Allerorten wird bewässert Wasserbedarf für Feldberegnung deutlich gestiegen

Von Tobias Böckermann

Wegen der anhaltenden Trockenheit werden viele Äcker bewässert. Dieses Foto entstand 2017, in diesem Jahr ist es noch trockener. Archivfoto: Tobias BöckermannWegen der anhaltenden Trockenheit werden viele Äcker bewässert. Dieses Foto entstand 2017, in diesem Jahr ist es noch trockener. Archivfoto: Tobias Böckermann

Meppen. In den kommenden Tagen ist endlich etwas Regen in Sicht, endlich vor allem aus Sicht der Landwirte. Sie müssen zum Teil intensiv ihre Felder beregnen, um die Ernte zu retten oder verkaufsfähige Qualitäten zu erzielen. Aber wer darf eigentlich wann und wie viel Grund- oder Oberflächenwasser verwenden?

Weil diese Frage mehrere Leser gestellt haben, hat die Redaktion beim Landkreis Emsland nachgefragt. Dort ist die untere Wasserbehörde für die Erteilung von Genehmigungen für die Feldberegnung zuständig. Klar ist: der Wasserbedarf ist bereits in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen.

Grundsätzlich bedarf es für die Entnahme von Grund- und Oberflächenwasser zur Feldberegnung einer wasserrechtlichen Erlaubnis der Wasserbehörde. Im Antrag ist die Erfordernis für die Feldberegnung und deren Verträglichkeit für das Grundwasser oder das oberirdische Gewässer darzustellen. Der Landwirt muss also belegen, dass die Wasserentnahme unschädlich ist.

Ebenso sind mögliche Auswirkungen auf die Landschaft und auf schützenswerte Ökosysteme zu beschreiben. „In dem auf den Antragsunterlagen basierenden Wasserrechtsverfahren wird dann unter Beteiligung von Betroffenen und von relevanten Behörden über die Zulässigkeit entschieden“, teilt Landkreis-Sprecherin Anja Rohde mit.

7,3 Millionen Kubikmeter

Im Zuständigkeitsbereich des Landkreises Emsland dürfen demnach derzeit 7,3 Millionen Kubikmeter (m³) Grundwasser pro Jahr aus 398 Brunnen zur landwirtschaftlichen Feldberegnung gefördert werden. Weitere 1,25 Millionen m³ Wasser dürfen an leistungsstarken Oberflächengewässern unter definierten Bedingungen entnommen werden, also zum Beispiel aus der Hase oder größeren Bächen.

In den vergangenen zehn Jahren ist die erlaubte Grundwasserentnahmemenge um 5 Millionen Kubikmeter angestiegen, die Wasserentnahme aus Oberflächengewässern hat sich nahezu nicht verändert. In dieser Menge nicht enthalten sind Grundwasserbrunnen, die der Wasserversorgung von Nutztieren dienen.

30 Verstöße

Die erfolgte Wasserentnahme selbst ist vom Landwirt zu dokumentieren und die Unterlagen sind dem Landkreis vorzulegen. Im Rahmen der Gewässeraufsicht werden eigenständig und von der Bevölkerung angezeigte Wasserentnahmen vor Ort überprüft. Neben Wasserentnahmen, die antragsgerecht seien, „werden demnach auch Verstöße gegen erteilte Erlaubnisbescheide sowie illegale Wasserentnahmen festgestellt. Etwa 100 Anzeigen oder Hinweise auf Entnahmen sind beim Landkreis Emsland eingegangen“, sagte Rohde. „Davon wurden aktuell rund 30 als Verstöße registriert. Die übrigen werden noch überprüft oder sind erlaubte Entnahmen.“

Unerlaubte und unzulässige Wasserentnahmen stellen eine Ordnungswidrigkeit dar und werden vom Landkreis Emsland mit einem Bußgeld geahndet. Über dessen Höhe wird im Einzelfall abhängig von der Sachlage entschieden. Gesetzlich festgelegte „Faustregel“ ist dabei unter anderem, dass die Höhe des Bußgeldes den wirtschaftlichen Vorteil des Täters übersteigt. Ebenso droht eine Kürzung der EU-Fördermittel, die der Landwirt für die Bewirtschaftung seiner Flächen erhält.

Die sogenannte Bewirtschaftung der Wasservorräte scheint im feuchten Emsland auf den ersten Blick nicht vorrangig zu sein. Aber nicht erst die aktuelle Dürre hat den Blick für das Grundwasser geschärft: Auch im Emsland sind in einigen gebieten die Vorräte deutlich zurückgegangen. Der Landkreis Emsland erarbeitet deshalb gerade Pilotprojekt zum Wassermanagement.

Ob sich das Beregnen für die Landwirte lohnt, wissen sie übrigens nicht in jedem Fall. Denn das hängt laut Landwirtschaftskammer Weser-Ems auch davon ab, wie sich die Preise zum Beispiel für Kartoffeln im Herbst entwickeln. Sicher ist: Die Beregnung kostet viel Arbeit und Geld. Jeder Millimeter künstlicher Regen kostet den Bauern im Durchschnitt rund drei Euro. Das sind bei 80 Millimeter Zusatzwasser je nach Kosten der Wasserbereitstellung und je nach eingesetzter Technik etwa 200 bis 400 Euro pro Hektar.


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