Jäger filmt sechs Welpen auf WTD 91 Erstes Wolfsrudel seit 200 Jahren im Emsland nachgewiesen

Von Tobias Böckermann

Der erste Nachweis eines Wolfswelpen im Emsland seit mindestens 200 Jahren ist einem Jäger im Bereich der WTD 91 gelungen. Das Jungtier saß in einem Gebüsch. Foto: Bundesforstbetrieb NiedersachsenDer erste Nachweis eines Wolfswelpen im Emsland seit mindestens 200 Jahren ist einem Jäger im Bereich der WTD 91 gelungen. Das Jungtier saß in einem Gebüsch. Foto: Bundesforstbetrieb Niedersachsen

Meppen. Nach vermutlich mehr als 200 Jahren gibt es im Emsland wieder ein Wolfsrudel: Auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 sind in diesem Jahr sechs Welpen zur Welt gekommen.

Das berichten Björn Wicks, Wolfsberater für die Liegenschaften der Bundeswehr im Emsland, und die Landesjägerschaft Niedersachsen, die für das Monitoring, also die Bestandserfassung der Wölfe zuständig ist.

Demnach ist im Juli gleich zwei Mal der Nachweis junger Wölfe gelungen: Zunächst war ein Jäger bei einem Reviergang mit seinem Hund Mitte Juli im Bereich der WTD auf einen einzelnen Welpen gestoßen. „Warum er alleine anzutreffen war, wissen wir nicht“, sagt Björn Wicks. Weil aber dem Jäger ausreichend Zeit und Gelegenheit blieb, das Tier zu fotografieren, konnte es anhand der Fotos im Nachgang als Wolfswelpe identifiziert werden.

Jäger traf auf Wölfe

Noch klarer wurde die Situation dann um den 20. Juli. Derselbe Jäger traf auf einem Sandweg erneut auf Wölfe – diesmal waren es allerdings sechs Welpen, die auf einem Waldweg spielend vermutlich auf ihre Eltern warteten. Der Mann konnte ein Handyvideo durch ein Fernglas anfertigen, das nun ebenfalls als Nachweis gilt.

Einige Jahre lang galt das Emsland als Wolfserwartungsland – die erste Fähe, also das erste weibliche Tier, wurde 2013 ebenfalls auf dem Gelände der WTD 91 nachgewiesen. Danach gab es immer wieder Hinweise auf und Nachweise von Einzeltieren, die dann aber wie und warum auch immer wieder verschwanden.



Immer mehr Nachweise

Dennoch war klar: Im Emsland lebten Wölfe, dass sich einmal ein Rüde und eine Fähe finden und ein Rudel gründen würden, war zu erwarten gewesen. Zuletzt hatte es sowohl mehr Sichtungen als auch einige Nutztierrisse gegeben, auch in den benachbarten Niederlanden tauchten immer mehr Wölfe auf. Die Nachweisdichte stieg an. Zuletzt hatte ein Wolf im Mai 2018 in Lorup auf dem Hümmling eine Ziege gerissen. 

Im Frühjahr 2018 dann konnten per Wildtierkamera erstmals zwei Wölfe nachgewiesen werden, dann wurde es still um die Tiere. Für Fachleute ein Hinweis darauf, dass es sich entweder um Durchzügler gehandelt hatte oder dass sich ein Wolfspaar möglicherweise zur Jungenaufzucht zurückgezogen hatte.

„Nicht füttern“ 

Letzteres ist nun eingetreten. Zwei Alttiere und sechs Welpen dürfte es derzeit im Emsland geben, aber wo sie genau leben, das wird (noch) nicht öffentlich gemacht. „Wir wollen vermeiden, dass jemand versucht, das Rudel zu beobachten oder zu fotografieren“, sagt Björn Wicks. Dies könnte die Tiere stören und ist streng verboten. „Aktives Aufsuchen oder gar Füttern von Wölfen stellt eine schwere Ordnungswidrigkeit dar“, sagt Wicks. Dabei gehe es auch darum, die Tiere nicht an den Menschen zu gewöhnen. Denn genau das hatte vermutlich dafür gesorgt, dass einige Tiere aus dem Munsteraner Rudel in Ostniedersachsen sich wiederholt Menschen genähert hatten.


