„Selbst ich habe geschwitzt“ Meppenerin: Darum holte ich Hilfe für den Hund im Auto

Von Carola Alge

Eine Stunde lang saß ein Hund bei Hitze in einem Auto in einer Tiefgarage in Meppen. Franzi Hellmold alarmierte die Feuerwehr. Sie würde es, wie sie im Gespräch mit unserer Redaktion sagt, wieder tun. Foto: Katharina HellmoldEine Stunde lang saß ein Hund bei Hitze in einem Auto in einer Tiefgarage in Meppen. Franzi Hellmold alarmierte die Feuerwehr. Sie würde es, wie sie im Gespräch mit unserer Redaktion sagt, wieder tun. Foto: Katharina Hellmold

Meppen. Einen Tag, nachdem Franzi Hellmold einem eine Stunde lang in einem Auto in einer Tiefgarage in Meppen bei Hitze zurückgelassen Hund helfen wollte und die Feuerwehr verständigte, ist das Entsetzen darüber, wie der Fall von der Polizei behandelt wurde, bei ihr immer noch groß.

Sie beobachtete am Dienstag, dass der Hund bei Außentemperaturen von mehr als 30 Grad eine Stunde lang im Auto zurückgelassen wurde und fürchtete, dass er aufgrund der Wärmeentwicklung in dem Fahrzeug in Lebensgefahr geraten könnte. Das empfand die junge Meppenerin als Tierquälerei und wollte entsprechend bei den später hinzugekommenen Polizeibeamten Anzeige erstatten. Diese lehnten sie vor Ort mit Hinweis darauf ab, es sei ja nichts passiert.

Kein Anlass für Strafverfahren

Auf Anfrage erklärte Polizeisprecher Dennis Dickebohm unserer Redaktion, die Polizei unterliege dem sogenannten Legalitätsprinzip. Dieses besage, dass immer dann ermittelt werden müsse, wenn hinreichende Hinweise auf eine verfolgbare Straftat vorlägen. Im Meppener Fall hätten die Kollegen keine Hinweise auf eine solche Straftat erkennen können. „Die Temperatur in der Tiefgarage lag deutlich unterhalb der Außentemperatur. Das Fenster des Autos war ausreichend weit geöffnet“, so der Sprecher. Darüber hinaus sei die Hundehalterin bei Eintreffen der Beamten bereits vor Ort gewesen. Dem Tier sei es offensichtlich gut gegangen. Aus polizeilicher Sicht habe es keinerlei Anlass gegeben, ein Strafverfahren gegen die Halterin einleiten zu müssen.

Doch der Reihe nach. Wie berichtet parkte die 20-Jährige am Dienstagnachmittag hinter dem Pkw, in dem der Mischling an einer Leine zurückgelassen wurde, als seine Besitzer zum Einkaufen gingen. Im Gespräch mit unserer Redaktion schildert sie die Situation so: „Als ich mit meinem Auto in der Tiefgarage geparkt habe, habe ich erst mal nichts Besonderes gedacht. Mir ist das Auto mit dem Hund erst aufgefallen, als ich ihn bellen gehört habe und die Besitzer, ohne sich umzudrehen, einfach weitergegangen sind. Das hat mich etwas beunruhigt. Als die Frauen aus meiner Sichtweite waren, bin ich zu dem Hund gegangen und habe nach ihm geschaut. Er tat mir einfach nur leid, und ich wurde echt sauer. Wie kann man nur ein Tier im Auto einsperren, wenn es so warm ist?“ In der Tiefgarage sei es sehr heiß gewesen.

„Wenn man helfen kann, sollte man es auch tun“

Die Meppenerin habe zunächst ihre Einkäufe erledigt und darauf gehofft, dass die Besitzer nicht allzu lang wegblieben. Als sie nach 20 Minuten zurückkam, habe der Hund „immer noch total hechelnd“ auf dem Beifahrersitz gelegen. „Da habe ich mir gesagt, dass ich einschreiten muss. Ich habe schon so oft in den Medien gelesen, dass Hunde bei diesen Temperaturen im Auto eingesperrt waren und es nicht überlebten. Das wollte ich natürlich bei diesem Hund verhindern.“ Wenn man helfen kann, sollte man es auch tun, findet die angehende Auszubildende.

Dass der etwa 20 Minuten später eintreffende Feuerwehrmann zunächst versuchte, die Hundehalter im Gebäude über der Tiefgarage ausrufen zu lassen, empfand Hellmold in dem Moment – mit Blick auf die vergangene Zeit und die Wärme –nicht optimal. „Es wäre für mich richtig gewesen, wenn der Hund zuerst befreit worden wäre. Ich hätte natürlich auch die Scheibe einschlagen können, aber da kenne ich mich juristisch nicht so gut aus. Ich wusste in dem Moment nicht, ob ich das Recht dazu gehabt hätte, weil der Hund ja einen Luftspalt zum Atmen hatte.“

„Es gab ja keine Konsequenzen“

Der Vierbeiner habe ihr „so leidgetan“. Eine Stunde in einem warmen Auto mit kaum Luftzufuhr, mit einem Spalt breit geöffneten Fenster seien eine Qual für ihn gewesen. „Selbst ich habe geschwitzt, und ich bin eine totale Frostbeule“.

Nach Eintreffen der Polizei und Datenaufnahme der Hundebesitzer wollte Hellmold Anzeige gegen diese erstatten. Dass die Beamten sie nicht aufnehmen wollte, verärgerte die 20-Jährige, die einen einjährigen Kater hat. Sie ist überzeugt davon, „die Leute werden beim nächsten Einkauf nichts ändern und ihn wieder im Auto lassen. Es gab ja keine Konsequenzen, und der Hund muss mit, weil er zu Hause sonst alles verwüsten würde, wie sie vor Ort vor Zeugen selbst sagten.“

Quälerei

Hellmold hätte es als richtig empfunden, „wenn sie eine Anzeige bekommen hätten oder der Hund ihnen weggenommen werden würde“. Sein Tier bei den aktuellen Temperaturen und dann noch so lange im Auto zu lassen sei „einfach Quälerei“. Solche Menschen dürften kein Tier haben, beklagt sie.

Würde sie wieder so handeln wie in der Tiefgarage? „Ja. In meinen Augen habe ich alles richtig gemacht. Wenn ich in so eine Situation wieder geraten würde, würde ich die Scheibe einschlagen. Jetzt weiß ich, dass ich das Recht dazu (siehe „Zur Sache“) gehabt hätte. Es kommt aber natürlich immer auf die Situation und die Gefahr an“.

Hitzefalle Auto

Hitzeentwicklung im geschlossenen Auto Grafik: Neue OZ/Heiner Wittwer

Die sieht die Wirtschaftsgenossenschaft der Tierärzte in Fällen wie dem in Meppen gegeben. Sie warnt ausdrücklich vor der „Hitzefalle Auto“. Die Gründe für die wiederkehrenden Tode von Hunden, die im Auto zurückgelassen wurden, führt die Organisation auf fehlendes Gefahrenbewusstsein zurück. Schon bei 24 Grad Außentemperatur – unabhängig von direkter Sonneneinstrahlung –steige die Innentemperatur des Autos innerhalb einer halben Stunde auf über 40 Grad. Das sei bereits lebensgefährlich für Hunde.


Einschlagen der Autoscheibe legal?

Dazu sagt Paragraf 228 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB):

„Wer eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, um eine durch sie drohende Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht widerrechtlich, wenn die Beschädigung oder die Zerstörung zur Abwendung der Gefahr erforderlich ist und der Schaden nicht außer Verhältnis zu der Gefahr steht […].“

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