Ehemalige Patientin berichtet Ambulante psychiatrische Hilfe von Lotse große Hilfe

Von Jürgen Eden

Meine Nachrichten

Um das Thema Meppen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

:Der Verein Lotse bietet seelisch Erkrankten mit einer ärztlichen Verordnung aufsuchende Hilfen. Foto: Lotse:Der Verein Lotse bietet seelisch Erkrankten mit einer ärztlichen Verordnung aufsuchende Hilfen. Foto: Lotse

Meppen. Dass heute, 40 Jahre nach der Psychiatrie-Reform, seelische Erkrankungen in weiten Teilen der Gesellschaft immer noch als Tabuthema behandelt werden, zeigt eine Begegnung mit einer ehemaligen Patientin in der ambulanten, psychiatrischen Pflege (APP) bei Lotse in Meppen.

In einem Interview erzählt sie, wie sie die Spirale ihrer psychischen Erkrankungen erlebte und wie sie mit Hilfe von Lotse einen Weg fand, mit ihrer Erkrankung ein selbstbestimmtes Leben zu fuhren.

„Ich nehme es niemanden übel, wenn er leichtfertig über psychische Erkrankungen Anderer urteilt. Wer das nicht mitgemacht hat, kann nur schwer ein objektives Bild abgeben“, sagt die ehemalige Patientin. Einen konkreten Anlass oder eine unmittelbare Ursache sind ihr nicht bewusst, als bei ihr vor 15 Jahren die Lebensfreude schwand. Erste Symptome waren Stimmungsschwankungen, Unsicherheit und Ängstlichkeit, sozialer Rückzug und Reaktionen, die im Familien- und Bekanntenkreis als ungewöhnlich aufgefasst wurden.

Bewältigung des Alltags

Die Bewältigung des Alltags stellte sie vor große Herausforderungen. „Ich konnte nicht mehr klar denken. Einfache Dinge, wie beispielsweise das Aufräumen der Wohnung, Einkaufen und Kochen konnte ich kaum bewerkstelligen. Selbst der Schlaf war für mich alles andere als erholsam.“ Sie gelang in eine Art Abwärtsspirale, in der nahezu jeder Gedanke nur noch um die Krankheit kreiste. Im Ergebnis zog sie sich immer weiter zurück und entwickelte Wahnvorstellungen. Im Jahr 2003 folgte die erste Einweisung und Behandlung in einer Klinik. Zu groß war aus Sicht der Ärzte offenbar das Risiko für eine Eigengefährdung. Zu ihrer psychischen Erkrankung gehörte auch eine Paranoia, also Verfolgungswahn. Das äußerte sich beispielsweise dadurch, dass sie auf allen Türschildern in der Klinik den gleichen Namen las.

Nach dem ersten Aufenthalt in der Klinik war die Situation anfangs besser, die Erkrankung aber nicht überwunden. Die Bewältigung des Alltags stellte sie vor die gleichen Probleme. Es folgte eine weitere Einweisung. Eine positive Wende gab es erst, als sie über eine ärztliche Verordnung mit der APP von Lotse e. V. in Verbindung kam. „Hier handelt es sich um eine besondere Form der häuslichen Krankenpflege, die ambulante psychiatrische Pflege, die vom Facharzt verordnet wird. Es ist eine aufsuchende Hilfe beim Patienten, die zeitlich begrenzt ist. Längstens für vier Monate sind unsere Mitarbeiter vor Ort und sehen, wo die Probleme und akuter Handlungsbedarf bestehen“, erklärte Anita Becker, Geschäftsführerin von Lotse e. V.

Klinikaufenthalte vermieden

Durch APP konnten in diesem Fall zwei Klinikaufenthalte vermieden werden. Denn gemeinsam wurde versucht, Prioritäten bei der Bewältigung der Krankheit und bei Alltagsproblemen zu setzen. Im wesentlich geht es darum, die seelische Erkrankung einschätzen zu lernen und therapeutische oder evtl. medizinische Unterstützung gut zu nutzen. Manchmal geht es aber auch um Unterstützung bei ganz banalen Dingen, die gerade nicht allein bewältigt werden können. Das kann beispielsweise das Bearbeiten der Post oder das Aufräumen der Wohnung sein. Oder gemeinsam zu schauen, welche Gegenstände nicht mehr benötigt werden.

Eine Tagesstruktur schaffen

Aber es ging auch darum, wieder eine Tagesstruktur zu schaffen und für alltägliche Dinge wie Einkauf oder das tägliche Kochen zu motivieren. „Für mich bedeuteten die Hilfen, dass endlich mal jemand da war, der nicht urteilte, sondern zuhörte und direkt half, die Dinge wieder ins Lot zu bekommen“, sagt die ehemalige Patientin.

Inzwischen arbeitet sie wieder, kümmert sich mit ihrem Mann um das gemeinsame Kind und engagiert sich sogar ehrenamtlich. Ob sie jemals völlig geheilt wird, ist offen. Fest steht aber, dass sie mit den sozialraumnahen Hilfen lernt, mit ihrer Krankheit zu leben. Außerdem tauscht sie sich regelmäßig in einer Selbsthilfegruppe aus.


Eine Depression ist oft die Ursache für weitergehende psychische Erkrankungen. Rund zehn Prozent der Bevölkerung erleiden im Laufe ihres Lebens eine Depression. Die Ursachen sind vielfältig und können genetisch aber oft traumatisch bedingt sein. Aber es gibt auch positive Lebensereignisse, wie beispielsweise eine Hochzeit oder die Geburt eines Kindes, die zu Depressionen für können.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN