„Tanzt mit uns den Donnerdrummel“ Grandioser Freilichtbühnensaison-Auftakt mit Ronja-Premiere

Von Petra Heidemann


Meppen. Der Zuschauerraum der Meppener Freilichtbühne gefüllt bis zum letzten (Steh-)Platz, die Bühne gefüllt mit pulsierender Lebensfreude - da springt der Funke nicht nur auf die anwesenden Kinder über, wenn 70 kleine und große Darsteller um Ronja herum zur Musik des Barden Storkas die Bühne rocken.

Vor ausverkauftem Haus zeigte das Ensemble der Meppener Freilichtbühne wieder einmal, was Spielfreude und Herzblut-Engagement zuwege bringen: Konzentrierte Höchstleistung hinter frisch-fröhlicher Ausstrahlung, Perfektion in Diktion und Darstellung bis ins Detail hinter leichtfüßigem Schwung. Das passt zu einem Theaterstück, das - so ganz nebenbei -  Lebensweisheiten in kecke Dialoge, rasante Tanzszenen und temperamentvolle Aktionen spielerisch verpackt. Anlässlich Ronjas turbulenter Geburtstagsfeier lässt Glatzen-Per erzählerisch rückblickend Ronjas Werden szenisch lebendig werden.

Die Kluft, die ein Blitzschlag bei Ronjas Geburt in die väterliche Burg gerissen hat, spaltet nicht nur das Felsenfundament, sondern die Höllenschlucht spaltet auch die in Kindertagen noch befreundeten Oberhäupter der Borka- und der Mattis-Sippe. Rainer Franke gab überzeugend Ronjas Vater Matti aufbrausende Bärenstärke, die nur so dahinschmilzt, wenn es um seine Tochter geht. Auch in den Händen seiner Frau Lovis ist der Räuberhauptmann Wachs. Petra Streeck verkörperte Ronjas Mutter mit sanftem Durchgreifen, weitsichtiger Klugheit und sehr viel Herzenswärme. Selbst das „alte Klappergestell“ Glatzen-Per, dessen Lebenserfahrung von allen hoch geschätzt wird, kann sich Lovis‘ fürsorglichen Anordnungen nicht widersetzen. Nothard Kaßburgs Ruhe ausstrahlende Souveränität erwies sich als ideale Besetzung für den klar denkenden, bescheidenen Alten, den alle respektieren und dem vor allem Ronja vertraut.  Umgeben von elterlicher Liebe und Willensstärke entwickelt Ronja nicht zuletzt aus diesem innigen Verhältnis ihren klaren Blick für Realitäten, ihre couragierte Feinfühligkeit, ihr unerschütterliches Selbstvertrauen. Das authentische Spiel von Mathilda Schulte machte es den zuschauenden Kindern leicht, sich mit ihr zu identifizieren.

Ronjas Gegenpart, Borka-Sohn Birk, ist bei Steffen Hanzlik in den allerbesten Händen. Mit einem mutigen Sprung setzen sich die beiden Kinder zunächst über die Felsenkluft hinweg, ihre unerschütterliche, sich in vielen Abenteuern bewährende Freundschaft und Willensstärke überwindet schließlich auch die Kluft zwischen den verfeindeten Familien. Frank Hanzlik als Borka und Ingrid Evers als Undis fanden darstellerisch überzeugend die Balance zwischen kämpferischem Einsatz für Sohn und Sippe und kompromissbereiter Vernunft.

Ronjas und Birks Freundschaft erfährt Zwist und Versöhnung, aber vor allem zusammenhaltende Bewährung in den in den Untergrund verlockenden Schwebetänzen der unterirdischen Feen, den Angriffen der gewaltbereiten Graugnome, der Todesangst vor den unheimlichen Wilddruden. Naiv-niedlich dagegen werden die bezaubernden Rumpelwichte für Ronja zur Falle, wenn sie mit ihrem Fuß in ihrer Höhle stecken bleibt. Dem inszenierenden und choreographierenden Team Iris Limbarth, Julia Felthaus und Jason Weaver ist es hervorragend gelungen, diese Kleingruppen mit jeweils ganz eigener und ausgesprochen wirkungsvoller Ausstrahlung in Szene zu setzen.

