Juchhe Amerika – lebendiges Fest rund um das Jahr 1777 Spannende Zeitreise am Meppener Museum

Von Werner Scholz

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Meppen. Zwei Tage hat das Gelände am Emsland Archäologie Museum in Meppen im Zeichen einer Epoche gestanden, die die Welt veränderte: Rund 130 Laiendarsteller ließen das 18. Jahrhundert lebendig werden, als Soldaten, als Indianer, Händler und Handwerker, als Siedler, Brillenmacher und Kräuterfrauen.

Und ab 16.30 Uhr knallten bei der Gefechtsdarstellung am Samstag und Sonntag auch die Gewehrsalven in originalgetreuer Lautstärke und hinterließen entsprechende Rauchschwaden. Gezeigt wurde der Kampf um das Fort Ticonderoga. Sehr realistisch dargestellt waren auch die anschließenden Lazarettszenen und der Gefangenenaustausch.

Deutlich leiser ging es bei der Kostümausstellung im Museum zu, bei der zu bewundern war, welche Kunstwerke sich vornehmere Herrschaften im 18. Jahrhundert geleistet haben. Mit großer Begeisterung beantworteten die Darsteller den Besuchern viele Fragen rund um die damaligen Berufe und jeweiligen Lebensverhältnisse der Menschen. So haben die „Rothäute“ gar keine rote Haut: Indianer haben eine eher bräunliche Haut, wie Asiaten, aber die amerikanischen Ureinwohner rieben sich zu speziellen Anlässen, etwa bei Kriegen, mit roter Farbe ein, sodass sie wirklich völlig rot aussahen.

Alles echte Handarbeit

Auch wurde authentisch vorgeführt, wie etwa Pergament oder Seile hergestellt wurden, alles echte Handarbeit. Militärisch ging es – passend zur Zeit des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs – auch schon jeweils ab 14 Uhr bei Fahnenappell und Truppenparade mitsamt der Militärmodenschau zu.

„Vor zwei Jahren hatten wir eine Ausstellung zur Amerikanischen Freiheitsbewegung. Dazu haben wir dann ein 18.-Jahrhundert-Fest veranstaltet. Das kam prima an. Darum haben wir jetzt beim 20. Museumsfest dieses Thema gewählt“, erläuterte die Leiterin des Museums, Silke Surberg-Röhr, und fügte hinzu: „Das 18. Jahrhundert war farbenfroh. Und hier sind die Kostüme, Stoff und Schnitt, alle originalgetreu und von Hand genäht. Die Nähmaschine wurde erst 1796 in England erfunden.“

Kaffee aus der Untertasse

In den damaligen Unabhängigkeitskrieg war sogar das Emsland involviert. „Papenburger Schiffer sind mit ihren Schiffen über den Atlantik gefahren und haben beide Kriegsparteien beliefert. Auf dem Rückweg wurden dann Luxusgüter der Neuen Welt wie etwa Ananas mitgebracht“, erklärte Surberg-Röhr. Auch Kakao und Kaffee wurden auf diese Weise importiert. „Den Kaffee durften bei uns damals nur Adlige trinken. Dabei trank man übrigens nicht aus der Tasse, sondern man schlürfte den Kaffee aus der Untertasse“, so die Historikerin.

Vier Männer und zwei Frauen waren als Mohawk-Indianer und -Indianerinnen gekleidet. Die Mohawk gehörten damals zur Irokesen-Föderation an der Ostküste Kanadas. Dabei ist der Bezug dieser Indianer zu uns ein verblüffender. „Die Stämme der Föderation hatten eine sehr liberale gemeinsame Rechtsordnung. Viele dieser freiheitlichen Gedanken, die im Widerspruch zur europäischen Ständegesellschaft standen, sind in die amerikanische Verfassung eingeflossen. Der Gedanke von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit war bei den Irokesen schon vorhanden, bevor er zur Grundlage europäischer Verfassungen wurde“, erklärte Surberg-Röhr, während im Hintergrund eine Gruppe Soldaten patrouillierte.

Das sonnige und farbenprächtige Spektakel war zugleich eine Art Bildungsreise, bei der Jung und Alt gleichermaßen ihre Freude hatten.


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