Wasserstände dramatisch gesunken Hitzewelle im Emsland: Großes Fischsterben droht

Von Harry de Winter

Ein verendeter Hecht im Hakengraben bei Meppen zeigt, wie akut die Situation in den Nebengewässern ist. Foto: Peter Wieting/Bezirksfischereiverband EmslandEin verendeter Hecht im Hakengraben bei Meppen zeigt, wie akut die Situation in den Nebengewässern ist. Foto: Peter Wieting/Bezirksfischereiverband Emsland

Meppen. Mehrere Wochen hält die Hitzewelle im Emsland nun schon an. Geregnet hat es in diesem Zeitraum kaum. Die Folgen sind ausgetrocknete Böden und zum Teil dramatisch gesunkene Wasserstände in den Gewässern. Für die zahlreichen Tierarten, die im Wasser leben, wird es brenzlig. Ein Fischsterben droht.

In der fließenden Ems und dem Dortmund-Ems-Kanal sei die Lage aktuell noch in Ordnung, erklärt Norbert Rogge, Vorsitzender des Fischereiverein Lingen. Die vielen kleinen Zuflüsse, in denen viele Fischarten lebten, seien aber mittlerweile nur noch Rinnsale oder schon gänzlich ausgetrocknet. "Wir brauchen dringend Regen". 

Die Fischtreppe am Hakengraben bei Meppen-Rühle führt nur noch wenig Wasser. Foto: Peter Wieting/Bezirksfischereiverband Emsland

Je wärmer das Wasser, desto weniger Sauerstoff

Zu diesem Ergebnis kommt auch Christoph Elbert, Vorsitzender des Fischereiverein Meppen. "In der Hase und den Radden ist der Wasserstand mittlerweile stark gesunken. Die Fließgeschwindigkeiten sind sehr gering. Erschwerend hinzu kommen die Wassertemperaturen von deutlich über 20 Grad, denn je wärmer es ist, desto weniger Sauerstoff ist im Wasser vorhanden." Im Hakengraben, einem kleinen Zufluss der Ems, sei es bereits zum Fischsterben gekommen. "Da blutet uns Anglern und Naturschützern das Herz, vor allem weil es hier seltene Arten wie die Bachforelle getroffen hat."

Zwei Hechte und ein Aal sind wegen Sauerstoffmangels verendet. Foto: Peter Wieting/Bezirksfischereiverband Emsland

Wasserspiegel stark gesunken

Doch auch die zahlreichen Seen und Altarme bereiten den Fischereivereinen Sorge. "Die Situation ist hart an der Grenze", sagt Rogge. Zum Teil sei der Wasserspiegel um bis zu 1,5 Meter gesunken. Den Sauerstoffgehalt kontrollierten die Gewässerwarte wöchentlich. Wenn dieser einen kritischen Wert annehme, dann müsse die Feuerwehr alarmiert werden, die das Gewässer mit Wasser beriesele, um Sauerstoff einzubringen. "Noch mussten wir darauf nicht zurückgreifen, aber wir stehen kurz davor."

"Die Situation ist hart an der Grenze"Norbert Rogge, Vorsitzender Fischereiverein Lingen

Starkregen schadet

Auf Starkregen und Gewitter hofft aber keiner der Vorsitzenden, denn das Schade eher mehr, als dass es nütze. "Die Böden sind ausgetrocknet und können das viele Wasser dann gar nicht aufnehmen", erklärt Elbert. "Stattdessen läuft es ab und schwemmt Sedimente, Nährstoffe und Chemie aus der Landwirtschaft in die Gewässer, die dann umkippen. Auch eingeschwemmter Straßenschmutz schadet." Am besten wäre ein mehrere Tage andauernder Landregen, bei dem alles gleichmäßig bewässert werde. Hat ein Gewässer "Totalschaden" erlitten, und der Fischbestand ist verendet, brauche es rund drei Jahre bis es sich erholt habe.


Einer der Teiche am Hakengraben ist fast ausgetrocknet. Foto: Christoph Elbert


"Zander, Barsch und Forelle verenden als erstes"

Den Befürchtungen der Vorsitzenden stimmt Henning Silke vom Landesfischereiverband Weser-Ems zu. "Die empfindlichen Fischarten wie Zander, Barsch und Forelle verenden als Erstes." Sie kämen am schlechtesten mit einem geringen Sauerstoffgehalt zurecht. Die Wärme würde den Abbau des Sauerstoffes noch begünstigen, da Algen noch schneller wüchsen und auch die Fische bei hohen Temperaturen mehr Sauerstoff zehrten. Deshalb werde vielerorts bereits künstlich das Wasser belüftet.


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