Smartphone-Verbot denkbar? Schlechte Klassenarbeit in Meppen löst Debatte über Handysucht aus

Von Konstantin Stumpe

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Ist ein Handyverbot an Schulen wie in Frankreich auch für Deutschland denkbar? Symbolfoto: Konstantin StumpeIst ein Handyverbot an Schulen wie in Frankreich auch für Deutschland denkbar? Symbolfoto: Konstantin Stumpe

Meppen. Eine schlecht ausgefallene Klassenarbeit am Windthorst-Gymnasium Meppen (WGM) hat bei einigen Eltern große Wellen geschlagen. Kontrovers wurde auf einem Elternabend diskutiert, ob ein falscher Umgang mit Smartphones die Ursache gewesen sein könnte. Kann ein Handyverbot an Schulen das Problem lösen?

Die Mathe-Klausur musste laut Klassenlehrer Daniel Albers genehmigt werden, weil 30 Prozent der Noten eine 5 oder 6 waren. Dies habe er zum Anlass genommen, zu einem Elternabend einzuladen, an dem er über mögliche Gründe für die schlechten Noten sprechen wollte. „Dass eine Arbeit genehmigt werden muss, kommt immer wieder auch an anderen Schulen vor“, erklärt der stellvertretende Schulleiter Michael Schmitt im Gespräch mit unserer Redaktion. Es sei kein gesondertes Problem des WGM oder der betroffenen Klasse.

Video-Spiele präsentieren falsche Fakten

Als eine mögliche Ursache für die schlechten Leistungen seiner Schüler vermutete Klassenlehrer Albers einen falschen Umgang mit Videospielen. Es könne sein, dass Spielekonsolen oder Neue Medien die Kinder vermehrt vom Lernen abhalten oder die Konzentrationsfähigkeit mindern. „Manchmal präsentieren Spiele auch falsche Fakten“, erklärt der Geschichtslehrer. Dies sei dann eher in anderen Fächern ein Problem.

Auf dem Elternabend sei das Thema von Videospielen in Richtung Handys umgeschwenkt. Besorgte Eltern befürchteten, einige Schüler könnten von einer Handysucht betroffen sein. „Es ging auf dem Elternabend dann aber weniger um das Freizeitverhalten der Schüler als um die Nutzung im Unterricht“, sagt Schulleiterin Daniela Brüsse-Haustein.

Klares Konzept

Die Schulleiterin plädiert dafür, Smartphones nicht zu verteufeln. Sie ist für einen gezielten Gebrauch Neuer Medien. Am WGM gebe es zudem ab Klasse 5 ein Konzept für den gezielten Umgang mit Medien und jede Klasse nehme das Problemthema „Handy – Fluch oder Segen“ in mehreren Fächern immer wieder iin mehreren Fächern durch. Im Unterricht ist die private Nutzung natürlich verboten.

Schulen haben Spielraum

Das niedersächsische Kultusministerium spricht sich gegen ein generelles Handyverbot an Schulen aus. „Ein generelles Handyverbot ist nicht zielführend und wird nicht erwogen. Die Schulen haben Spielräume, eigene Regeln zur Handynutzung aufzustellen“, stellt das Ministerium auf Anfrage fest. Der Einsatz mobiler Endgeräte sei als ein Lernwerkzeug pädagogisch und didaktisch fundiert im Unterricht zu verankern – und zwar nicht in einem speziellen Fach, sondern fächerübergreifend. Dazu gehöre auch, die Gefahren und Risiken digitaler Medien zu thematisieren, Phänomene wie „Fake-News“ oder Cybermobbing und auch den Datenschutz zu erörtern und hierüber aufzuklären.

Alle an Erziehung beteiligt

Das Ministerium nimmt neben den Eltern auch sich selbst in die Pflicht, Kinder in einem verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu erziehen. Die Politik trage insofern Verantwortung, als sie die Voraussetzungen schaffen muss, dass dieses Thema in allen Erziehungsinstanzen kompetent angesprochen werden kann. „In Niedersachsen bilden wir zum Beispiel über die Landesstelle Jugendschutz Eltern-Medien-Trainer aus, die Eltern fit machen für die Medienerziehung ihrer Kinder“, sagt das Ministerium.

Suchtberaterin gibt Tipps

Suchtberaterin Kathrin Vorjans vom Caritasverband empfiehlt, dass Eltern gemeinsam mit ihren Kindern Regeln für den Umgang mit dem Handy aufstellen. „Man sollte den Kindern keine Regeln überstülpen“, sagt Vorjans im Gespräch mit unserer Redaktion, „so kann man sich bei Verstößen auch immer wieder darauf beziehen, dass die Regeln gemeinsam aufgestellt wurden.“

Kinder und Jugendliche seien besonders gefährdet für jegliche Form der Sucht, da ihr Gehirn noch nicht völlig ausgereift sei. Bei exzessivem Verhalten seien sie daher besonders für Rauschzustände gefährdet. Sie empfiehlt, sich schon bei ersten Anzeichen für ein geändertes Nutzungsverhalten Hilfe zu suchen. Ein Beispiel könne schon der besondere Drang oder die große Lust darauf sein, während des Unterrichts aufs Handy zu schauen. „Wenn sich die Betroffenen früh genug Hilfe suchen, dann können wir eine Abhängigkeit verhindern. Leider kommen die meisten zu spät“, bedauert Vorjans.


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