Wasserverbände appellieren an Abnehmer Hitze erfordert sorgsamen Umgang mit Trinkwasser

Von Malte Goltsche

Mit Trinkwasser sollte man zurzeit sorgsam umgehen. Foto: Carola AlgeMit Trinkwasser sollte man zurzeit sorgsam umgehen. Foto: Carola Alge

Meppen. In einem so heißen Sommer wie in diesem Jahr steigt der Wasserverbrauch enorm. Einige Versorger schlagen bereits Alarm. Vor allem das Trinkwasser könnte knapp werden, wenn es weiter zum Wässern von Gärten und Befüllen von Pools benutzt wird.

Herbert Menzel von den Stadtwerken Meppen ist noch entspannt. Trotz der anhaltenden Hitze wird es in der Stadt nicht zu Engpässen in der Wasserversorgung kommen. „Wir beziehen unser Wasser zu 100 Prozent aus dem Grundwasser. Deshalb gibt es noch keine Probleme“, sagt er. Ähnlich sieht die Situation in Lingen aus. Auch dort wird das Wasser aus tiefen Grundwasserlagen entnommen, sodass die Versorgung grundsätzlich sichergestellt ist. Dennoch arbeiten die Filteranlagen am Limit, die Situation gilt als angespannt.

Auch im nördlichen Emsland wird das Wasser knapper. Der Wasserverband Hümmling appelliert ebenfalls an seine Abnehmer, Trinkwasser nur für die unbedingt nötige Versorgung von Mensch und Tier zu nutzen. Man sei auf die solidarische Mithilfe aller Kunden angewiesen, um die Versorgung nicht reduzieren zu müssen, sagte Geschäftsführer Thomas Rakers.

Befürchtungen, dass sich bei länger anhaltender Hitze und weiterhin hohem Verbrauch eine Wasserknappheit in Meppen entwickeln könnte, hat Herbert Menzel von den Stadtwerken nicht. Zwar gehe der Verbrauch im Sommer nach oben, allerdings bewege sich der Mehrverbrauch noch immer im Rahmen. Einen Notfallplan gebe es dennoch. Trete dieser ein, sollten die umliegenden Verbundstellen aushelfen und die Meppener mit Wasser versorgen.

Private Brunnen können genutzt werden

Doch viele Emsländer haben eine weitere Alternative im heimischen Garten – einen privaten Brunnen. Die Nutzung eines privaten Brunnens sei zwar legitim, dennoch sollte jeder Bürger darauf achten, mit dem Grundwasser möglichst sparsam umzugehen, teilte der Landkreis Emsland auf Anfrage mit. Sinnvoll sei es deshalb, die Bewässerung auf den Nutzgarten und dauerhafte Pflanzen zu beschränken und diese ausgiebig und regelmäßig zu besprengen. Größere Rasenflächen sollten dagegen nicht bewässert werden, da sich dieser schnell wieder von der Trockenheit erhole. Der Landkreis teilt weiter mit: „Die Gartenbewässerung mit Trinkwasser sollte unterbleiben. Der Landkreis schließt sich hier dem Appell der Wasserversorger uneingeschränkt an.“

Versorger appellieren

Einen solchen Appell hatte der Trink- und Abwasserverband (TAV) Bourtanger Moor veröffentlicht. Dort stoße die Trinkwasseraufbereitung „derzeit an ihre technischen Grenzen“, teilte der Verband mit. Die drei Wasserwerke in Haren, Geeste-Varloh und Haselünne gäben alle derzeit mehr als den doppelten Jahresdurchschnitt pro Stunde ab. In Varloh seien es mit 840 Kubikmetern pro Stunde sogar fast dreimal so viel. Der Durchschnitt liege normalerweise bei 340 Kubikmetern pro Stunde. Das Wasserwerk Haren pumpt derzeit 600 Kubikmeter pro Stunde in das Netz, der Durchschnitt liegt dort bei 270 Kubikmeter pro Stunde. In Haselünne liegt der Durchschnitt bei 230 Kubikmetern pro Stunde, der aktuelle Verbrauch aber bei 560 Kubikmetern pro Stunde. Laut Margret Brinker vom TAV sind für den enormen Verbrauch tatsächlich vor allem Privatpersonen verantwortlich. „Wir erleben jeden Tag von 18 bis 22 Uhr einen sprunghaften Anstieg im Verbrauch. Das sind dann wahrscheinlich zum Großteil Leute, die nach der Arbeit ihren Garten sprengen“, sagt sie. In der aktuell kritischen Situation schaue der TAV von Tag zu Tag, wie er die Versorgung sicherstellt. Falls das nicht mehr gelingen sollte, steht sogar ein generelles Verbot für die Gartenwässerung mit Trinkwasser im Raum.

In Spitzenzeiten könne gar nicht so viel Trinkwasser aufbereitet werden wie abgenommen wird. Deshalb appelliert der TAV: „Verzichten Sie auf das Sprengen der Rasenflächen und das Befüllen von Pools, damit der Trinkwasserbedarf auch bei den anhaltenden Extremtemperaturen in ausreichendem Maße gedeckt und die störungsfreie Versorgung weiterhin sichergestellt werden kann.“

Es ist nicht das erste Mal, dass die Wasserversorgung im Emsland an ihre Grenzen stößt. Auch im vergangenen Jahr appellierten Versorger, die Nutzung von Trinkwasser für die Gartenbewässerung zu unterlassen.

Weiterlesen: Im Emsland fällt zu wenig Regen.

Foto: NOZ MEDIEN

Außerdem: Der Kommentar zum Artikel.


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