Greenkeeper in Bundesligastadien Matthias Berendes liebt den Meppener Rasen

Von Malte Goltsche

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Meppen. Matthias Berendes von der Firma Heiler aus Bielefeld ist der Hauptverantwortliche für das neue, satte Grün im Meppener Stadion. Im Interview spricht er über die Arbeit in den großen Bundesligastadien und verrät, wie sein heimischer Garten aussieht.

Wie sieht der Rasen zuhause aus?

Zuhause sieht er ganz schlecht aus. Ich hatte mir immer vorgenommen, dass er so aussehen soll wie hier in einem Stadion. Aber wenn man die ganze Woche auf Montage ist, dann hat man dafür nicht die Zeit. Und samstags fehlt dann die Lust, noch etwas zu machen. Ich hatte mal angefangen zu düngen und dann auch zweimal die Woche zu mähen. Aber wir haben zwei Hunde und dann war es damit auch vorbei.

Wie sind Sie Greenkeeper geworden?

Ich habe 1999 bei der Firma Heiler die Ausbildung zum Gärtner im Garten- und Landschaftsbau angefangen und bin seitdem in der Firma. Es hat sich dann so ergeben, dass wir uns auf den Sportplatzbau spezialisiert haben. Eigentlich bin ich jetzt seit dem zweiten Ausbildungsjahr dabei, Rollrasen zu verlegen und Torräume auszutauschen, Nebenflächen und Gärten einzusäen. Seitdem mache ich nur solche Dinge.

Was waren die interessantesten Kunden in ihrer Laufbahn?

Wir waren zum Beispiel zur Europameisterschaft 2008 in der Schweiz und Österreich. Da hat es in Basel einmal so geregnet, dass wir in einer Nacht- und Nebelaktion den Rasen herausgefräst und neu eingelegt haben. Das war ein besonderes Highlight. Kurzfristig ruft auch mal Bayern München an, dann fahren wir schnell hin. Zur WM 2006 waren wir auch in München und Nürnberg.

Tut es Ihnen weh, wenn sie im Fernsehen sehen, wie die Spieler ihren Rasen kaputt machen?

Ja, wir machen zum Beispiel in Mainz, Darmstadt oder Bielefeld die komplette Pflege. Und als wir in Mainz mit der Pflege angefangen haben, hatte ich am Anfang echt Probleme. Am einen Tag macht man alles schön, man mäht, macht Löcher zu, düngt vielleicht. Und am nächsten Tag kommen 30 Leute, rennen über den Platz und danach fängt man wieder von vorne an. Da habe ich mich wirklich aufgeregt. Vor allem, wenn das dann öfter vorkommt. Aber das ist nun mal der Job, dafür ist man da.

Jetzt sind Sie hier in Meppen. Kann der Rasen mit den großen Stadien mithalten?

Ja, den Rasen hätte man in jedes große Stadion so reinlegen können. Das ist die gleiche Sorte, es gibt keinen Unterschied zwischen erster, zweiter oder dritter Liga. Sportrasen ist Sportrasen.

Wie lange sollte der Rasen im besten Falle halten?

Das hängt natürlich immer von der alltäglichen Pflege ab. Da gibt es keine Faustregel. Vielleicht hat man irgendwann eine blöde Krankheit drin, Pilze oder Ähnliches, sodass er dann ausgetauscht werden muss. In Bielefeld war der Rasen zum Beispiel 20 Jahre drin. Da hat man dann aber natürlich hinterher mehr zu tun. Je älter der Rasen wird, desto mehr Arbeit hat man am Ende damit.

Wie viel Pflege braucht so ein Platz am Tag?

Das ist abhängig vom Wetter und den äußeren Gegebenheiten. In Dortmund beispielsweise ist das Stadion hoch geschlossen, da ist fast nur Schatten. Die haben UV-Lampen, und nach einem Spiel laufen acht Leute drüber und machen alles wieder schön. Wenn man wie hier ein offenes Stadion hat, hat man eigentlich Glück. Es kommt Luft und Sonne an den Rasen, das ist in einem offenen Stadion super. Am schlimmsten ist es eigentlich immer nach dem Spiel. Da müssen die Spielschäden beseitigt werden. Man kann aber nicht pauschal sagen, wie lange so etwas braucht.

Jeder Platz ist also anders...

Ja genau, das hängt vor allem davon ab, wie hoch die Tribünen sind.

Habt Ihr eigentlich Kontakt mit den Vereinen? Melden die sich, wenn sich Platzfehler auf das Spiel auswirken?

Ja, eigentlich telefoniert mein Chef andauernd mit den Vereinen. Also sobald zum Beispiel in Dortmund etwas ist, wird sofort bei uns angerufen. Natürlich melden die sich, wenn wir gerade neu verlegt haben, und irgendein Fehler im Platz ist und sagen: ‚So geht das nicht‘.

Wie hoch sollte ein guter Rasen sein?

Ich glaube, in der Champions League gibt es eine Vorgabe, dass er bei 2,7 cm liegen soll. Meistens hängt das aber vom Trainer der Mannschaften ab. Viele wollen ihn ganz kurz haben, andere wollen es ein bisschen länger. Höher als 3 cm sollte er aber nicht sein.

Was ist das Schönste an Ihrem Beruf?

Dass man viel herumkommt. Das nördlichste, wo ich gearbeitet habe, war in Kiel, das südlichste war Basel. Außerdem war ich schon in fast allen Bundesligastadien. Und für mich ist die Arbeit mit dem Rasen am schönsten.

Sie lieben ihren Rasen...

Ja, genau!

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