Thema Beziehungen untersucht Hirschhausen dreht in der JVA Meppen

Eckart von Hirschhausen hat mit einem Filmteam des WDR/SWR in der JVA Meppen zum Thema „Beziehungen“ recherchiert.  Das Foto zeigt v.l. stellv. Anstaltsleiter Bernhard Saalfeld, Anstaltsleiter Per-Erik Zeller, Dr. Eckart von Hirschhausen und Öffentlichkeitsbeauftragter Jürgen Dickmännken. Foto: JVA MeppenEckart von Hirschhausen hat mit einem Filmteam des WDR/SWR in der JVA Meppen zum Thema „Beziehungen“ recherchiert. Das Foto zeigt v.l. stellv. Anstaltsleiter Bernhard Saalfeld, Anstaltsleiter Per-Erik Zeller, Dr. Eckart von Hirschhausen und Öffentlichkeitsbeauftragter Jürgen Dickmännken. Foto: JVA Meppen

Meppen. Der Arzt, Moderator und Kabarettist Eckart von Hirschhausen hat mit einem Filmteam des WDR/SWR in der JVA Meppen zum Thema „Beziehungen“ recherchiert. Für seine Reportagereihe „Hirschhausen“ erlebte er dabei am eigenen Leibe, wie sich Vollzug anfühlt.

Um sich ein wenig in die Situation von Inhaftierten versetzen und ihnen nahe kommen zu können, wurde er als Gefangener in der JVA Meppen aufgenommen und nächtigte und arbeitete zwei Tage Seite an Seite mit seinen Mithäftlingen.

Teil des Hirschhausen Formates ist es einer Pressemitteilung zufolge, dass er sich an Orte begibt, die sich im Spannungsfeld zum gesetzten Thema der Sendung befinden. Das Gefängnis gilt demnach als ein Ort, wo Beziehungen ein großes, aber schwieriges, reglementiertes und konfliktreiches Thema sind. In seinen Sendungen geht es Hirschhausen darum, das teils klischeebehaftete Bild der jeweiligen Drehorte und der Menschen, die sich dort befinden, zu hinterfragen und zu erleben, wie es darin wirklich aussieht.

Klischees hinterfragen

Beim Dreh in der JVA Meppen war demnach, zu spüren, wie wichtig etwas ist, wenn man es verliert. In diesem Fall der Verlust bzw. die Einschränkung von Beziehungen. Denn, ein neuer Gefangener sei nicht nur ein Verbrecher, heißt es in der Mitteilung: Er sei Sohn, Partner, Ehemann, Familienvater oder Freund. Freiheitsentzug sei Beziehungsentzug. Im Gespräch mit Gefangenen, deren Angehörigen und Bediensteten der JVA versuchte Hirschhausen herauszufinden, worauf es in Beziehungen wirklich ankommt. Wie schafft man es, Beziehungen auch unter den besonderen Rahmenbedingungen des Vollzuges aufrechtzuerhalten. Was macht Beziehungen aus, die über die Haftdauer bestehen bleiben. Oder, wie entstehen ggf. sogar neue Beziehungen während der Haftzeit.

Viele Gespräche

Hirschhausen führte dazu Gespräche mit Gefangenen in deren vollzuglichen Alltagssituationen. Mit einem Gefangenen arbeitete er gemeinsam in der Küche, einen anderen traf er an dessen Arbeitsplatz in der Gefangenenbibliothek, mit einem ambitionierten Sportler tauschte Hirschhausen sich beim gemeinsamen Sporttreiben aus, bei einem Becher Kaffee sprach er mit einem Gefangenen in dessen Haftraum. Auch Angehörige und Freunde kamen zu Wort, mit denen Hirschhausen im Besuchsraum der JVA sprach. Sie berichten aus ihrer Perspektive, wie Sie im Alltag und innerhalb ihres sozialen Umfeldes mit der Situation der Inhaftierung des Ehemanns oder des Freundes umgehen und klarkommen müssen.

Familienorientiert

Die Philosophie der JVA Meppen steht im Zeichen des „Familienorientierten Strafvollzugs“. Das bedeutet, dass die JVA Beziehungen von Gefangenen zu ihren Familien besonders fördert – durch länger als gesetzlich vorgeschriebene Besuchszeiten, einen kindgerecht gestalteten Besuchsraum, einen Langzeitbesuchsraum ohne Kameraüberwachung, einen Begegnungsgarten oder spezielle Familienangebote wie Vater-Kind-Tage oder Familientage, mit jeweils unter-schiedlichen thematischen Schwerpunkten. Die JVA Meppen ist mit diesem breiten Angebot demnach Vorreiter im niedersächsischen Justizvollzug.

Anstaltsleiter Per Erik Zeller ist sich sicher, dass dieser Ansatz richtig ist: „Von Gefangenen, die stärker in Beziehungen stecken, erwarten wir geringere Rückfallquoten. Zudem wollen wir es vor allem den Kindern der Gefangenen draußen leichter machen, die unschuldig an der Situation des Vaters sind, sich aber oft „mitverurteilt“ fühlen.“

Acht Monate Planung

Dem Dreh vorausgegangen waren über acht Monate Planung zwischen dem Öffentlichkeitsbeauftragten der JVA Meppen, Jürgen Dickmännken, der Meppener Anstaltsleitung sowie dem Produzenten und dem Regisseur der Fernseh-Produktionsfirma Bilderfest aus München, die für den WDR/SWR „Hirschhausen“ produziert. Es mussten Gefangene und Angehörige gefunden werden, die vor der Kamera Rede und Antwort stehen. Zudem mussten die Dreharbeiten so organisiert werden, dass die vollzuglichen Abläufe nicht gestört werden. Laut Dickmännken hat sich dieser Aufwand aber gelohnt: „Wir haben es im Rahmen unserer Möglichkeiten hinbekommen, dass Dr. von Hirschhausen ein wenig ins Vollzugsleben eintauchen und in einen direkten und intensiven Austausch mit Gefangenen kommen konnte. Wir sind uns sicher, dass am Ende informative, spannende und auch aufklärende Fernsehformate herauskommen.“

Die Aufnahmen aus der JVA Meppen werden im Dezember in den Fernsehformaten „Hirschhausens – Check up“ und „Menschen hautnah“ in der ARD und dem WDR zu sehen sein.


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