Wenig Spender bei Hitze Blutkonserven in Meppen werden im Sommer knapp

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Besonders Blutkonserven mit der Blutgruppe 0 negativ sind oft rar, sagt Chefarzt der Anästhesie im Ludmillenstift Meppen, Norbert Fischer. Foto: Konstantin StumpeBesonders Blutkonserven mit der Blutgruppe 0 negativ sind oft rar, sagt Chefarzt der Anästhesie im Ludmillenstift Meppen, Norbert Fischer. Foto: Konstantin Stumpe

Meppen. Wegen der teilweise extrem hohen Temperaturen im Mai und Juni kommt es im Emsland und auch im Krankenhaus Ludmillenstift Meppen derzeit teilweise zu Engpässen bei der Versorgung mit Blutkonserven. Besonders die als Universalspender bekannte Blutgruppe 0 negativ ist knapp.

Im Sommer kommen laut Markus Baulke, Abteilungsleiter Blutspenderwerbung beim Deutschen Roten Kreuz in Niedersachsen, nur sehr wenige Menschen zur Blutspende. „Viele haben Angst, wenn es warm ist, und sagen: ‚Dann kippe ich um‘. Aber das stimmt nicht.“, betont Baulke. Viele seien im Sommer aber auch im Urlaub oder genössen einfach das Wetter. Weil Blutkonserven nur eine begrenzte Lagerfähigkeit haben, könne man für solche Engpässe auch nicht unendlich viele Konserven vorrätig halten, obwohl die einzelnen Blutkomponenten seit einigen Jahren getrennt gelagert werden. (Weiterlesen: Versorgungsengpässe drohen: Zu wenig junge Blutspender)

Kurze Lagerzeit

Am längsten haltbar ist laut Dr. Fischer, Chefarzt der Anästhesie im Ludmillenstift Meppen und Verantwortlicher für die Blutkonserven, das Blutplasma, weil es eingefroren werden kann. Maximal 49 Tage halten sich die Erythrozyten (rote Blutkörper) die den Sauerstoff von der Lunge zu den Muskeln transportieren. Sie müssen konstant bei +4 Grad Celsius gelagert werden. Die Thrombozyten (Blutplättchen) sind nur etwa vier Tage haltbar. Sie werden immer bei etwa 22 Grad aufbewahrt. Außerdem müssen die Blutplättchen stets auf sogenannten Schüttelgeräten bewegt werden, damit die Thrombozyten nicht verklumpen. Die Leukozyten (weiße Blutkörper) werden laut dem Chefarzt abgeschnitten, denn Sie enthalten Antikörper und könnten dem Patienten eventuell schaden.

Plasmatransfusionen selten

„Meistens brauchen die Patienten nur die roten Blutkörper. Der Plasmaverbrauch ist in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen“, sagt Dr. Fischer im Gespräch mit unserer Redaktion. Dies werde nur selten gebraucht, wenn ein Patient zum Beispiel eine Blutgerinnungsstörung hat. Plasma trägt zur Blutgerinnung bei. Besonders Patienten mit der Bluterkrankheit, deren Blutgerinnung gestört ist, erhalten laut dem Anästhesisten vor einer Operation eine Plasmatransfusion, um für die Zeit der OP einen übermäßigen Blutaustritt zu verhindern.

Blutgruppe 0 negativ knapp

„Meistens sind Bluttransfusionen geplant“, erklärt Dr. Fischer. Vor einer Operation werde zunächst geschaut, welcher Blutgruppe der Patient angehört, um im Bedarfsfall die passende Konserve geben zu können. Weil das Ludmillenstift als überregionales Traumazentrum aber auch viele Unfallopfer behandelt, bleibe manchmal nicht die Zeit für eine Blutprobe. Dann werde auf die Blutgruppe 0 negativ zurückgegriffen. Dieses Blut kann allen Patienten verabreicht werden, egal welcher Blutgruppe sie angehören. „Deshalb ist dieses Blut oft knapp“, sagt der Chefarzt. (Mehr zum Thema: DRK warnt vor Engpässen)

„Bei Engpässen helfen sich die Krankenhäuser schon mal untereinander mit Konserven aus“, erklärt Dr. Fischer. Im Notfall könne auch im Blutspendezentrum Oldenburg zusätzliches Blut angefordert werden. Bislang sei es aber noch nicht so weit gekommen, dass gar kein Blut vorrätig war.

Gute Spenderzahlen im Emsland

Dazu wird es wahrscheinlich auch in Zukunft nicht kommen. Der Blick auf die Spenderzahlen der vergangenen Jahre verrät. Die Zahlen steigen. Waren im Jahr 2013 noch nur 32.747 Emsländer zur Blutspende gegangen, so stieg die Zahl nach einem kleinen Durchhänger in 2014 und 2015 auf nun 35.717 im Jahr 2017. „Das liegt vor allem an der gesteigerten Anzahl an Terminen. 2016 hatten wir 255 und 2017 378 Termine angeboten“, erklärt Markus Baulke. Der Schnitt der Spender pro Termin sei aber leicht von 95 auf 94 gesunken.

Mehr Wochenendtermine

Entwicklung der Blutspenderzahlen im Emsland und Niedersachsen von 2013 bis 2017. Quelle: DRK Grafik. NOZ/Heiner Wittwer

Auffällig ist zudem, dass der Anteil der 40- bis 49-jährigen Spender im Vergleich zu 2013 um fünf Prozent abgenommen hat. Der Anteil der 50 bis 59-Jährigen nahm hingegen um drei Prozent und der Anteil der 60 bis 69 Jährigen um zwei Prozent zu. Um auch in Zukunft eine ausreichende Zahl an Spendern zu mobilisieren werden Zeiten laut Baulke an die regionalen Gegebenheiten angepasst. So fänden aktuell immer mehr Früh- oder Wochenendtermine statt. „Um die Wahrnehmung der Terminangebote zu erhöhen, nutzen wir verstärkt die sozialen Medien und Onlinekanäle“, so Baulke. Aktuell überlege man, einen zusätzlichen Termin am Wochenende anzubieten, um den Engpass zu überwinden.


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