Vor WM-Finale am Sonntag Meppener Kroatin: „Wir sind alle verrückt“

Von Malte Goltsche

Ljiljana Topalovic freut sich auf das WM-Finale zwischen Kroatien und Frankreich. Auch wenn die Nerven blank liegen werden.Foto: Malte GoltscheLjiljana Topalovic freut sich auf das WM-Finale zwischen Kroatien und Frankreich. Auch wenn die Nerven blank liegen werden.Foto: Malte Goltsche

Meppen. Ganz Kroatien ist im Fußballfieber. Während die Mannschaft bei der WM in Russland am Sonntag im Finale steht, sind die Kroaten im deutschen Exil schon in den Tagen zuvor nervös.

„Es ist der Wahnsinn. Wir sind so ein kleines Land und haben sportlich so großen Erfolg“, sagt Ljiljana Topalovic. Die 60-Jährige ist Flüchtlingsbetreuerin der Stadt Haren, wohnt aber in Meppen. Seit 2004 ist sie in Deutschland, hat aber ihre kroatischen Wurzeln nicht vergessen.

Ihre Kindheit verbrachte sie an der kroatischen Adria und bis heute ist sie der Heimat sehr verbunden. „Wenn ich nach Kroatien fliege und aus dem Flugzeug das Land sehe, schlägt mein Herz wie wild“, sagt sie. Auch wenn sie sich in Deutschland sehr wohl fühle, Kroatien bleibt die Heimat. „Der nationale Stolz ist wahnsinnig“, sagt Topalovic.

Stolze Sportnation

Kroatien ist ein stolzes Land, in dem Patriotismus deutlich mehr gelebt wird als hierzulande. Sportlich ist das kleine Land mit nur etwas mehr als vier Millionen Einwohnern in vielen Disziplinen Weltklasse. Ob im Handball, Basketball oder Tennis – Kroatien räumt regelmäßig große Titel ab. Vergleichbar mit der aktuellen Fußball-Euphorie sei das aber nicht, sagt Topalovic. Ihr Sohn und andere Familienangehörige sind eigens für die Feierlichkeiten nach Kroatien gereist. Sie zeigt Bilder, die ihr Sohn ihr geschickt hat. Darauf zu sehen: feiernde Menschen in Flaggen und Trikots gehüllt, die auf Autos tanzen. In den Händen halten sie bengalische Lichter – die Euphorie ist allgegenwärtig.

Lieblingsspieler ist Luka Modric

Topalovics Lieblingsspieler ist Luka Modric. Der Mittelfeldlenker ist „ein besonderer Mensch“ sagt sie. „Er ist bodenständig, ehrgeizig und intelligent.“ Das kroatische Fußballidol Davor Šuker, der nun Verbandspräsident ist, kannte Topalovic sogar persönlich. „Er hat den Grundstein für das Team gelegt. Vor zwei Jahren hat er schon gesagt, dass er mit dieser Mannschaft ins Finale will“, sagt die 60-Jährige.

Daran geglaubt hat trotzdem niemand. „Vor dem Turnier haben wir gesagt, dass das Viertelfinale schon toll wäre. Und jetzt sind wir im Final, das ist Wahnsinn“, findet Topalovic. Sie hofft, dass sich durch den weltweiten Erfolg auch das Image ihres Heimatlandes verbessert. Dabei blickt sie auch auf Deutschland. Der Weltmeistertitel von vor vier Jahren habe dem Land viele Sympathien im Ausland eingebracht. Selbiges erhofft sie sich nun für ihre Heimat, in die sie regelmäßig, mindestens aber dreimal im Jahr reist.

Das Finale schaut sie mit einer Gruppe von kroatischen Freunden. Das Halbfinale wurde bei ihr im Wohnzimmer verfolgt. Dann hängt sie stolz ihre kroatische Flagge auf und fiebert mit der Elf in Russland. „Nach dem Spiel haben wir bis drei Uhr nachts gefeiert“,

Für das Finale erhofft sich Topalovic natürlich einen Sieg. Einen Tipp möchte der leidenschaftliche Fan zwar nicht abgeben, aber: „Zwei Tore müssen es schon sein.“ Doch auch wenn es nicht mit dem WM-Pokal klappen sollte, bleibt sie stolz auf ihre Mannschaft: „Das ist jetzt schon ein historischer Moment, egal wie es ausgeht.“

Lingener Französin ist guter Dinge

Valérie Witzel aus Lingen sieht das Finale aus französischer Sicht. Sie kam 1993 aus Lyon nach Deutschland und freut sich über den französischen Finaleinzug. „Klar wird Frankreich gewinnen“, sagt sie selbstbewusst. Allerdings freue sie sich auch über die Erfolge von kleineren Teams wie von Island bei der Europameisterschaft 2016 oder eben Kroatien in diesem Jahr. Über die sagt sie fairerweise: „Wenn sie das Spiel am Sonntag gewinnen sollten, werden sie es auch verdient haben.“ Große Hoffnung setzt Witzel auf ihre Lieblingsspieler Torwart Hugo Lloris („Er ist wirklich sehr stark“) und Stürmer Antoine Griezmann („Er bringt viel Ruhe in die Mannschaft hinein“).

Witzel glaubt fest an einen französischen Weltmeistertitel, den zweiten nach 1998. „Wir haben ein Sprichwort in Frankreich, das heißt: ‚Unmöglich ist nicht französisch‘. Demnach holen wir den Pokal.“ Welches der beiden Teams den großen Erfolg am Sonntag tatsächlich möglich macht, ist noch offen. Klar ist: im Emsland wird für beide Seiten die Daumen gedrückt.