Vorführung am Windthorst-Gymnasium Phönix Theatre lehrt Schüler aus Meppen Englisch

Von Petra Heidemann


Meppen. Praxisnahen Englischunterricht hat das das englischsprachige Phoenix Theatre den Schülern aller Klassen am Windhorst-Gymnasium Meppen mit drei Vorführungen geliefert. Das Schauspielerpaar Steph Bullock und Ben Ryan-Steele sorgte für viel Spaß und machte die Sprache zu etwas Erlebbarem.

Mit klarer Artikulation, tänzerischer Leichtigkeit, präzise platzierter Gestik und geschicktem Mienenspiel transportierten die Schauspieler nuancenreich Witziges ebenso intensiv wie zum ernsthaften Nachdenken Anregendes. Dabei verlangte die Vielzahl unterschiedlicher Charaktere innerhalb der drei Stücke den beiden einiges ab, zumal in den kurzen Pausen auch noch die Umgestaltung der Bühne anstand.

Interaktives Schauspiel

„You are who you are!“ – Du bist, wer Du bist, und das ist gut so. Diese Botschaft durchzog als roter Faden alle drei Inszenierungen. Für das jüngste Publikum stellten dies „Minnie and Friends“ unter Beweis. Während die quirlige kleine Hexe Minnie (Steph), die von der Notwendigkeit von Labels, Image und Star-Performance überzeugt ist und ihren Freund Finn (Ben) für eine Castingshow entsprechend zu coachen versucht, siegt schließlich der Wert des authentischen Ichs. Auf dem Weg dorthin brillierte Ben nicht nur in den unterschiedlichsten Rollen, sondern auch etliche der Unterstufenschüler erhielten Gelegenheit, ihr eigenes Talent auf der Bühne zur Schau zu stellen oder als Jury zu fungieren. Durch ihre absolute Publikumsnähe gelang es den beiden Künstlern, dem jungen Publikum jede Scheu zu nehmen, und so drängten sich die Schüler voller Begeisterung geradezu um einen möglichen Auftritt.

Zeitreise auf Auswandererschiff

Die Schüler der Mittelstufe nahmen Steph und Ben mit auf eine Zeitreise ins Ungewisse auf einem Auswandererschiff. Unaufdringlich, aber unter die Haut gehend führte das Stück „New Beginnings“ vor Augen, was es einst hieß, als Mensch dritter Klasse wie Stückgut behandelt zu werden. Sie zeigten, dass damals Gesundheit und Nützlichkeit die menschenverachtenden Kriterien für eine Einwanderungszulassung waren und deshalb so manches Mal der eine Ehepartner akzeptiert, der andere abgeschoben wurde.

Die Schauspieler erweckten Szenen aus dem Tagebuch eines Auswanderers zum Leben. Kleine sprachliche Missverständnisse seitens der Schüler wurden dabei zum auflockernden Running Gag, aber Botschaft und neue Aktualität wurden deutlich:So postulierte Trump: „Es ist unser Recht als souveräner Staat, Immigranten danach auszuwählen, wer am wahrscheinlichsten ist, uns zu lieben und zum Gedeihen und Aufblühen beizutragen.“ Niemand könne so gute Mauern bauen wir er, Teil seiner Schönheit sei sein Reichtum. „Wenn kleine Boote unsere wunderschönen Zerstörer unangemessen umkreisen, sollte man sie aus dem Wasser schießen.“ Als Star gelänge einem alles. Dagegen propagierte „Abraham Lincoln“ Chancengleichheit für jeden Menschen in einem freien Land des Friedens.

Shakespeare für die Oberstufe

Shakespeares „As You Like It“ in der Mini-Version von Kelly Griffiths erwartete die Oberstufenschüler. Und diese „liketen“ es offensichtlich, vergnüglich 15 Rollen aus dem Stehgreif zu besetzen und sich, mit nur einem typischen Requisit erkennbar gemacht, ganz in die betreffende Rolle zu begeben. Darstellerisch von den Profis locker und humorig gecoacht, bereiteten selbst die von Steph und Ben vorgesprochen Textanteile keine Hürde. Die beiden Künstler hatten allerdings nicht damit gerechnet, dass in einer Szene des Kräftemessens der schauspielende Schüler, ohne mit der Wimper zu zucken, ganz cool überlegen war und Ben sich plötzlich auf dem Bühnenboden befand – zum Amüsement aller Beteiligten.

Das Handling mit diesen 15 unvorbereiteten, aber konzentrierten Laien, das Vermitteln von Spielfreude und Sprachgenuss und das Gelingen, alle Fäden dieses Shakespeare’schen Verwirrspiels in der Hand zu behalten, zeugte nicht nur von anspruchsvoller dramaturgischer Kompetenz, sondern durchgehend auch vom pädagogischen Feingefühl des Künstlerpaares.