Für das Leben lernen 195 Kinder besuchen Jakob-Muth-Schule in Meppen

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Meppen. An der Jakob-Muth-Schule in Meppen in Vitus Trägerschaft erfüllen 195 Kinder und Jugendliche mit einem Förderbedarf „Geistige Entwicklung“ ihre Schulpflicht. Die Arbeit orientiert sich an den individuellen Möglichkeiten der Schüler. Zwei Fachkräfte beschulen pro Klasse sieben bis neun Schüler.

Meppen Es findet eine klassenübergreifende Beschulung in der Grundstufe (Klasse eins bis drei), Mittelstufe (vier bis sechs) und Oberstufe (sieben bis neun ) statt. Im Anschluss gibt es die Berufsvorbereitungsschule für die Klassen zehn bis zwölf. Zusätzlich zu den Pädagogen im Klassendienst gibt es mehrere Mitarbeiter im übergreifenden Dienst. Ziel ist es, in Einzel- oder Gruppensitzungen mit den Schülern zum Beispiel „Autismus spezifische Förderungen“ durchzuführen. Damit werde nicht nur Schwierigkeiten im schulischen Alltag überwunden. Ein Ziel ist es für „das Leben zu lernen“.

Autistische Kinder

Eva Kossmann und Mechthild Hundebeck-Brinker betreuen autistische Kinder. Nach Einschätzung der Heilpädagogin Kossmann wurde früher oftmals der Autismus gar nicht diagnostiziert. Dabei gebe es sehr viele verschiedene Formen mit unterschiedlichen kognitiven Fähigkeiten. Ein Schüler kennt zum Beispiel die Fahrpläne der Deutschen Bahn auswendig. „Im Einzelfall kann er sogar Ratsuchende auf Bahnhöfen beraten.“ Ein weiterer Schüler übt sich an Excel-Tabellen. Mit dem übergreifenden Dienst sei die notwendige Förderung im eigenen kleinen Lernzenturm möglich.

Verlässlichkeit wichtig

Zu den Besonderheiten von Autisten zählt oftmals, dass sie „alles wörtlich verstehen“. Ausdrücke wie „Spring über deinen Schatten!“ versuchen sie, in die Tat umzusetzen. Mechthild Hundebeck-Brinker nennt weitere Floskeln wie „Tomaten vor den Augen“ oder „Mund halten“. Aber auch das Wahrnehmungs- und Raumempfinden unterscheide sich oftmals von dem unsrigen. Viele Autisten seien zudem auf „Verlässlichkeit“ angewiesen. Dies starte mit einem festen Zeitplan. „Wir vom übergreifenden Dienst“ zeigen den Pädagogen seit 2015 in den Klassen gezielt Handlungskonzepte auf. „Viele Autisten brauchen für ein konzentriertes Lernen oft sehr reizarme Umgebungen.“ Das Schreiben einer Mathe-Arbeit mit mehreren Schülern könne sie bereits komplett überfordern. „Das ist in etwa so, als wenn wir diese Mathearbeit auf einer Kirmes schreiben müssten“, versucht die Pädagogin, eine Vergleichssituation aufzuzeigen. Bestimmte Talente von Autisten würden oft erst in der Einzelförderung und reizarmer Umgebung entdeckt. Zu den Aufgaben des übergreifenden Dienstes gehört es auch, „Elterntreffs“ zu veranstalten. Gerade für Eltern sei der Austausch untereinander sehr wichtig. Dazu eine Mutter: „Wenn ich hier etwas aus unserem Alltag erzähle, weiß jeder gleich, was gemeint ist. Wir können sogar gemeinsam darüber lachen.“

Unterstützende Kommunikation

Julia Esders-Bohlen ist im Rahmen des übergreifenden Dienstes für den Bereich der „unterstützten Kommunikation“ zuständig. „Auch wer nicht sprechen kann, hat viel zu sagen“, so ihre Devise. „Wir wollen Gedanken Sprache geben.“ Damit sich diese Kinder mit ihrer Umwelt verständigen können, gibt es unterschiedliche Hilfestellungen. Die Palette reicht von Gebärden über grafische Symbole bis zu technischen Hilfen wie I-Pad. „Uns ist es wichtig, dass der Schüler durch Rituale und Routinen zur Kommunikation angeregt und motiviert wird“, sagt Esders-Bohlen. Sie arbeitet eng mit Eltern und Therapeuten zusammen und berät sie über den Einsatz von Hilfsmitteln. „Wir ermöglichen den Menschen damit eine soziale Teilhabe“, so die Therapeutin. Früher hatten viele von ihnen überhaupt nicht die Möglichkeiten, sich zu verständigen geschweige denn Fragen zu stellen. Dabei sei es wichtig, mit der Förderung so früh wie möglich zu beginnen. Damit würde Entwicklungsverzögerungen entgegengewirkt.


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