Fachtagung im Kreishaus Meppen Paludikultur soll Moorflächen klimaschonend nutzen

Von Tobias Böckermann

Ein Pilotprojekt zur Paludikultur wurde 2016 im Naturpark Moor gestartet. Archivfoto: Tobias BöckermannEin Pilotprojekt zur Paludikultur wurde 2016 im Naturpark Moor gestartet. Archivfoto: Tobias Böckermann

Meppen Rund 100 Fachleute haben an einer Tagung zur Paludikultur im Kreishaus teilgenommen. Dabei geht es um die Nutzung nasser Böden für den Anbau nachwachsender Rohstoffe.

Gerade im Emsland scheint sich die Paludikultur anzubieten, da es hier besonders viele wiedervernässte oder noch wiederzuvernässende Moore sowie entwässerte Moorböden gibt. Der Begriff Paludikultur leitet sich vom lateinischen „palus“ ab, was Sumpf oder Morast bedeutet. Und tatsächlich ist die Paludikultur darauf angewiesen, den Wasserstand auf derart genutzten Böden ganzjährig nahe der Oberfläche zu halten und so Moorpflanzen wie dem Torfmoos oder auch Sumpfpflanzen wie dem Rohrkolben das Wachstum zu ermöglichen.

Diese werden dann maschinell geerntet und dienen zum Beispiel bei der Herstellung von Substraten für den Gartenbau als Ersatz für Torf. Soweit jedenfalls die Theorie.

Noch nicht wirtschaftlich

Wie weit die Paludikultur in der Praxis ist und was noch zu tun ist, bis aus ihr ein lohnendes Geschäft wird, das unter anderem haben die Fachleute im Kreishaus besprochen. Eingeladen hatte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gemeinsam mit dem 3N Kompetenzzentrum aus Werlte.

Dort war auch vor einigen Monaten die Kompetenzstelle Paludikultur eingerichtet worden, die sich unter der Leitung von Colja Beyer um die Weiterentwicklung des Themas kümmert. Die Kompetenzstelle soll die Paludikultur auf verschiedenen Wegen in die Wirtschaftlichkeit führen, aber auch mögliche Risiken zum Beispiel beim Naturschutz erarbeiten.

Eingebettet sind diese Arbeiten in das Programm „Niedersächsische Moorlandschaften“, dem Nachfolger des ersten Niedersächsischen Moorschutzprogramms. Elf Prozent der Landesfläche Niedersachsens oder 534000 Hektar gelten als kohlenstoffreich, davon sind 395000 Hektar Hoch- und Niedermoorböden, von denen allerdings die meisten entwässert wurden. 70 Prozent dieser Böden werden landwirtschaftlich genutzt, was nach Angaben von Ulrich Sippel vom Umweltministerium in Hannover zur Zersetzung der Böden und damit zum Ausstoß von Treibhausgasen in erheblicher Menge führt.

Deshalb stelle man Überlegungen an, ob stellenweise die Vernässung dieser Böden gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Landwirtschaft leisten könne, da bei ausreichendem Wasserstand keine oder weniger Klimagase in die Atmosphäre gelangten, man aber einen wirtschaftlichen Ertrag erzielen könne.

Artenreich

Allerdings gebe es bislang kein Paludikulturmodell, das kostendeckend zu betreiben sei. Eine wichtige Zukunftsaufgabe sei deshalb, die derart genutzten Böden Beihilfefähig für Direktzahlungen der EU zu machen, sie also wie sonstige landwirtschaftliche Nutzfläche zu fördern.

Eine ganze Reihe Fachleute stellte in der Folge bereits bestehende oder demnächst beginnende Forschungsprojekte vor. Eines davon existiert seit einigen Jahren auf Torfabbauflächen der Firma Klasmann Deilmann im Naturpark Moor.

Martha Graf von der Uni Hannover stellte Zwischenergebnisse des 2016 begonnenen Projektes vor, dem sie eine erheblichen Naturschutzwert dank zahlreicher seltener Arten sowie einen Beitrag zum Klimaschutz bescheinigte, dessen Kosten pro Kubikmeter gewonnenen Substrates aber noch zu hoch seien.