Mobile Retter helfen Emsbürenerin Die entscheidenden Minuten schneller

Von Reinhard Fanslau

Glücklich über das gute Ende eines Notfalls sind (von links): Marc-André Burgdorf (Landkreis-Dezernent), Florian und Sebastian Borgel (Mobile Retter), Bianca und Andreas Hofschröer und Dr. Wolfgang Hagemann (ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes) Foto: Reinhard FanslauGlücklich über das gute Ende eines Notfalls sind (von links): Marc-André Burgdorf (Landkreis-Dezernent), Florian und Sebastian Borgel (Mobile Retter), Bianca und Andreas Hofschröer und Dr. Wolfgang Hagemann (ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes) Foto: Reinhard Fanslau

Meppen. 440 Alarmierungen, 225 Einsätze und 90 Wiederbelebungsmaßnahmen – das ist seit Einführung 2016 die Bilanz der „Mobilen Retter“ in den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim. Welches Schicksal sich hinter nüchternen Zahlen verbirgt, zeigt das Beispiel von Bianca Hofschröer aus Emsbüren.

Die 43-jährige erlitt im Februar zu Hause einen Herzinfarkt mit Herzkammerflimmern. Dass sie noch lebt, hat sie vor allem Sebastian und Florian Borgel zu verdanken. Die beiden Brüder gehören zu den inzwischen rund 1500 registrierten schnellen Ersthelfern in den beiden Kreisen und holten die Emsbürenerin durch gezieltes medizinisches Eingreifen ins Leben zurück.

„Uns erreichte der Anruf nachts, als wir geschlafen haben. Die Smartphone-App, über die der Notruf eingeht, hat einen so lauten und schrillen Klingelton, dass ich sofort wach war und aus dem Bett gesprungen bin“, berichtet Sebastian Borgel. Genau wie sein Bruder Florian ist er Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Emsbüren. Zusammen machten sich beide sofort auf zum Notfallort in Leschede, der zum Glück nur 500 Meter entfernt war. Dort trafen sie auf Andreas Hofschröer. Der Ehemann des Herzinfarktopfers war gerade dabei, allererste Maßnahmen gegen den Kreislaufstillstand zu leisten. Die genauen Anweisungen dazu erhielt er vom in dieser Nacht diensthabenden Mitarbeiter der Rettungsleitstelle in Meppen am Telefon.

Handgriffe sitzen

Sebastian und Florian Borgel übernahmen dann und führten sämtliche Grundschritte der Wiederbelebung durch. Die Handgriffe saßen, da die beiden Feuerwehrleute in einem speziellen Training auf ihren Einsatz vorbereitet worden waren. Der Kreislauf von Bianca Hofschröer stabilisierte sich prompt und die Organe wurden wieder mit Sauerstoff versorgt. Dann trafen auch Rettungswagen und Notarzt ein. Jetzt war nur noch ein einziger Stromstoß notwendig. Das Herz der Frau schlug wieder und der Kreislauf war wieder intakt. Die Patientin war jetzt transportfähig und wurde ins Bonifatius Hospital nach Lingen gebracht, wo alle weiteren notwendigen medizinischen Schritte eingeleitet wurden.

Dramatische Umstände

Von all diesen dramatischen Umständen bekam die Betroffene nichts mit. „Ich weiß das alles nur aus Erzählungen. Ich lag im Bett, als es passierte und bin dann erst wieder im Krankenhaus aufgewacht“, erinnert sich die zweifache Mutter. Ein kurzes, knappes und überzeugendes „gut“ mit einem Lächeln im Gesicht ist die Antwort auf die Frage, wie es ihr jetzt geht. Ihr Mann Andreas sagt: „Menschen, die sie nicht kennen oder nicht wissen, was in dieser Nacht war, gehen mit ihr um, als wenn nichts gewesen ist.“

Über das neu geschenkte Leben seiner Frau scheint er noch erleichterter zu sein als sie selber. Beim Zusammentreffen aller Beteiligten im Kreishaus in Meppen dankt er den Rettern immer wieder. Es ist noch eine weitere Erkenntnis, die den Emsbürener glücklich macht: „Ich frische alle zwei Jahre meine Erste-Hilfe-Kenntnisse auf. Ich bin so froh, dass ich das mache. Das hat mir in der Situation sehr geholfen“, berichtet Andreas Hofschröer. Die meisten anderen Führerscheininhaber dürften sich nach seiner Einschätzung nach dem Erste-Hilfe-Kurs, der für die Prüfung notwendig ist, nie wieder mit diesem Thema beschäftigen.

Positive Folgen

Auch für die Helfer hat der Vorfall eine positive Langzeitfolge. Die beiden Brüder trugen entscheidend dazu bei, ein Leben zu retten. Es war nicht selbstverständlich, aber der Notfall fand ein gutes Ende. „Wenn wir das nächste Mal zu so einem ernsten Einsatz gerufen werden, dann werden wir noch ruhiger an die Sache herangehen, weil wir mehr Sicherheit gewonnen haben“, sagt Florian Borgel. „Ein bisschen Anspannung wird immer bleiben, aber das ist auch gut so“, ergänzt sein Bruder Sebastian.

Aus fachlicher Sicht hat die Rettungskette einwandfrei funktioniert. „In solchen Fällen zählt jede Sekunde“, sagt Wolfgang Hagemann, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes, und ergänzt: „In den ersten Minuten nach einem Kreislaufstillstand sinkt die Wahrscheinlichkeit des Überlebens alle 60 Sekunden um 10 Prozent.“ Da liege dann eben der Vorteil der Mobilen Retter. Sie sind im Durchschnitt in viereinhalb Minuten am Einsatzort, der Rettungswagen nach acht Minuten. In diesem Fall war der Zeitvorsprung für einen Menschen lebensrettend. Zu verdanken ist das zwei „Verwaltungshelfern“.

Gutes System

„Das ist der rein rechtlich gesehene Status der beiden Lebensretter“, klärt Marc-André Burgdorf auf. Der Landkreis-Dezernent führt aus: „Ich mache nicht gerne Werbung für etwas, aber für diese Sache kann ich nur uneingeschränkt Werbung machen. Denn der ursprüngliche Gedanke, ein flächendeckendes Rettungssystem mit ehrenamtlichen Helfern einzurichten, ist hier voll aufgegangen.“

Foto: NOZ MEDIEN

Bei Bianca Hofschröer ist inzwischen wieder der Alltag eingekehrt. Es geht ihr gut und sie arbeitet wieder in einer Kindertagesstätte.


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