Aktbilder auf Laptop Junge Frau fühlt sich verfolgt, bedroht und genötigt

Von Heiner Harnack

Wegen Nachstellung, Körperverletzung und Nötigung seiner ehemaligen Freundin hatte die Staatsanwaltschaft gegen den Mann ermittelt. Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpaWegen Nachstellung, Körperverletzung und Nötigung seiner ehemaligen Freundin hatte die Staatsanwaltschaft gegen den Mann ermittelt. Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpa

Meppen. Mit einem ungewöhnlichen Fall eines jungen Paares, das in einer Art „Hass-Liebe“ miteinander verbunden schien, hat sich das Amtsgericht in Meppen befassen müssen. Gegen den jungen Mann hatte die Staatsanwaltschaft wegen Nachstellung, Körperverletzung und Nötigung seiner ehemaligen Freundin ermittelt.

Nachdem der Staatsanwalt die dem Mann vorgeworfenen Straftaten verlesen hatte, sagte dessen Ex-Freundin aus, dass sie Angst gehabt hätte, noch arbeiten oder feiern zu gehen. So habe ihr Ex-Freund, der ohne Verteidiger erschienen war, sie auch als „große Schlampe“ bezeichnet. Als dieser zur Kur gefahren sei, habe er sie um ein weiteres Nacktfoto von ihr gebeten. Falls sie ihm keines schicke, werde er das eine vorhandene Foto seinen Freunden zeigen, berichtete sie dem Richter von den Drohungen.

Jahrelang erpresst?

Dann habe sie noch eins geschickt. Letztendlich sei sie jahrelang erpresst worden. Während einer Autofahrt habe er später ihren Kopf ohne jegliche Vorwarnung bei etwa Tempo 120 gegen die Fahrertür geschlagen, sagte die junge Frau weiter aus. Sie habe auch immer wieder Nachrichten auf ihrem Handy erhalten, wonach ihr Ex-Freund anscheinend immer gewusst habe, an welchem Ort sie sich gerade aufhielt. „Er ist immer hinter mir her gefahren“, berichtete sie weiter. Der Angeklagte konnte sich nicht mehr an jeden Tathergang im Einzelnen erinnern, da zu einigen Zeitpunkten auch viel Alkohol im Spiel gewesen sei. Sie habe aber auch ihn immer wieder kontaktiert, sodass er habe davon ausgehen müssen, dass seine Ex-Freundin nach wie vor eine Art Interesse an ihm haben könnte, meinte der Mann.

„Wir konnten nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander“

Laut Aussage der Frau habe er auch gedroht, bei einem eventuellen Selbstmord in einem Abschiedsbrief sie als Schuldige hinzustellen. „Das stimmt“, gab er unumwunden zu. Sie habe ihn aber auch geschlagen und er habe sie weggeschubst, aber niemals gegen die Autoscheibe gestoßen, meinte er, sich erinnern zu können. Das Ganze sei dann etwa drei bis vier Jahre so gegangen. „Wir konnten nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander“, resümierte der Angeklagte die zwischenmenschliche Situation knapp. Im Dezember hätte der Angeklagte noch mit solcher Wucht gegen die Windschutzscheibe ihres Pkw geschlagen, dass ein Schaden von knapp 700 Euro entstanden sei, berichtete die junge Frau zudem. Den Schaden hätten aber ihre Eltern bezahlt.

Widerspruch erntete die Zeugin vom Einzelrichter, da sich in den Ermittlungen ergeben hatte, dass sie im März des Jahres erneut Kontakt zu ihrem Ex-Freund aufgenommen hat. Dieses konnte auch sie nur mit einem „nicht miteinander und nicht ohneeinander“ erklären. Nach kurzer Rücksprache mit dem Vertreter der Anklage, ordnete der Richter an, dass der junge Mann den Laptop, der nach dessen Aussage defekt sei, mit den gespeicherten Aktbildern unverzüglich an die Familie seiner Ex-Freundin zu übergeben habe. Sollte dieses nicht geschehen, ginge das Verfahren weiter, drohte der Vorsitzende. Bei einer Zahlung von 2000 Euro an eine gemeinnützige Organisation wurde mit Einverständnis des Staatsanwalts das Verfahren vorläufig eingestellt.

Der Anklagevertreter meinte zu dem jungen Mann, dass man ihm hier sehr entgegengekommen sei. Sollte sich das Verhalten nicht ändern, könne es sehr schnell zu einem Eintrag in das Bundeszentralregister kommen. Nachdem er sich für sein Verhalten entschuldigt hatte, mahnten sowohl Richter als auch Staatsanwalt eindringlich, die Beziehung wirklich komplett zu beenden.