Medizinische Versorgung diskutiert Landkreis Emsland setzt auf Gesundheitshäuser

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Umfassende Daten über die medizinische Versorgung im Landkreis Emsland liefert der Versorgungsatlas. Darauf verwiesen (von links) die Leiterin des Fachbereiches Gesundheit, Johanna Sievering, die Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit, Soziales und Integration. Ursula Mersmann, Sozialdezernentin Sigrid Kraujuttis, die Vorsitzende des Kreistages, Ulla Haar und Erster Kreisrat Martin Gerenkamp. Foto: Ludger JungeblutUmfassende Daten über die medizinische Versorgung im Landkreis Emsland liefert der Versorgungsatlas. Darauf verwiesen (von links) die Leiterin des Fachbereiches Gesundheit, Johanna Sievering, die Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit, Soziales und Integration. Ursula Mersmann, Sozialdezernentin Sigrid Kraujuttis, die Vorsitzende des Kreistages, Ulla Haar und Erster Kreisrat Martin Gerenkamp. Foto: Ludger Jungeblut

Meppen. Gesundheitshäuser im Emsland, in denen die verschiedenen Akteure des Gesundheitssystems zusammenarbeiten, könnten eine Option sein, um die künftige medizinische Versorgung im Landkreis mit Blick auf die Zunahme der älteren Bevölkerung zu sichern.

Das hat die Leiterin des Fachbereiches Gesundheit der Kreisverwaltung, Johanna Sievering, im Ausschuss für Arbeit, Soziales und Integration unterstrichen. Sozialdezernentin Sigrid Kraujuttis erklärte: „Ziel ist es, dass die Menschen auch im Alter gut versorgt sind.“

Datenbasis für die regionale Versorgung

Sievering erläuterte die wesentlichen Aussagen des „ Versorgungsatlas Landkreis Emsland“, der inzwischen in zweiter Auflage erschienen ist und als Datenbasis für die regionale Versorgung dient. Erstellt wurde die 77 Seiten starke Dokumentation im Auftrag des Landkreises von der Moritz-Arndt-Universität Greifswald.

„Akteure des Gesundheitssystems müssen zusammenarbeiten“

„Die Akteure des Gesundheitssystems müssen mehr als bisher zusammenarbeiten“, betonte Sievering und fügte hinzu: „Wir brauchen regionale Versorgungskonzepte.“ Dabei sei der Fachbereich Gesundheit gerne bereit, Hilfestellung zu leisten. Die Kreisverwaltung stellt sich vor, dass in Gesundheitshäusern Ärzte verschiedener Fachrichtungen, Physio- und Ergotherapeuten, Pflegedienste, Apotheken und Ernährungsberater ansässig sind.

„Der Hausarzt ist als Lotse eminent wichtig und muss entlastet werden“

„Der Hausarzt ist als Lotse im Gesundheitssystem eminent wichtig und muss entlastet werden“, unterstrich die Fachbereichsleiterin. Wegen des demografischen Wandels steige die Inanspruchnahme medizinischer und pflegerischer Leistungen. Hinzu kämen gestiegene Erwartungen an eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung.

„Telemedizin bietet große Chancen“

Große Chancen sieht Sievering in der Nutzung der Telemedizin. In diesem Zusammenhang verwies sie auf zwei Projekte. Ein Vorhaben heißt „eMedCare Emsland-Osnabrück – digitale Brücke zwischen Hausarzt und Pflege“ und soll in den Gesundheitsregionen Emsland sowie Landkreis und Stadt Osnabrück umgesetzt werden. Unter Beteiligung von Hausärzten, Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten ist vorgesehen, eine digitale Plattform zu etablieren, welche die Kommunikation und die schnelle Übermittlung von wichtigen Patientendaten vereinfacht. Hierdurch soll den Akteuren Sicherheit und Verlässlichkeit gegeben, Krisensituationen sollen schneller erkannt und der Patient besser versorgt werden.

Bei Bedarf Videokonferenzen mit Patienten

Bei dem Projekt „Telemedizinische psychiatrische Versorgung nach Entlassung“ erhalten depressiv erkrankte Menschen nach der Entlassung aus dem St.-Vinzenz-Hospital Haselünne ein „Gesundheitstablet“. Der betroffene Personenkreis soll dann anhand eines Fragenkatalogs von zu Hause aus bestimmte Informationen an das Krankenhaus übermitteln (zum Beispiel Medikamenteneinnahme). Bei Auffälligkeiten wird der Arzt hinzugezogen. Mithilfe von Videokonferenzen ist dann ein direkter Kontakt zum Patienten möglich.

Große Probleme wegen fehlender Fachkräfte

Für die CDU sprach Michaele Jehn dem Fachbereich Gesundheit ein „riesengroßes Lob“ für dessen Engagement aus. Ein großes Problem seien die fehlenden Fachkräfte, sodass Betten auf Intensivstationen und in Pflegeheimen nicht belegt werden könnten.

Lange Wartezeiten bei der Terminvergabe

Ihr Fraktionskollege Antonius Pohlmann hob hervor, dass die Menschen bereit seien, längere Fahrzeiten zu Fachärzten in Kauf zu nehmen. „Das Problem sind aber die langen Wartezeiten, bis sie einen Termin bekommen.“ Jürgen Broer und Dorothea Schmidt (beide SPD) berichteten von Fällen, in denen Patienten entweder gar nicht oder nur als Privatpatienten behandelt wurden.

AfD regt eine Bürgerbefragung an

Hartmut Krüger (AfD) meinte, dass der Versorgungsatlas zwar eine detaillierte Ist-Beschreibung beinhalte, aber keinerlei Aussagekraft für die Zukunft habe. Krüger regte eine Bürgerbefragung an. Darüber wurde aber nicht abgestimmt. Andere Ausschussmitglieder unterstützten den Vorstoß aber nicht. „Wir werden uns mit der Anregung aber noch mal auseinandersetzen“, sagte Erster Kreisrat Martin Gerenkamp seitens der Verwaltung.


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