Serie: „50 Jahre Vitus“ Marion Gerke aus Meppen: „Ich wollte mein Kind behalten“

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Ein Herz und eine Seele: Marion Gerke und ihr Sohn Leon. Foto: Hermann-Josef MammesEin Herz und eine Seele: Marion Gerke und ihr Sohn Leon. Foto: Hermann-Josef Mammes

Meppen. Für die Meppenerin Marion Gerke (45) ist ihr Sohn Leon (8) ihr ein und alles. Die alleinerziehende Mutter hat ihren ganzen Tagesablauf auf ihren Sohn abgestimmt. Alles dreht sich um ihren Jungen. Dabei wird sie unterstützt von der sozialpädagogischen Familienhilfe und der ambulanten Wohnbetreuung von Vitus.

Marion Gerke und auch ihr achtjähriger Sohn haben eine geistige Behinderung. Dank der Unterstützung von Anne Buchwald, Martina Lübbers und Linda Baalmann können die beiden seit vier Jahren in der eigenen Wohnung zusammenleben. Mit dem Vater, der ebenfalls durch Vitus unterstützt wird, lebt Marion Gerke nicht zusammen. Gleichwohl besucht er seinen Sohn einmal in der Woche.

Leon ist ein sehr aufgeweckter und liebevoller Junge. Als er von der Jakob-Muth-Schule nach Hause kommt, drückt er zuerst seine Mutter, aber auch die anderen Personen im Wohnzimmer sind ihm sehr vertraut. So werden auch Anne Buchwald, Martina Lübbers und Linda Baalmann innig geherzt.

Geburt mit offenem Rücken

Dabei war sein Start ins Leben alles andere als einfach. Der Junge wurde vor acht Jahren in der Universitätsklinik Münster mit einem offenen Rücken geboren. Bis heute wird er intensiv ärztlich begleitet. Für seine Mutter stand von Anfang an fest: „Ich wollte mein Kind behalten und mit meinem Kind zusammenleben.“ Im Emsland gab es hierfür jedoch damals keine betreute Wohnmöglichkeit.

Trotz großem Heimwehs lebten beide die ersten vier Jahre zusammen in einer stationären Einrichtung in Barßel. Nicht zuletzt dank seiner Mutter machte Leon motorisch große Fortschritte. Heute rennt er durch den Garten oder spielt mit anderen Kindern auf dem Spielplatz. Allerdings muss er Orthesen tragen, die seinen Hüfte und Beine zusätzlich stützen. Er kann sich relativ gut artikulieren. 2014 konnten dann beide in eine Meppener Wohnung einziehen. Für Sozialpädagogin Linda Baalmann ist es schon erstaunlich, „wie toll sich der Junge entwickelt hat“.

Zwischen Schule und Arbeit

Marion Gerke ist bekennende Frühaufsteherin: „Ich stehe um 5.30 Uhr auf und frühstücke dann erst einmal in aller Ruhe alleine.“ Um 6.50 Uhr weckt sie ihren Jungen zum gemeinsamen Frühstück. „Um 8.10 Uhr bringe ich ihn zur Busalltestelle.“ Von dort fährt der Junge zur Jakob-Muth-Schule des St.-Vitus-Werkes, eine Schule für den Förderbedarf „Geistige Entwicklung“.

Die 45-Jährige Mutter fährt kurz darauf ebenfalls in Richtung Nödike. „Ich arbeite beim Marktkauf“, sagt sie voller Stolz. Nach einer Probephase ist sie dort jetzt stundenweise fest angestellt. Sie räumt Regale mit Waren ein oder überprüft die Haltbarkeitsdaten der Lebensmittel. Danach geht es zurück nach Hause. Um 15.20 Uhr steht sie an der Bushaltestelle und holt ihren Sohn wieder ab.

Unterstützung durch Vitus-Werk

Wie in jeder anderen Familie auch, wird danach zusammen gespielt, Fernsehen geschaut und Abendbrot gegessen. Zudem muss Marion Gerke die Drei-Zimmer-Wohnung sauber halten und einkaufen. Aber auch Arzt-und Behördentermine gilt es zu erledigen. Dabei unterstützen sie die Vitus-Pädagoginnen etwa 20 Stunden die Woche. Das Spektrum beginnt bei „gesunder Ernährung“. Zudem beraten die Mitarbeiterinnen der Familienhilfe und der ambulanten Wohnbetreuung bei Erziehungsfragen und der Freizeitgestaltung. Oftmals begleiten sie Mutter und Sohn auch bei Arztbesuchen.

Auch Mutter muss lernen

Zudem haben sie aber auch das Wohl der Mutter im Blick. „Marion muss auch mal etwas ohne Leon nur für sich machen“, sagt Anne Buchwald. Dabei müsse man die 45-Jährige geradezu überreden, dass sie alleine etwas unternimmt. Linda Baalmann fügt hinzu: „Leon ist jetzt acht Jahre und fordert immer mehr.“ Hierzu gehört, dass die Mutter lernen musste, dass ihr Junge abends etwas länger aufbleiben darf. Dabei findet die Betreuung je nach Bedarf, also auch an den Wochenenden, statt. „Marion kann uns jederzeit an den Wochenenden anrufen“, sagt Baalmann. Hin und wieder nutzt die Mutter die Möglichkeit, dass Leon im Rahmen des familienentlastenden Dienstes ein Wochenende in der Einrichtung des St.-Vitus-Werkes verbringt. Trotz der Betreuung muss für Leon aber klar sein: „Mama ist der Chef.“


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