Gewässerschützer: Dringender Handlungsbedarf Grundwasser im Raum Meppen oft mit Nitrat belastet

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Deutlich überhöhte Nitratwerte im Grundwasser hat Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz im Raum Meppen festgestellt. Bei einer Probe wurde der Grenzwert um das Siebenfache überschritten. Foto: Gerhard Seybert/VSR-GewässerschutzDeutlich überhöhte Nitratwerte im Grundwasser hat Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz im Raum Meppen festgestellt. Bei einer Probe wurde der Grenzwert um das Siebenfache überschritten. Foto: Gerhard Seybert/VSR-Gewässerschutz

Meppen. Deutlich überhöhte Nitratwerte im Grundwasser hat der Verein VSR-Gewässerschutz im Raum Meppen festgestellt. Bei einer Probe wurde der Grenzwert für Trinkwasser um das Sechsfache überschritten. Ein Grund für die hohen Belastungen sei die intensive Landwirtschaft.

Ende Mai konnten Bürger bei einer Informationsveranstaltung des VSR-Gewässerschutzes in Meppen Brunnenwasserproben zur Analyse abgeben. In jeder vierten Probe habe die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter gelegen, teilt der VSR nun mit. Insgesamt 44 Wasserproben aus privat genutzten Brunnen im Raum Haren, Meppen, Haselünne und Geeste wurden von Projektleiter Harald Gülzow und seinen Mitarbeitern untersucht.

Dringender Handlungsbedarf

„Diese Ergebnisse sind extrem“, sagt Gülzow im Gespräch mit unserer Redaktion und mahnt zum dringenden Handeln. Als Grund für die hohen Belastungen führt er die intensive Landwirtschaft an. „Diese hat sich in den letzten zehn Jahren immer weiter ausgebreitet.“ Gleichzeitig sei der ökologische Landbau in der gleichen Zeit kaum gewachsen. Darum rät der Diplomphysiker den Gemeinden, Kreisen und Kirchengemeinden als Verpächter dazu, ihre landwirtschaftlichen Flächen in Zukunft nur noch ökologisch bewirtschaften zu lassen.

Ende Juni 2018 wurde Deutschland vom Europäischen Gerichtshof verurteilt, weil über Jahre hinweg zu wenig gegen Überdüngung mit Gülle und Verunreinigung des Grundwassers durch Nitrat getan wurde.

Grenzwerte deutlich überschritten

Bei einer Probe, die aus einem privat genutzten Brunnen in Meppen-Rühle stammt, wurden mehr als 300 Milligramm Nitrat pro Liter festgestellt. Weitere stark mit Nitraten belastete Brunnen entdeckte der Verein in Wesuwe (248 Milligramm pro Liter) und in Teglingen (115 Milligramm pro Liter). „Das Wasser ist wegen der Überschreitung nicht mehr zum Trinken geeignet“, erklärt Gülzow. „Auch kann derart belastetes Wasser nicht mehr zum Befüllen eines Fischteiches genutzt werden.“ Es bestehe dann die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt, die dem Wasser Sauerstoff entziehen und zu einem Fischsterben führen können. Auch das Bewässern von Pflanzen mit belastetem Grundwasser führe zu einer zusätzlichen Düngung.

Eine baldige Besserung der Situation prognostiziert der Verein nicht. „Es wird eher noch schlimmer“, sagt Gülzow. In der Vergangenheit sei das Nitrat im Untergrund abgebaut worden. Das dafür benötigte Pyrit in den Erdschichten sei aber mittlerweile durch den lang anhaltenden Prozess aufgebraucht.

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Neue Düngeverordnung

Die Vereinigung des Emsländischen Landvolkes (VEL) nehme nach eigenen Angaben die Nitratproblematik sehr ernst und verweist auf die neue Düngeverordnung sowie den „runden Tisch“ zum Nährstoffmanagement. Allerdings müsse die Verordnung erst einmal richtig greifen, bevor man Rückschlüsse ziehen könne, teilt eine Sprecherin des VEL auf Anfrage mit. Viele Landwirte würden mit einem Beratungsbüro zusammen arbeiten, die den exakten Nährstoffbedarf für die jeweiligen Felder berechne, damit nicht übermäßig gedüngt werde. Weiter stehe man in Kontakt mit dem Trinkwasserversorger TAV Bourtanger Moor. Außerdem wolle man sich gerne die vom VSR beprobten Brunnen ansehen, um weitere Ursachen außerhalb der Landwirtschaft ausschließen zu können.

Landkreis Emsland liegen keine eigenen Messwerte vor

Auf Nachfrage beim Landkreis Emsland teilt dieser mit, dass der Behörde keine eigenen Messwerte für das Grundwasser vorlägen. Ein entsprechendes Messnetz für das Grundwasser werde vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) betrieben. Es sei aber durchaus denkbar, dass in einzelnen Brunnen im oberflächennahen Grundwasser erhöhte Nitratwerte festgestellt werden.

Nitratproblem bekannt

Der NLWKN teilt schriftlich mit, dass der Behörde weder die genaue Methodik, noch der exakte Standort der VSR-Beprobungen bekannt seien. Deshalb könnten keine direkten Aussagen zu den Untersuchungen und deren fachlichen Aussagewerten gemacht werden. Trotzdem könne man klar feststellen, dass es in Niedersachsen ein Nitratproblem gebe. Insbesondere in Gebieten mit hohem Viehbesatz existierten Probleme mit Nährstoffüberschüssen, die sich auch in zu hohen Nitratkonzentrationen im Grundwasser niederschlagen würden. Wie der VEL auch, setzt der NLWKN auf die neue Düngeverordnung, die die Nährstoffeinträge in Gewässer reduzieren soll.

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Trinkwasser einwandfrei

„Das Grundwasser, aus dem gegenwärtig Trinkwasser gewonnen wird, ist bei allen Wasserversorgern einwandfrei“, erklärt eine Sprecherin des Landkreises. „Die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte werden eingehalten.“ Wegen der bekannten Belastung des oberflächennahen Grundwassers mit Nitraten habe der Kreistag beschlossen, dass der Landkreis gemeinsam mit dem Dachverband der Wasserwirtschaft im Emsland, in dem die Wasserversorger und Unterhaltungsverbände organisiert sind, Projekte zur Verbesserung der Grundwassersituation entwickelt. Die aktuelle Düngeverordnung sei in ihrer Gesamtheit noch nicht umgesetzt und könne daher auch noch nicht bezüglich ihrer Wirkung beurteilt werden, sodass im Augenblick eine Veränderung nicht angezeigt werde.


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