40. Pflegekonferenz im Emsland Tipps für die Berechnung des Pflegegrads

Bei der 40. Pflegekonferenz: Ursula Mersmann, Beauftragte für Menschen mit Behinderungen, Referent Stephan Dzulko, Sozialdezernentin Sigrid Kraujuttis und Fachbereichsleiter Soziales, Richard Peters. Foto: Landkreis EmslandBei der 40. Pflegekonferenz: Ursula Mersmann, Beauftragte für Menschen mit Behinderungen, Referent Stephan Dzulko, Sozialdezernentin Sigrid Kraujuttis und Fachbereichsleiter Soziales, Richard Peters. Foto: Landkreis Emsland

Meppen. Stephan Dzulko, Leiter der Context Akademie in Meerbusch, hat während der 40. Pflegekonferenz im Landkreis Emsland ein Umdenken im Umgang mit pflegebedürftigen Menschen gefordert. Es werde noch immer in erster Linie auf deren Defizite hingewiesen, statt auf ihre Fähigkeiten zu schauen.

Annähernd 100 Vertreter emsländischer Pflegeanbieter, darunter auch zahlreiche Auszubildende, hatten sich im Kreishaus in Meppen eingefunden, um von dem anerkannten Experten Informationen unter anderem zur Auslegung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs zu erhalten.

Zuvor begrüßte die zuständige Sozialdezernentin Sigrid Kraujuttis alle Teilnehmer und richtete sich insbesondere an den Fachkräftenachwuchs mit den Worten: „Der Pflegeberuf bietet trotz der oft negativen Berichterstattung eine hohe persönliche Erfüllung. Ich danke Ihnen für Ihre Bereitschaft, sich dieser so wichtigen Aufgabe zu stellen“.

Richtiger Pflegegrad wichtig für Personalschlüssel

Seit 2017 wird der Begriff der Pflegebedürftigkeit angewendet, der sich an den Fähigkeiten älterer Menschen orientiert und zur Einstufung von Pflegebedürftigen herangezogen wird. Er sei trotz seiner Auswirkungen auf die Pflege allerdings noch nicht überall bekannt, kritisierte Dzulko. In der stationären Pflege sei eine richtige Einstufung der Pflegebedürftigen wichtig, damit das für die Pflege erforderliche Personal vorgehalten werden könne. In Tagespflege-Einrichtungen sei die Einstufung maßgeblich für die Abrechnung der Leistungen, habe aber keinen Einfluss auf den Personalschlüssel. In der ambulanten Pflege sei die Pflegestufe aber für die Höhe des Pflegegeldes und der Pflegesachleistungen grundlegend. „Ein optimales Pflegegradmanagement kann zu einem adäquaten Personalbestand und damit zur Entlastung der Pflegekräfte beitragen“, betonte der Referent.

Ein guter ambulanter Pflegedienst weise in der Regel darauf hin, wenn ein Einstufungsantrag bei den Pflegekassen gestellt werden sollte und begleite das Verfahren. Dass die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen bei den Einstufungen gut arbeiteten, sei einer inzwischen besseren Akzeptanz bzw. einer geringeren Widerspruchsquote bei den Entscheidungen zu entnehmen, führte er weiter aus.

Richtigen Pflegrad ermitteln

An die Pflegekräfte, aber auch an die Betroffenen und deren Angehörige, appellierte Dzulko, alle Unterstützungen zu notieren, wie beispielsweise das Öffnen einer Getränkeflasche sowie das Erinnern an Essen oder Trinken. Wenn bei den Einstufungsgesprächen mit dem Pflegegutachter nicht auf diese Unterstützung hingewiesen werde, könnten dafür auch keine Punkte erwartet werden. „Pflegekräfte sind zu gut für diese Welt“, sagte Dzulko, da solche Hilfen wie selbstverständlich geleistet und nicht als Unterstützung wahrgenommen würden.

Anhand der Matrix zur Ermittlung der Pflegegrade verdeutlichte er, dass jeder Punkt im Einstufungsverfahren zähle und entscheidend sein könne. Bereits bei einer Einstufung in den Pflegegrad 3 seien Menschen schwer pflegebedürftig, der Pflegegrad 4 spiegle eine schwerste Pflegebedürftigkeit wider und der Pflegegrad 5 umfasse die früheren sogenannten Härtefälle.

In allen Fragen rund um das Thema Pflege berät der Pflegestützpunkt des Landkreises Emsland kostenlos und unabhängig. Er ist unter der Rufnummer 05931/442211 und der E-Mail-Adresse pflegestuetzpunkt@emsland zu erreichen.