bermudadreieck seit über 30 Jahre fest dazu. Foto: Harry de Winter

Dass es regelmäßig zu Schlägereien im Bermudadreieck kommt, ist für ihn nichts Außergewöhnliches, denn die gebe es eben überall, wo Alkohol konsumiert werde. Im Rockpalast gibt es keine Security. "Die Leute passen selbst auf. Das klappt hier schon immer so", sagt Gambier. Der Eintritt im Rockpalast kostet 2,50 Euro. Hier wird dann auch entschieden, ob man reinkommt oder nicht. Eine harte Türpolitik gibt es laut Gambier aber nicht. "Eigentlich kommt jeder rein, der nicht auf Ärger aus ist." Mehr Stress unter den Partygängern als früher gibt es aus seiner Sicht im Bermudadreieck nicht. 

Musik ist kompliziert

Eine Veränderung habe es hingegen bei der Musik gegeben. "Früher war es einfach, die Musik zu spielen, die die Leute auch hören wollten. Heute hört jeder seine spezielle Richtung." Das sei für den DJ keine leichte Aufgabe. "Ich will, dass die Leute tanzen. Wenn sie es nicht tun, dann stimmt etwas nicht." Selbst auf der Bühne steht Gambier nur noch selten. "Das mache ich nur noch bei besonderen Anlässen."



Meppen ist Heimat

Für Gambier ist Meppen schon längst zur Heimat geworden. Als er Anfang der 1970er hier ankam, sei er der einzige schwarze Mensch in der Stadt gewesen. Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit habe er dabei aber nicht erfahren. "Die Menschen waren neugierig, was ich für einer bin. Ich bin mit ihnen immer im Gespräch gewesen. Genauso wie ich die Mentalität der Emsländer kennenlernen musste, mussten sie mich ja auch kennenlernen. Eigentlich meint es hier niemand schlecht mit einem." Trotzdem erinnert er sich noch gut daran, als in den 1990ern eine Gruppe Neonazis vor seinem Haus rechte Parolen wie "Ausländer raus" skandierte. "Das hat mich sehr zornig gemacht. Glücklicherweise war dies nur ein trauriger Einzelfall."

"Hier ist Europa"

Die aktuelle Flüchtlingsdebatte in Deutschland verfolgt Gambier mit gemischten Gefühlen. "Ich bin selbst Ausländer und Einwanderer. Bevor man über jemanden urteilt, muss man ihn kennen. Vielen fehlt bei dieser Sache der Respekt im Umgang mit anderen Menschen. Das gilt für beide Seiten." Hier sei nicht Afrika, Amerika oder Asien, sondern Europa. Wer hier leben wolle, der müsse sich anpassen, die Sprache lernen, sich bemühen, Anschluss zu finden und finanziell durch Arbeit auf eigenen Beinen stehen. "Dass ich meinen Platz gefunden habe, liegt wohl auch mit daran, dass ich damals alleine war. Ich war der einzige Schwarze unter den Weißen. Wenn ich heute auf die Straße gucke, stehen die Migranten in Gruppen zusammen und sprechen kein Deutsch. Das verhindert die Integration. Wenn sie alleine wären, würde es viel besser funktionieren, denke ich. Bei mir hat es ja auch funktioniert."  

Der Rockpalast ist George Gambiers Wohnzimmer. Foto: Harry de Winter

Es geht weiter

Wochenende für Wochenende findet man Gambier von abends bis morgens in seinem Rockpalast. Die Arbeit in den Nachtstunden mache ihm auch trotz des hohen Alters nichts aus. Er habe genug Zeit, sich in der Woche zu erholen. Wie lange er seinen Laden noch führen will, weiß er nicht. "Das entscheiden meine Frau und natürlich meine Gäste. So lange die mich mögen und hier haben wollen, mache ich das weiter." 


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