Gut getarnt ist dieser Wolfswelpe im Gehölz der WTD 91. Quelle: Bundesforstbetrieb Niedersachsen


Entwicklung im Emsland bleibt abzuwarten

Wie die Entwicklung im Emsland weitergeht, bleibt abzuwarten. Das Monitoring des Rudels wird verstärkt, dabei geht es auch darum herauszufinden, woher die Elterntiere ursprünglich stammen. Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft Niedersachsen, bestätigte den Nachweis des Rudels im Emsland auf Anfrage. Nachdem sich in der Vergangenheit die Nach- und Hinweise auf Wölfe gehäuft hätten, habe man mit der Etablierung eines Rudels rechnen könne, sagte er. Woher die Elterntiere stammen, ist unklar, da sie bisher nicht eindeutig per Genuntersuchung identifiziert worden sind. Allerdings könnte es sich bei der Fähe um eine Wölfin handeln, die ursprünglich aus dem Rudel der Lüptheener Heide in Mecklenburg-Vorpommern stammt und die 2017 und 2018 per Genuntersuchung im Emsland nachgewiesen werden konnte.

Kurze Leine

Reding rät dazu, im Falle einer Wolfsbegegnung ruhig zu bleiben, sich aber nicht aktiv den Tieren zu nähern. „Seinen Hund sollte man an der kurzen Leine halten, weil Wölfe Haushunde als Eindringlinge in ihr Territorium ansehen. Ansonsten sollte man einen ausreichenden Abstand halten und im Zweifel langsam rückwärts das Geschehen verlassen. Wenn der sehr unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass man auf die Welpen trifft, kann man sie beobachten. Sollten diese sich aber neugierig nähern, sollte man sie anschreien oder auch durch das Werfen eines Astes vertreiben. Die Welpen sollen keinen Kontakt zu Menschen aufbauen.“

Insgesamt rät Reding dazu, sich mit dem Wolf zu beschäftigen: „Er kann inzwischen überall in Niedersachsen auftauchen. Keiner sollte denken, dass das Thema ihn nicht betrifft.“


Steckbrief Wolf: Vorkommen und Lebensweise

Wie viele Wölfe tatsächlich in Deutschland leben, ist unklar. Je nach Quelle werden 150 bis 1000 genannt und für das Durcheinander sind unterschiedliche Interessenslagen, aber auch unterschiedliche Zählweisen verantwortlich. Außerdem lebt der Wolf trotz allen medialen Interesses heimlich und lässt sich nicht inventarisieren wie im Zoo. Deshalb ist es wichtig, alle Beobachtungen den örtlichentern mitzuteilen.

Erfasst wird immer der Bestand zum Ende April, danach werden die Zahlen ausgewertet. 2017 (neuere Zahlen gibt es noch nicht), zählte man bundesweit 150 erwachsene Wölfe, dazu 300 bis 400 Welpen und Jungtiere.

Biologen gehen davon aus, dass der Wolf sich so lange ausbreitet, bis alle potenziellen Lebensräume besetzt sind. In Niedersachsen ist neben dem emsländischen ein weiteres neu entdecktes Rudel bekannt gegeben worden, und zwar im Naturschutzgebiet „Die Lucie“ (Landkreis Lüchow-Dannenberg). Der Nachweis von zwei Wölfen gelang bei Burgdorf (Region Hannover). In Niedersachsen sind damit aktuell 16 Wolfsrudel nachgewiesen. Zusammen mit vier Wolfspaaren und einem residenten Einzelwolf, sind damit aktuell insgesamt 21 Wolfterritorien bestätigt.

Der Wolf (Canis lupus) lebte in mehreren Unterarten in ganz Europa, Asien sowie Nord- und Mittelamerika, bis er ausgerottet wurde. Er ist sehr anpassungsfähig, und zum Überleben reichen ihm Beutetiere und Rückzugsräume. Inzwischen sind fast alle Länder Europas wieder besiedelt. 4 bis 6 (maximal bis 11) Welpen werden Ende April/Anfang Mai geboren und 6 bis 8 Wochen gesäugt. Wölfe heulen, um ihr Revier zu markieren und mit Artgenossen zu kommunizieren. Sie hören andere Wölfe aus bis 10 km Entfernung. Nur bei Beunruhigung durch den Menschen sind sie nachtaktiv. Im Dauerlauf 10 bis 12 km/h schnell, kurzfristig bis zu 50 km/h. Lebenserwartung: 10 bis 13 Jahre. Nahrung: Im Schnitt 2–3 kg Fleisch pro Tag. Der Wolf frisst, was leicht zu erreichen ist, im Emsland bisher vor allem Damwild und Rehe. Ein Wolfsterritorium ist je nach Nahrungsangebot zwischen 10 000 und 45 000 Hektar groß. Ein Rudel umfasst zwei Elterntiere dazu Welpen und Jährlinge, insgesamt fünf bis zehn Tiere.

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