2011 Ausbildungsplätze unbesetzt Nur noch 202 Schulabgänger im Emsland ohne Lehrstelle

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Es wird immer schwerer, junge Köche für den Ausbildungsberuf im Emsland zu begeistern. Foto: Jens Büttner/dpaEs wird immer schwerer, junge Köche für den Ausbildungsberuf im Emsland zu begeistern. Foto: Jens Büttner/dpa

Meppen. 91 Prozent der Schulabgänger im Emsland haben bereits einen Ausbildungsplatz. "Das ist zu diesem Zeitpunkt sensationell viel", sagte Erster Kreisrat Martin Gerenkamp während der Sitzung der Ausbildungsplatzkommission in Meppen.

Befragt wurden 6425 Schulabgänger. Während Ende Februar noch 984 Jugendliche einen Ausbildungsplatz suchten, waren es jetzt nur noch 202. Das ist der niedrigste Wert in der Geschichte des Emslandes. Auf der anderen Seite gibt es im Landkreis noch 2011 unbesetzte Lehrstellen, so viele wie nie zuvor zu diesem Zeitpunkt. Diese Zahl habe sich binnen sechs Jahren verdoppelt. Gerenkamp sprach von einer "dramatischen Entwicklung". Dabei dürfte die tatsächliche Zahl sogar noch höher liegen. So würden viele Betriebe ihre freien Kapazitäten gar nicht mehr der Agentur für Arbeit melden, da sie die Hoffnung auf einen geeigneten Bewerber bereits aufgegeben hätten. Agentur-Sprecher Dieter Onnen ergänzte: "Nicht selten stellen Firmen im Gegenteil gleich mehrere Bewerber ein, obwohl sie nur einen Ausbildungsplatz ausgeschrieben haben." 

Nur wenige Ausnahmen

Nach seinen Ausführungen gibt es nur ganz wenige Berufe, wo die Zahl der Bewerber die der Stellenangebote übersteigt. Hierzu gehöre der Bereich "Event-Marketing" und "Immobilienkaufmann". Laut Gerenkamp sieht es fast überall anders aus. Im gewerblich/technischen  Bereich können 78 Jugendliche zwischen 944 Lehrstellen wählen. Im Sektor Agrar/Gartenbau/Floristik gibt es nur noch einen Interessenten aber 129 unbesetzte Ausbildungsjobs. Die Ernährungsbranche hält 67 Stellen vor, es gibt aber gar keinen Bewerber mehr.


Grafik: NOZ/Heiner Wittwer



Starkes Nord-Süd-Gefälle 

Bei den 202 unversorgten Jugendlichen gibt es, wie bereits in der Vergangenheit, ein Nord-Süd-Gefälle. So suchen im nördlichen Emsland noch 110 (2017: 128) einen Ausbildungsplatz. Im südlichen Emsland sind es 47 (2017: 36). Das mittlere Emsland nimmt hier erstmals den Spitzenplatz mit nur noch 45 (2017: 82) unversorgten Jugendlichen ein. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aschendorf-Hümmling, Hermann Schmitz, fügte hinzu, dass im benachbarten Ostfriesland noch viele Jugendliche auf Lehrstellensuche seien. Leider seien sie oftmals nicht bereit, nur 25 Kilometer zu fahren, um auf dem Hümmling zu arbeiten. 

Viele Abiturienten 

Für Gerenkamp steht fest: "Die Jugendliche haben immer früher einen sicheren Ausbildungsplatz." Schon jetzt prognostiziert er: "Wir werden in den kommenden Wochen auch die restlichen 202 Heranwachsenden im Emsland unterbringen." Erfreulich sei, dass weiterhin relativ viele Abiturienten eine duale Ausbildung starten. Allerdings fiel im Jahr 2020 ein kompletter Abi-Jahrgang weg. Grund sei, dass ab 2021 die Schüler erst wieder nach 13 Jahren die Hochschulreife an allgemein bildenden Gymnasien erlangen. 

Weniger Bewerber

Zudem würden in einigen Jahren sehr geburtenschwache Jahrgänge auf den Ausbildungsmarkt kommen. Während in Hochzeiten das Emsland 4000 Geburten pro anno verzeichnete, sank die Zahl zwischenzeitlich auf 2700 ab. Im vergangenen Jahr waren es immerhin 3300 Babys. Für den Ersten Kreisrat steht schon heute fest: "Nur mit den Emsländern allein werden wir die Misere nicht beheben." Man müsse sich verstärkt nach auswärtigen Bewerbern umschauen.  Leider seien nur wenige niederländische Jugendliche bereit, im Emsland eine duale Ausbildung zu starten. Eine neue Initiative des Wirtschaftsverbandes Emsland zielt auf Jugendliche aus Paraguay. Dort gebe es Familien mit deutschen  Wurzeln. Die Kinder erlernten die deutsche Sprache und selbst "die Mentalität ist der emsländischen sehr ähnlich". Auch die Imagekampagne "Zuhause bei den Machern" soll Fachkräfte und deren Familien aus dem Ruhrgebiet ins Emsland locken.





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