„Kampf“ um das Fort Ticonderoga Museumsfest „Juchhe Amerika“ beim Archäologiemuseum Meppen

Von Carola Alge

Erfrischung muss sein: Silke Surberg-Röhr im Gewand einer Bürgerfrau mit Rick van Bümmelen (2.v.l.) und Pieter van der Meij, die eine Soldatenbaracke aufbauen. Foto: Carola AlgeErfrischung muss sein: Silke Surberg-Röhr im Gewand einer Bürgerfrau mit Rick van Bümmelen (2.v.l.) und Pieter van der Meij, die eine Soldatenbaracke aufbauen. Foto: Carola Alge

Meppen. 130 Historiendarsteller geben sich am 28. und 29. Juli 2018 beim Museumsfest des Archäologiemuseums an der Koppelschleuse in Meppen ein Stelldichein. Unter dem Motto „Juchhe Amerika“ erleben die Besucher eine faszinierende Zeitreise ins 18. Jahrhundert.

  • Das Archäologiemuseum Meppen lädt am 28./29. Juli 2018 zum Museumsfest
  • 130 Historiendarsteller geben sich an der Koppelschleuse ein Stelldichein
  • Thema des Museumsfestes ist der Kampf um das Fort Ticonderoga
  • Gefechtsdarstellungen gibt es jeweils um 16.30 Uhr

Thema des Museumsfestes unter dem Motto „Juchhe Amerika“ ist in diesem Jahr der Kampf um das Fort Ticonderoga im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Der Blick geht über Europa hinaus nach Übersee in das Jahr 1777, in dem der Kampf begann. Das alte Fort an einer strategisch wichtigen Engstelle des Lake Champlain im heutigen US-Bundesstaat New York war seinerzeit mit ein paar amerikanischen Regimentern und Milizeinheiten besetzt, die es monatelang reparierten, dabei aber den strategisch wichtigen Hügel „Sugar Loaf“ außer Acht ließen.

1777 besetzt

Er wurde am 3. Juli 1777 von britischen Patrouillen besetzt. Zwei Tage später begann der Beschuss der Briten auf Ticonderoga. In der Nacht zum 6. Juli zogen sich die Amerikaner im Schutz der Dunkelheit zurück und gaben das Fort auf.

Einfache Holzhütten für Soldaten

Einige der Akteure des Museumsfests sind bereits angereist und helfen bei den Vorbereitungen. Zu ihnen gehören Pieter und Rogier van der Meij. Die Historiendarsteller aus den Niederlanden, im realen Leben beide Lehrer von Beruf, legen fleißig Hand an – ehrenamtlich und freiwillig. Um ein möglichst passendes Ambiente für die Darstellung dieses Ereignisses zu schaffen, hat das Team des Archäologiemuseums die Kulisse auf dem Gelände rund um das Museum installiert. „Die Soldaten des Forts schliefen damals in einfachen Holzhütten“, erklärt Pieter van der Meij, der mit seinen Freunden zwei solcher Holzhütten originalgetreu aufbaut.

Altes Werkzeug im Einsatz

Doch damit nicht genug: Die Arbeiten führen er und seine Helfer bei 33 Grad (!) ohne Akkuschrauber, moderne Sägen und Kreuzschlitzschrauben durch. „Wir wollen diese Epoche so authentisch wie möglich erleben, deshalb der Verzicht auf modernes Werkzeug. Es ist eine spannende Erfahrung“, sagt van der Meij. Ausgestattet mit Werkzeug, wie es vor über 200 Jahren zum Einsatz kam, bekleidet mit handgenähter Kleidung, die Originalen nachempfunden ist, hämmern und sägen die Niederländer eifrig, um für das Fest das Flair des 18. Jahrhunderts zu schaffen.

Bis Freitag reisen weitere 130 Darsteller an, die ein riesiges Zeltlager errichten werden, in dem der Alltag an einem Fort im 18. Jahrhundert ein Wochenende lang im wahrsten Sinne des Wortes gelebt wird. Sie alle sind Idealisten, kommen aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen und fahren jährlich Hunderte von Kilometern, um ihr Hobby auszuüben.

So authentisch wie möglich

Bei den Veranstaltungen versuchen die Darsteller, das 18. Jahrhundert so authentisch wie möglich zu „erleben“, tauchen ein in längst vergangene Zeiten, verzichten ein Wochenende lang auf Smartphone, Tablet oder sonstige Errungenschaften des 21. Jahrhunderts. „Man bekommt den Kopf frei, es ist eine geistige Zeitreise“, berichtet van der Meij, der wie seine Mitstreiter ausprobiert und lebt, was man eigentlich nur aus Büchern kennt. „Es macht riesigen Spaß, Geschichte lebendig werden zu lassen und andere damit zu unterhalten und Freude zu bereiten. Und wir unterstützen mit dieser gelebten Geschichte den Bildungsauftrag des Museums“. Vor allem die vielen kleinen Details, über die die Darsteller erzählen können, dürften sich in kaum einem Schulbuch finden. „Wer sich als Besucher auf diese Zeitreise einlässt und mit den Akteuren ins Gespräch kommt, wird schnell merken, dass Lernen und Geschichte sehr unterhaltsam sein können und viel Spaß macht“, freut sich Silke Surberg-Röhr auf einen regen Gedankenaustausch zwischen Darstellern und Besuchern.

Garderobe ausprobieren

Bevor es auf dem Gelände zu dem „Kampf“ um das Fort kommt (Gefechtsdarstellungen sind jeweils um 16.30 Uhr), können die Besucher zwischen Militär- und Indianerlager, Händlerstation und Milizstützpunkt flanieren. Im Archäologiemuseum gibt es zudem einen weiteren Höhepunkt: eine große Kostümausstellung mit Kleidung des 18. Jahrhunderts, die nach Originalvorlagen von Hand genäht wurde. Die Garderobe darf ausprobiert werden.

Der Eintritt zum Museumfest inklusive Besuch der Sonderausstellung beträgt acht Euro für Familien, fünf für Erwachsene und 2,50 Euro für Kinder.


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