Vitus-Teilhabeberatungsstelle Meppen: Rechtsdschungel überfordert Angehörige

Von Hermann-Josef Mammes

Im Gespräch hilft Bernhardine Schiering (links) behinderten Menschen und ihren Angehörigen. Foto: MammesIm Gespräch hilft Bernhardine Schiering (links) behinderten Menschen und ihren Angehörigen. Foto: Mammes

Meppen Bernhardine Schiering verfügt über eine langjährige Berufserfahrung als Heilerziehungshelferin und in der Beratung. Seit sieben Jahren arbeitet sie in der neuen Vitus-Teilhabeberatungsstelle. Ihr Büro befindet sich in der Schulze-Delitzisch-Straße 2 in Meppen. Dabei ist die Beratung kostenlos.

„Oftmals wissen Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen gar nicht, welche Leistungen ihnen alles zustehen“, weiß die Emsländerin aus ihrer täglichen Arbeit. Dabei gibt es fünf große Bereiche „Teilhabe“, „Assistenz“, „Pflege“, „Persönliches Budget“ und „Entlastung“.

„Gerade die Pflege ist ein großes Thema“, sagt Schiering. Oftmals seien die Eltern gerade wegen der Pflege ihres schwerstbehinderten Kindes bereits so weit in Anspruch genommen, dass sie keine Zeit haben, um sich durch den Rechtsdschungel durchzukämpfen.“ Hier kann die Beraterin oft wichtige finanzielle Hilfe leisten. „Ich schaue genau hin, welche Ansprüche die jeweiligen Betroffenen noch nicht ausgeschöpft haben.“ Dabei müssen die Hilfesuchenden nicht unbedingt in ihre Sprechstunde kommen. „Ich bin auch bei den Vitus-Einrichtungen in Haren und Haselünne vor Ort.“ Zudem fährt sie auch oft direkt zu den Familien nach Hause.

Dabei bedient sie sich bei den Hilfestellungen oftmals des großen Portfolios von Vitus. Allerdings nicht nur. Wenn der behinderte Mensch mit Behinderung sagt, dass er zum Beispiel den Wunsch hat, abends einmal in der Woche ein Kino zu besuchen, kann er auch einen Freund oder Nachbarn als „Assistenz“ angeben. Diese holt ihn dann zu Hause ab, fährt ihn dann ins Kino und begleitet ihn und hilft ihm dort. „Viele nutzen auch unseren Freizeittreff Grüne Oase, um sich nach Feierabend unbeschwert zu treffen“, so die Heilerziehungspflegerin. Auch hierfür will ein Fahrdienst organisiert und bezahlt werden.

Persönliches Budget

„Eine Möglichkeit ist, dafür ein Persönliches Budget zu beantragen“, sagt die Beraterin. „Uns ist gerade die soziale Teilhabe sehr wichtig“, sagt Schiering. Dabei muss der Antrag beim Sozialamt des Landkreises im Rahmen der Eingliederungshilfe gestellt werden. Alle Menschen mit Behinderungen können das Persönliche Budget bekommen. Dieser Anspruch ergibt sich gemäß §29 aus dem Sozialgesetzbuch IX. Bernhardine Schiering hilft nicht nur bei der Ausstellung des Antrages, sondern begleitet auf Wunsch die Menschen auch bei den Behördengängen. Ein weiteres Aufgabenfeld ist das Initiieren und Koordinieren von Selbsthilfegruppen. Die Palette reicht von Frauen- bis zu Rolli-Gruppen.

Wichtige Netzwerkarbeit

„Eine wichtige Aufgabe ist auch die Netzwerkarbeit“, sagt die Heilerziehungspflegerin. Viele Beratungsstellen wissen inzwischen, dass es die Teilhabeberatung gibt. Dabei vermittelt Schiering dann auch an geschulte Kollegen und an spezielle Beratungsstellen, die zum Beispiel taubstumme behinderte Menschen begleiten und als Dolmetscher arbeiten. Auf diesem Weg haben Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen die Möglichkeit, andere externe Beratungsangebote zu nutzen.Zudem gebe es auch noch die interne Lebensberatung bei Vitus als weitere Anlaufstelle. Dabei würden dann oftmals sehr persönliche und intime Themen wie Sexualität, Familienleben oder Freundeskreis angesprochen.


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