Weit über Zehntausend Besucher Imposanter Tag der Bundeswehr bei der WTD Meppen

Von Ann-Christin Fischer


Meppen. Diese Tore öffnen sich nicht oft für die Öffentlichkeit, doch am Samstag, 9. Juni, strömten Tausende Besucher zur Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) in Meppen. An insgesamt 16 Standorten feierte die Bundeswehr deutschlandweit den Tag der Bundeswehr. Aus diesem Anlass veranstaltete die WTD 91 einen Tag der offenen Tür. Weit über 10.000 Besucher blickten hinter die Kulissen des militärischen Sicherheitsbereiches.

Punkt 9 Uhr liefen die ersten Besucher auf das riesige Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle. Schon viel früher sammelten sie sich auf den Park & Ride Stationen in Meppen und Umgebung, um dann mit einem der mehr als 100 bereitstehenden Busse zum Gelände zu fahren. Kaum aus dem Bus ausgestiegen, sollte sich jeder Besucher den Ausstiegsplatz merken, um später mit dem kostenlosen Shuttle-Service wieder zum Auto zu kommen, aber angekommen auf dem Gelände, kamen viele aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Chemiker und Beamter

Michael Koch ist bei der WTD angestellt. Wenn er abends in der Kneipe gefragt wird, was er macht, antwortet er je nach Lust und Laune entweder „Beamter“ oder „Chemiker, zuständig für die Stabilitätskontrolle von Explosivstoffen“. Seit 2007 arbeitet der Neu-Emsländer, der eigentlich aus Hessen kommt, bei der Bundeswehr, seit 2009 bei der WTD. Heute kümmert er sich um die Munitionsüberwachung. „Wenn sie zehn Jahre lang liegt, kann sich auch Munition verändern. Wir arbeiten mit unterschiedlichen Messinstrumenten, um das zu überprüfen“, erklärt er kurz seine Funktion bei der Wehrtechnischen Dienststelle. Wie oft er schon über das Gelände gelaufen ist, weiß er nicht mehr, den einen oder anderen Kilometer werde er schon gemacht haben. Rund 800 Angestellte arbeiten bei der WTD, viele sind heute am Tag der offenen Tür vor Ort, alle tragen ein blaues T-Shirt und haben eine bestimmte Aufgabe. Michael Koch läuft die Straße entlang, links und rechts von ihm reiht sich ein Stand an den anderen.

Selfies vor schwerem Gerät

„Es gibt externe und interne Aussteller. Jeder hat etwas vorbereitet, um unsere tägliche Arbeit ein wenig darzustellen und den Besuchern zu erklären, was wir hier eigentlich machen.“ Interessierte sehen den Stand der Reservisten, unweit davon gibt es eine Seilrutsche für die kleinen Besucher. Nur wenige Meter weiter stellt das Bundeswehrdienstleistungszentrum Leer riesige Traktoren aus und die ersten Männerherzen schlagen höher. Fast jeder hat ein Handy in der Hand, macht Selfies vor schwerem Gerät und scheint dabei mit den anderen Hobby-Fotografen um die Wette zu grinsen.

Wendiger Spähwagen

Fast alle Fahrzeuge des Heeres stehen bereit und werden fotografiert, angefasst und angestaunt. Vom kleinen, wendigen Spähwagen Fennek bis zur großen Panzerhaubitze ist alles ausgestellt. Wer seinen Blick abwenden kann, schlendert gemütlich durch das WTD-Dorf. Alle wehrtechnischen und wehrwissenschaftlichen Dienststellen der Bundeswehr zeigen hier ihre Tätigkeitsfelder. Die Bandbreite ist riesig. Manchmal erkennt der Besucher das Besondere eines jeden Standes nicht auf den ersten Blick. Wie zum Beispiel die VR-Prüfplattform. Hier werden unterschiedliche Missionen abgebildet, zur Visualisierung werden VR-Brillen eingesetzt und eine Bewegungsplattform, die in der Lage ist, die Beschleunigung des Systems real wiederzugeben.

Schüsse in die Luft

Um kurz vor elf Uhr befinden sich neben den Angestellten rund 6.000 Besucher auf dem Gelände. Die erste dynamische Waffenschau beginnt. Die erste von insgesamt drei Darbietungen begeistert. Von überall hört man „Das habe ich ja noch nie gesehen“, „Wow“ und „Das knallt aber“. Trotz Ohrenschutz, der von den hilfsbreiten Mitarbeitern verteilt wird, sind die Schüsse kilometerweit zu hören und lassen den Boden vibrieren.

Imposanter Raketenwerfer

Der Raketenwerfer LARS, der zwölf Kilometer weit feuert, machte den Anfang. In voller Fahrt beeindruckt auch der Dingo II, kurz angehalten feuert er mit einer MG 5 auf verschiedene Ballons, direkt werden sie durchlöchert. Das Maschinengewehr MG 6 kommt auf ca. 6.000 Schuss in der Minute, selbst geschulte Ohren hören aber keinen einzelnen Schuss. Aus sechs Rohren feuert es einige Sekunden lang, es bleibt nur eine Staubwolke. Die knapp 400 Tontauben sind binnen Sekunden zerschossen. Die Besatzung des Schützenpanzers Puma feuert mit unglaublicher Zielsicherheit auf vier große Wasserfässer, die direkt platzen. Der Kampfpanzer Leonard 2 und seine vierköpfige Besatzung stellten ihr Können unter Beweis, feuern aus dem Stand und aus voller Fahrt. Die gepanzerten Fahrzeuge Enok, Eagle IV und Boxer präsentieren sich noch kurz, bevor die Zuschauer ihren Blick von vorne in die Luft richten.

Toller Tiger

Aber nur die, die einen starken Magen haben. Denn was dann in der Luft passiert, sieht man wirklich nicht alle Tage. Der Kampfhubschrauber Tiger und seine beiden Piloten zeigen eine minutenlange und hochprofessionelle Flugschau, die fast in Nackenschmerzen endet, weil fast niemand den Blick senken mochte. Zu groß war die Gefahr, ein Manöver zu verpassen. „Wir sind extra aus Vechta angereist, um hier den Tag zu verbringen“, erzählt Denise Fritze, die mit ihrem Freund Karsten Schmitt fast jeden Stand besuchte und zum Abschluss sagte: „Das war eine gelungene Veranstaltung und wirklich interessant. Es hat sich gelohnt.“


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