Sozialer Dienst und Völkerverständigung Meppener Reservistenkameradschaft pflegt Weltkriegsgräber

Von Malte Goltsche


Meppen. Regelmäßig reist die Reservistenkameradschaft Meppen in das Gebiet der Meppener Partnerstadt Ostroleka in Polen, um dort Friedhöfe aus dem Ersten Weltkrieg zu pflegen. In diesem Jahr überarbeiteten die Reservisten die Friedhöfe in Rososz und Ponikiew Duza.

100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges reisten zwölf Reservisten der Meppener Kameradschaft unter Leitung des Hauptmann der Reserve Karl-Ludwig Bode nach Polen. Nach einer Vorerkundung im vergangenen Jahr ging es in diesem Sommer an die Arbeit. Der Einsatz wurde mit Hilfe des Volksbundes der Deutschen Kriegsgräberfürsorge und dem Kommando Schnelle Eingreiftruppe Sanitätsdienst der Bundeswehr durchgeführt. Zwei Fahrzeuge und Kraftfahrer wurden für den Einsatz abgestellt, um die Reservisten durch teilweise unwegsames Gebiet zu bringen. Außerdem förderten die Stadt Meppen, der Landkreis Emsland und einige private Sponsoren den Trip.

Neue Kreuze für die Friedhöfe

Ziel waren die Friedhöfe in Rososz und Ponikiew Duza. Auf dem Friedhof in Rososz stellte die Truppe ein Eichenkreuz und zwei Metallkreuze auf, in Ponikiew Duza wurde der Betonzaun des Friedhofes begradigt. „Nach der Vorerkundung hätte ich auch gerne einen neuen Zaun gebaut aber nach Anweisung der Bürgermeisterin sollte der Friedhof möglichst in seinem Originalzustand belassen werden“, erklärt der Vorsitzende der Kameradschaft, Jürgen Bradler. Außerdem errichteten die Meppener einen neuen Holzzaun am Eingang und ein Eichenkreuz. Anschließend wurde der überarbeitete Friedhof durch ortsansässige Pfarrer eingeweiht.

Viele der Friedhöfe sind in Polen seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gepflegt worden und in einem dementsprechenden Zustand. Das Ziel der Reservistenkameradschaft ist es, den dort gefallenen Soldaten eine würdige Umgebung für die letzte Ruhestätte zu geben. Neben der Friedhofspflege stand in diesem Jahr ein weiteres Anliegen auf der Tagesordnung. So sammelten die Reservisten einen Betrag von 600 Euro für Dobrusia Napiórkowska, einem kleinen Mädchen aus Ostroleka, das mit einer seltenen Krankheit geboren wurde. Um ihre Behandlung, die nicht komplett von der Krankenversicherung getragen wird, zu unterstützen, übergab die Gruppe die Spende bei einem gesonderten Treffen.

Besseres Verhältnis

Bei den Reisen geht es jedoch nicht nur um die Pflege von Kriegsgräbern, sondern auch um Völkerverständigung. „Wir wollen auch das Land und die Leute kennenlernen“, sagt Jürgen Bradler. Die ehemaligen Soldaten bewegen sich oft in Uniformen durch die Städte und Gemeinden. „Anfangs sind wir bestaunt worden mit unserer deutschen Uniform. Heute gehören wir dazu, man hat sich an uns gewöhnt“, berichtet er. Bradler beobachtet außerdem ein verändertes Verhältnis zwischen Polen und Deutschen. „Es hat sich grundlegend verändert, ist mittlerweile viel positiver“, sagt er.

In der Reservistenkameradschaft geht es um „Traditionspflege und Kameradschaft“, erklärt Bradler. „Es ist genau das, was wir in der Bundeswehr gelernt haben.“ In Zukunft wird es für den 74-Jährigen und seine teilweise älteren Mitstreiter aber immer schwerer, die körperlich anstrengenden Einsätze durchzuführen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht. „Wir wollen die Projekte in jüngere Hände geben“, sagt er. Die Arbeit sei wichtig und trage zu einer gemeinsamen und friedlichen Zukunft in Europa bei.


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