Tierfutter im Premiumsegment Tönnies investiert Millionen Euro in Meppen

Von Hermann-Josef Mammes


Meppen. Am 1. Januar übernahm die Tönnies-Unternehmensgruppe aus Rheda-Wiedenbrück den Hochwald-Standort in Meppen. Nach einem kostspieligen Umbau startete Mitte März 2017 die Futterproduktion.

Am Kabelkran 8, wo bis 2016 Hochwald Bockwürste für den menschlichen Verzehr herstellte, werden jetzt hochwertige Produkte für Hunde und Katzen produziert. Hierzu gründete Tönnies das Tochterunternehmen. Bei einem Gespräch mit unserer Redaktion legten Tönnies-Unternehmenssprecher André Vielstädte und Vertriebsleiter Wolfgang Meißner großen Wert darauf, dass es sich ausschließlich „um Premium-Tierfutter“ handelt.

Kein eigenes Werk

Vielstädte sagte, dass Tönnies zu dem damaligen Zeitpunkt „kein eigenes Werk für die Tierfutterproduktion“ besaß. Es habe laut dem Unternehmenssprecher zuerst die Überlegung gegeben, „ein Werk auf der grünen Wiese“ zu errichten. Stattdessen wurde dann die Produktionsstätte von Hochwald in Meppen erworben. „Wir haben nur die Hülle des Gebäudes übernommen“, so Vielstädte. Von den damals 60 bis 70 Beschäftigten sei ein Großteil übernommen worden. Für Petcura arbeiten im Einschichtbetrieb zurzeit noch 40 Angestellte.

Große Investition

Um den Standort konkurrenzfähig zu machen, habe die Unternehmensgruppe in Meppen „einen mittleren Millionen-Betrag“ investiert. So musste man erheblich in die Infrastruktur investieren. Gleichwohl bot Meppen laut Meißner den Vorteil, dass es als Produktionsstandort IFS (International Food Standrad) zertifiziert war. Auch wenn dies grundsätzlich für Tierfutter nicht notwendig sei, würden gerade die großen Discounter „dies voraussetzen“. Tatsächlich ist es Petcura inzwischen gelungen nicht nur als Eigenmarke Produkte anzubieten, sondern auch für einen großen Discounter in Deutschland unter dessen Label Tierfutter zu produzieren.

Viel Arbeit notwendig

„Wir sind seit eineinhalb Jahren am Markt und konnten auch Neukunden gewinnen“, sagte Vielstädte. Gleichwohl müsse man noch viel tun, „um am Markt dauerhaft bestehen zu können“. Ziel sei es im Jahr 40.000 Tonen in der Kreisstadt herzustellen, Davon sei man noch ein großes Stück entfernt.

Kostbares Rohfutter

Das Rohfutter erhalten die Meppener u.a. aus den Tönnies-Betrieben in Badbergen, Sögel und Rheda-Wiedenbrück aus der Schweine- und Rinderschlachtung. „Wir verarbeiten hier frische Ware“, sagt der Vertriebsleiter. Dabei sei es enorm wichtig, dass auch für besondere Rezepturen hochwertige Zusatzprodukte beigemischt werden. Die Palette reicht vom Granatapfel bis zur Preiselbeere. Beim Premiumfutter würden die Rohstoffe immer wichtiger. Ein Spezialist ist in Meppen für die Produktentwicklung zuständig. Die „Caneo-Hundemarke“ enthält auf Wunsch Pute oder Lamm. Für die Katze dürfen es unter der Marke „Calimba“ schon mal Rinderherzen oder Lachs sein.

Markt hart umkämpft

Obwohl der Tiermarkt „hart umkämpft“ ist, sehen die Tönnies-Verantwortlichen ebenso wie die Discounter speziell im Premium-Bereich großes Potenzial. Neben den Rezepturen legten die Kunden großen Wert „auf einen hohen Fleischanteil“. Dabei darf es ausnahmsweise schon mal Wasserbüffel oder anderes exotisches Fleisch sein. Trotz der vielen großen Mitbewerber wolle Petcura nicht nur mit Dosenfutter (85 bis 800 Gramm), sondern auch mit Kauartikeln und Snacks Nischen besetzen. Während der Markt für Aquaristik und Kleintiere sinke, wachse das Segment für Tier- und Katzenfutter. „Tierbesitzer schauten nicht auf den Euro. Sie ernähren ihren Vierbeinern oft besser als sich selbst“, sagte Vielstädte. Bislang werde die Marke nur national vermarktet. Petcura strebe nach einem „erfolgreichen Messe-Besuch“ in München im Mai 2018 mittelfristig auf den internationalen Markt.


Tönnies ist als mehrstufiges Unternehmen der Lebensmittelbranche weltweit tätig. Das 1971 gegründete Familienunternehmen befasst sich im Kerngeschäft mit der Schlachtung, Zerlegung, Verarbeitung und Veredelung von Schweinen, Sauen und Rindern. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Rheda-Wiedenbrück. An den Standorten in Deutschland (u.a. Sögel), Dänemark, Großbritannien, Frankreich, Belgien und Polen sind rund 16.500 Beschäftigte tätig. Die Unternehmensgruppe ist weltweit aktiv und besitzt über 25 Auslandsbüros. Der Exportanteil beträgt über 50 Prozent.

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