„Jugend rettet“ im Mittelmeer Film über Flüchtlinge und Helfer in Meppen gezeigt

Von Heiner Harnack

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Meppen Ein Dokumentarfilm über Rettungsaktionen von privaten Helfern für Flüchtlinge in Seenot auf dem Mittelmeer ist im Germania-Kino in Meppen gezeigt worden. Anschließend gab es eine Diskussion mit dem Meppener Christoph Lammers, der an solchen Aktionen teilgenommen hat.

Die Besatzung des umgebauten Fischkutters „Iuventa“ hat im Laufe von zwei Jahren rund 14.000 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet.Bei zwei Fahrten war der Meppener Christoph Lammers mit an Bord. Der italienische Regisseur und Kameramann Michele Cinque hat einen Dokumentarfilm über die Rettungsaktionen gedreht, der in Meppen gezeigt wurde. Die Veranstalter waren überrascht, dass der große Saal 1 des Kinos komplett mit Zuschauern gefüllt war.

Der Filmemacher hat sein Material, dass er ein Jahr gesammelt hat, ohne hektische Schnitte bearbeitet. Zeitweilig wurde eine Helmkamera eingesetzt, um Rettungsaktionen nicht zu behindern.

Obwohl es dabei für die Besatzung durchaus gefährlich wurde, verfiel Cique nicht in puren Kamera-Aktionismus, sondern liefert Bilder ab, die dokumentieren. Der Filmemacher zeichnet auch schöne Sonnenuntergänge nach und zeigt ein Besatzungsmitglied, dass die Ukulele spielt. Dazu ruhige Szenen an Bord, in denen Besatzungsmitglieder über ihre Arbeit sprechen. Dann wieder Rettungssequenzen, die überfüllte Schlauchboote zeigen, von denen die Flüchtlinge versuchen, möglichst schnell herunter zu kommen. Um nicht selbst in Gefahr zu geraten, setzt das Rettungsboot sogar zurück, bis die Situation entspannter wird. Selbst den Toten rückt die Kamera nicht so nahe, dass den Verstorbenen die Würde genommen wird.

Cinque folgte der Truppe bis nach Berlin, wo man bei Besprechungen merkt, dass die jungen Menschen durchaus von Selbstzweifeln befallen sind, weil sie nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Während der 84 Minuten verzichtet Cinque auf allzu aufdringliche Musik. Lediglich zum Schluss gibt es dramatische Akkorde und der Ton wird hochgezogen.

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Die Diskussion

Derzeit liegt die „Iuventa“ im italienischen Lampedusa fest, weil man der Organisation den Vorwurf macht, mit Schlepperbanden zu kooperieren. „Im Oktober 2016 und im März 2017 war ich bei zwei Missionen zwischen Libyen und Italien dabei“, berichtet Christoph Lammers. Er kritisiert, dass von Deutschland aus alles immer leicht zu sagen sei und Forderungen gestellt würden, ohne die wahren Sachverhalte zu kennen. „Für mich ist es nicht akzeptabel, dass man Menschen zur Abschreckung sterben lassen will“, erklärte er weiter. „Es gibt keine Anklage gegen irgendjemand von der Iuventa und private Seenotrettungsschiffe werden ebenso am Auslaufen gehindert“, schilderte er die derzeitige Situation. Lammers stellte klar, dass jedes Schiff verpflichtet sei, Menschen in Seenot zu retten. „Häufig kommt von Kritikern der Vorwurf, diese Gummiboote seien nicht in Seenot, aber diese Dinger lassen sich nicht manövrieren.“ Kollege Jannek Bruhns erklärte, dass der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages die Einschätzung der Retter teile, dass die Menschen sich in Seenot befänden und jederzeit sterben könnten. Engeline Kramer, ehemalige Migrationsbeauftragte des Landkreises Leer, machte auf die menschlichen Dramen aufmerksam, auf dem lebensgefährlichen Weg Richtung Europa. „Frauen werden vergewaltigt oder gezwungen, als Prostituierte zu arbeiten“, erzählte sie. „Ein Zurück gibt es nicht mehr, weil das den Tod bedeutet.“ Ein Zuhörer, der in der Flüchtlingsbetreuung arbeitet, kritisierte die Behörden, die kaum bereit seien, den Flüchtlingen zu helfen. Es würde nur nach Gründen gesucht, die Menschen wieder los zu werden, behauptete er. Die Arbeit der Ehrenamtlichen stoße oft auf negative Resonanz. Burkhard Klemenz, früher Superintendent des Kirchenkreises Emden-Leer, und Moderator des Abends, gab dem Gast recht und forderte die Ämter auf, nicht einfach zu blockieren und nicht dazu beizutragen, dass Integration verhindert wird.


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