Lage in den Regionen Emsland und Osnabrück So entfernt der Profi die Nester vom Eichenprozessionsspinner

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In luftiger Höhe saugt Werner Fortwengel ein Nest von Eichenprozessionsspinnern ab. Foto: Harry de WinterIn luftiger Höhe saugt Werner Fortwengel ein Nest von Eichenprozessionsspinnern ab. Foto: Harry de Winter

Meppen. Schutzanzug, Gesichtsmaske, Spezialgerät – nur gut vorbereitet geht Forstwirtschaftsmeister Werner Fortwengel gegen den Eichenprozessionsspinner vor. Rund 3500 Nester hat er seit April im Emsland entfernt. Wir haben ihn bei einem Einsatz begleitet.

Ein gutes Jahr für den Prozessionsspinner

Werner Fortwengel, Chef der Firma Forst- und Baumpflege Fortwengel aus Spahnharrenstätte in der Samtgemeinde Sögel, hat in diesem Jahr volle Auftragsbücher wegen des Eichenprozessionsspinners. "In diesem Jahr ist es wirklich extrem", sagt der 41-Jährige. "Der frühe Blattaustrieb der Eichen hat den Raupen in die Karten gespielt, denn die Blätter dienen ihnen als Nahrung. Fast alle geschlüpften Raupen haben so überlebt." 

In diesem Nest lässt sich gut erkennen, dass sich die Raupen verpuppt haben. Das weiße Gespinst ist voller Brennhaare. Foto: Harry de Winter

Nicht selbst tätig werden

Mit einem Schutzanzug und Atemmaske nähert sich der 41-Jährige den Nestern. "Die Brennhaare können schon echt fiese Hautreaktionen hervorrufen", erklärt er. "Aber in Panik muss niemand verfallen, wenn er so ein Nest sichtet. Man sollte einen gewissen Abstand halten und überlegen, ob eine Beseitigung notwendig ist." Vom Selbermachen rät der Experte dabei dringend ab. Besonders das Abflammen der Nester sei keine gute Idee. "Das muss schon ordentlich gemacht werden, sonst verteilt man ungewollt die Brennhaare in der Umgebung oder seinem Garten. Außerdem kann der befallene Baum Schaden nehmen."


Werner Fortwengel ist Forstwirtschaftsmeister. Er kümmert sich im Auftrag der Stadt Meppen um die Beseitigung der Eichenprozessionsspinner. Foto: Harry de Winter

Spezial-Staubsauger im Einsatz

Fortwengel saugt die Nester ab. Nicht selten muss er sich dafür in luftige Höhen begeben. Doch an passendem Gerät mangelt es ihm nicht. Mit einem Lkw mit Hubbühne fährt er an die Nistplätze der Prozessionsspinner heran. Dann beginnt er mit dem Absaugen. Je nach Größe des Nestes ist die Arbeit nach ein paar Minuten erledigt. Die abgesaugten Raupen landen in einem speziellen Staubsauger, der mit drei Filter ausgestattet ist. In einem Wasserbad im Inneren werden die Brennhaare gebunden. Wenn der Auffangbehälter voll ist, wird der Inhalt zu einer Müllverbrennungsanlage geliefert. 


Die Arbeit ist kein Vergnügen

Für Fortwengel selbst sei die Arbeit kein Vergnügen, sagt er. Rund 3500 Nester hat der 41-Jährige seit Ende April im Landkreis Emsland beseitigt."Ich habe diesen Beruf nicht ergriffen, weil ich gerne diese Nester absauge. Da gibt es viel schönere Tätigkeiten in meinem Berufsfeld. Vor allem die Arbeit im Schutzanzug und bei hohen Temperaturen macht wenig Spaß." Die meisten Einsätze gegen den Prozessionsspinner verzeichnete der Forstwirtschaftsmeister im südlichen Emsland. Je weiter man nach Norden komme, desto weniger Nester gebe es, erklärt er. Das liege daran, dass sich das Insekt von Süden nach Norden ausbreite. Dass die Art eines Tages wieder aus der Region verschwindet, davon geht er nicht aus. "Wir werden lernen müssen, mit ihm zu leben. Bislang hat er kaum Feinde. Aber vielleicht spezialisieren sich andere Tiere auf die Raupen."

Massives Auftreten

2018 scheint ein besonders günstiges Jahr für den Eichenprozessionsspinner zu sein. Überall in der Region kommt es seit dem Frühlingsanfang zu Sichtungen und Meldungen "Ein derart intensives Auftreten ist für den Landkreis Osnabrück neu", teilt ein Sprecher des Landkreis Osnabrück auf Anfrage unserer Redaktion mit. 1500 Nester mussten abgesaugt werden. Im Stadtgebiet von Osnabrück gab es hingegen nur zwölf Fälle. In Meppen zählte der Bauhof rund 250 Nester. Dem Landkreis Emsland wurden bislang 970 Befallsherde gemeldet. 


Der Lkw der Firma Fortwengel ist mit einer Hubbühne ausgestattet, mit der auch Nester in größerer Höhe abgesaugt werden können. Foto: Harry de Winter

Keine Hysterie

Für die Entfernung der Raupen auf öffentlichem Grund sind die Kommunen zuständig. "Auf privaten Flächen müssen die Eigentümer selbst dafür aufkommen", sagt Friedhelm Hagel, Leiter der Abteilung Gartenbau der Stadt Meppen. "Wir vom Bauhof informieren aber gerne und beraten auch. Wichtig ist, dass keine Hysterie aufkommt, denn das ist wirklich nicht nötig." Dem stimmt auch Fortwengel zu: "Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob ein Nest unbedingt weg muss. Oftmals lohnt es auch nicht, wenn das Gelege zu klein ist oder nur unter großem Aufwand zugänglich ist." Für einen Einsatz berechnet der Experte zwischen 40 und 150 Euro. 

Im Gespräch über den Eichenprozessionsspinner: Werner Fortwängel, Patrick Dziallas (Baumkontrolleur der Stadt Meppen) und Friedhelm Hagel (Leiter Abteilung Gartenbau der Stadt Meppen). Foto: Harry de Winter

In wenigen Wochen ist Schluss

In ein paar Wochen soll das massenhafte Auftreten der Nester vorbei sein, erklärt der 41-Jährige. Dann verlassen die Raupen als unscheinbare Falter die Gelege. "Dann ist bis zum nächsten Frühjahr Ruhe." Trotzdem blieben aber Brennhaare in den verlassenen Nestern zurück. Auch dann sollte man sich ihnen nicht unbedingt nähern. Den Einsatz vor Chemikalien wie Biozide gegen den Prozessionsspinner lehnt Fortwengel in der Regel ab. "Das muss nicht sein, weil dann auch andere Insekten abgetötet werden. In einer Eiche leben viele andere Tiere." Das hätte zu große Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem. 


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