Nebeltänzer und Schmetterlinge kreierten ebenso markante Szenen wie kleine liebevoll ausgespielte Dialoge mit Marina Billek als Klein Klipp oder die „running gags“ des sprachgehemmten Pelle (Bernd Brüggemann konnte seinen Namen gleich aus dem letztjährigen „Michel“ behalten). Quicklebendiges Hintergrundgeschehen bis in Finger- und Fußspitzen und mimische Nuancen präsentierten nicht nur die weiteren erwachsenen Räuber vom Feinsten, sondern auch die vielen Kinder, die neben ihren mystischen Rollen zusätzlich als Räuberkinder die Bühne quirlig belebten. Höhepunkt solch schauspielerischer Gesamtleistung war sicherlich das mimische Mitgehen aller beim Ringkampf der Sippenanführer um die Vormachtstellung trotz geläuterter Versöhnung der Banden.

Doch was wäre eine Freilichtbühnenaufführung ohne rasante Tanz-Events mit Ohrwurm-Charakter? Brian Lüken, unübertreffbar in seiner Rolle als Storkas der Barde, riss einfach mit, auf der Bühne wie im Zuschauerraum. Ob im Opening, ob im finalen Donnerdrummel-Song oder im ausgelassenen Räuberlied mit seinen (fast) eingefrorenen Momenten zu stehenden Gesangssilben - geradezu akrobatisch wirbelte er über die Bühne mit leuchtendem Blick und klarer Stimme, widergespiegelt vom ganzen Ensemble, aufgegriffen vom Publikum.

Ronja Räubertochter im Esterfelder Forst - das waren zwei Stunden unterhaltsame Lebensfreude mit Tiefgang, die die Besucher mit nach Hause nahmen - Entertainment to go.


Die weiteren Aufführungstermine im Überblick:

In den weiteren Aufführungen werden außer Mathilda Schulte und Steffen Hanzlik auch Marie Tengen und Florian Janssen als Ronja und Birk zum Einsatz kommen, man darf also gespannt bleiben.

Gelegenheit, den beiden Räuberbanden im Esterfelder Forst wieder zu begegnen, bieten neben zahlreichen Schulaufführungen die weiteren Aufführungstermine:

Sonntag, 27. Mai 16 Uhr

Sonntag, 3. Juni 16 Uhr

Sonntag, 10. Juni 16 Uhr

Sonntag, 17. Juni 16 Uhr

Sonntag, 24. Juni 16 Uhr

Mittwoch, 18. Juli 16 Uhr

Sonntag, 22. Juli 16 Uhr

Sonntag, 5. August 16 Uhr

Dienstag, 7. August 19 Uhr

Sonntag, 12. August 16 Uhr

Sonntag, 19. August 16 Uhr

Einlass stets eine Stunde vor Aufführungsbeginn.

Ein besonderes Erlebnis versprechen die „Aktionstage Genuss, Geschmack & Musical“:

Donnerstag, 23. August 19.00 Uhr (Einlass ab 17:30 Uhr) und

Sonntag, 26. August 16.00 Uhr (Einlass ab 14 Uhr)

Der Eintritt für Erwachsene beträgt 8,00 Euro, für Kinder und Jugendliche 6,00 Euro. Ferienpassinhaber zahlen 4,00 Euro. Familienkarten (Eltern und Kinder) sind für 25,00 Euro erhältlich. Für Gruppen ab 20 Personen reduziert sich der Preis für Erwachsene auf 6,00 Euro, für Kinder und Jugendliche auf 4,00 Euro.

Dabei handelt es sich stets um nummerierte Plätze, die auch telefonisch reserviert werden können (Tel.: 01802 88 121 88 - montags bis samstags von 9:00 bis 12:00 Uhr - 6 Ct./Anruf; mobil max. 42 Ct./Anruf)); aus organisatorischen Gründen sollten die Karten 30 Minuten vor Aufführungsbeginn abgeholt werden.