Serie zum Dreißigjährigen Krieg Vor 385 Jahren wird Meppen schwedisch

Von Carola Alge

Schwedisch wurde Meppen vor 385 Jahren. In der Sonderschau im Archäologiemuseum in Meppen wird daran mit dieser Darstellung erinnert. Foto: Carola AlgeSchwedisch wurde Meppen vor 385 Jahren. In der Sonderschau im Archäologiemuseum in Meppen wird daran mit dieser Darstellung erinnert. Foto: Carola Alge

Meppen. In ein paar Tagen ist es 385 Jahre her, dass Meppen schwedisch wurde. Am 2. August 1633 verlieh die schwedische Königin Christine dem Feldherren Dodo zu Inn- und Knyphausen das damalige Amt Meppen als erbliches Lehen. Doch die „Schwedenzeit“ Meppens währte nur kurz. Eine Serie zum Dreißigjährigen Krieg.

Der 1583 auf der Lütetsburg bei Norden (Ostfriesland) geborene Freiherr Dodo zu Inn- und Knyphausen trat bereits als 19-Jähriger in den Niederländischen Kriegsdienst ein und brachte es unter Moritz von Oranien bis zum General der Artillerie. Durch seine Heirat mit der begüterten Anna von Schade kam er zu Geld. Ab 1615 betätigte er sich als Söldnerführer und Kriegsunternehmer. Für seine militärischen Leistungen und seine Treue wurde er von Christine, Tochter Gustav II. Adolfs am 2. August 1633 mit dem Amt Meppen, das schwedische Kriegsbeute war, belehnt.

Drost mit 24 Jahren

Knyphausens militärische Laufbahn und seine Erfolge in diversen Schlachten sind sehr gut überliefert, seine zivilen Leistungen treten dabei in den Hintergrund. Nach einer wissenschaftlichen Ausbildung an verschiedenen Universitäten wurde er im Alter von 24 Jahren zum Drost von Stickhausen in Ostfriesland ernannt. Die Funktion eines Drosten ist in etwa mit einem heutigen Amtmann, Landrat oder Regierungspräsidenten vergleichbar. „In den Quellen lässt sich bis zu Knyphausens Heirat 1610 bzw. seinem erneuten Eintritt in den Militärdienst 1612 kaum etwas finden, was darauf hindeutet, dass er sich in dieser Zeit vermutlich intensiv mit der Verwaltung seiner Besitztümer beschäftigt haben muss“, berichtet Silke Surberg-Röhr, Leiterin des Emsland-Archäologie-Museums in Meppen.

Durch- und Rückzugsgebiet

Nach zahlreichen Kriegseinsätzen kam er mit seiner Familie am 12. März 1634 nach Meppen. Seinem Freund, dem hessischen Landgrafen, schrieb Knyphausen, dass er sich in Meppen zur Ruhe setzen wolle. Er beabsichtigte offenbar, die Verwaltungsstrukturen neu zu ordnen bzw. aufzubauen und sich dauerhaft in Meppen niederzulassen, hier eine Art „Hofhaltung“ einzurichten.

Sein Lehen, das Amt Meppen, sah er nach Einschätzung Surberg-Röhrs offensichtlich nicht als „cordon sanitäre“, als Durch- und Rückzugsgebiet seiner Truppen, wie viele seiner militärischen Weggenossen. Überhaupt finden sich in seinen umfangreichen Korrespondenzen immer wieder Hinweise darauf, dass ihm das Wohl seiner Untertanen sehr am Herzen lag und er sich seiner Verantwortung für die Menschen unter seiner Herrschaft sehr wohl bewusst war.

Folgenschwer

Doch schon im Herbst 1635 war es mit der vermeintlichen Ruhe vorbei. Meppen bzw. Knyphausen wurde immer wieder von den kaiserlichen Truppen, damals unter anderem in Haselünne ansässig, bedrängt. Knyphausen fasste den folgenschweren Entschluss, im Januar 1636 nach Osnabrück aufzubrechen und von dort Verstärkung ins Emsland zu führen. Am 11. Januar 1636 kam es zur offenen Feldschlacht, die die protestantischen Truppen zwar gewinnen konnten, in der Knyphausen jedoch gleich zu Beginn der Kontroverse durch eine feindliche Kugel starb.

Sein Leichnam wurde nach Ostfriesland überführt und am 3. Mai 1636 im Beisein des Grafen von Ostfriesland und eines Abgesandten der niederländischen Generalstaaten in der Gruft der Kirche von Jennelt beigesetzt, wo sein Sarg noch heute steht. Knyphausens Witwe und sein Sohn Enno beerbten den Vater, Enno wurde kurzzeitig Kommandant der Festung Meppen. Doch bereits im Frühjahr 1638 verkaufte Anna von Schade das Amt Meppen an den Pfalzgrafen.

Sieben Wochen „Schwedenzeit“

Dessen Truppen konnten Meppen jedoch nur sieben Wochen halten. Am 11. Mai 1638 eroberten die Truppen Ferdinands von Bayern Meppen für die kaiserlich-katholische Seite zurück. Damit war die „Schwedenzeit“ Meppens beendet. Aus dieser Phase blieb allein die sogenannte Schwedenschanze der Stadtbefestigung bestehen. Sie ging auf Knyphausens Rigide zurück, denn die Sicherung der Stadt und der Ausbau der Festung waren ihm ein besonderes Anliegen.

Die Ausstellung „Alter Schwede! Bauern, Bürger und Soldaten im Dreißigjährigen Krieg“ im Archäologie-Museum in Meppen wird bis Ende 2018 gezeigt.


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