Vortrag beim Landvolk in Meppen So schützt man Weidetiere vor dem Wolf

Von Tobias Böckermann


Meppen. Welche Auswirkungen hat die Rückkehr des Wolfes auf die Weidetierhalter im Emsland? Und vor allem: wie können sie ihre Tiere vor dem Raubtier schützen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung des Emsländischen Landvolkes in Meppen.

Dessen Geschäftsführer Lambert Hurink freute sich über rund 40 Zuhörer – unter ihnen Schaf- und Rinderhalter, Alpakazüchter und Jäger. Hurink stellte voran, dass es nicht darum gehen solle, ob die Rückkehr des Wolfes gewollt sei, oder Sinn mache. „Wir müssen feststellen, dass der Wolf auch im Emsland angekommen ist und bleiben wird“, sagte Hurink. Nun gehe es darum, wie man als Landwirt seine Weidetiere schützen könne.

Darüber berichtete ausführlich Andreas Truckenbrodt. Er ist beim Niedersächsischen Landesamt für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) beschäftigt und betreut und prüft im Wolfsbüro des Landes die sogenannten Präventionsmaßnahmen. „Vor allem Zäune und Herdenschutzhunde können den Wolf von Weidetieren fernhalten“, berichtete er. Allerdings müssten die Zäune dem sogenannten „wolfsabweisenden Grundschutz“ entsprechen.

Und der ist nicht nur aufwendig, sondern er sieht einen Paradigmenwechsel vor. „Bislang diente der Zaun dazu, die Tiere auf der Weide zu halten. Jetzt geht es auch darum, den Wolf auszusperren“, sagte Truckenbrodt. Dies könne durch mobile Elektronetze, feste Stromzäune oder Knotengeflecht aus Metall erreicht werden, wobei letzteres entweder 30 Zentimeter in die Erde eingegraben werden oder durch eine einen Meter breite, vor dem Zaun auf dem Boden befestigte Schürze aus weiterem Knotengeflecht ergänzt werden müsse. Nur so werde der Wolf am Untergraben des eigentlichen Zaunes gehindert.

Truckenbrodt schilderte zahlreiche Anforderungen und Schwierigkeiten im Detail – so darf zum Beispiel die untere Litze eines Zaunsystems an keiner Stelle mehr als 20 Zentimeter Abstand zum Boden aufweisen, damit der Wolf nicht durchschlüpfen könne. Auf vielen unebenen Weiden ist das ebenso ein Problem wie das Freihalten des mindestens 90, besser 120 Zentimeter hohen Zaunes von Bewuchs im Sommer. Unter dem Strich bedeute der Wolfsschutz dauerhaft extrem viel Extraarbeit, die nach Ansicht vieler anwesender Landwirte die zum Teil ohnehin schlechte Wirtschaftlichkeit der Freilandhaltung von Tieren weiter verschlechtere.

Praktische Probleme

Hinzu komme derzeit, dass derzeit nur 80 Prozent der Materialkosten eines Zaunes vom Land Niedersachsen bezahlt werden und das auch noch abhängig von der Tierzahl, nicht abhängig von der einzuzäunenden Fläche. Den Rest des Materials und die Aufbaukosten zahlt der Tierhalter. Im Emsland können derzeit nur Besitzer von Schafen, Ziegen und Damwild Anträge auf Zaunfinanzierung stellen – diese Tiere sind am stärksten gefährdet. Rinder- und Pferdehalter gehen bei der Prävention derzeit noch leer aus, es sei denn, sie halten auch Schafe auf der betroffenen Weide. Sollte ein Wolf Rinder oder Pferde verletzen oder töten, erhalten die Besitzer aber auch ohne wolfsabweisenden Grundschutz eine Entschädigung. Dies gilt im Emsland schon seit 2015 nicht mehr für Schafe und Ziegen: Ohne Grundschutz keine Entschädigung.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies wolle hier Änderungen herbeiführen, sagte Andreas Truckenbrodt. So sei die vollständige Finanzierung aller Kosten geplant, müsse aber noch mit der EU abgestimmt werden. Auch über die Folgekosten werde gesprochen.

Hermann Fehnker, Wolfsberater im mittleren Emsland, erläuterte die Grundsätze seiner ehrenamtlichen Arbeit ( wir berichteten). Er geht davon aus, dass derzeit zwei bis vier Wölfe fest im Emsland leben. Wolfsberater werden unter anderem im Schadensfall gerufen.

Betroffener berichtet

Schäfer Wilhelm Schütte berichtete über einen Wolfsangriff im November 2017 in Spahnharrenstätte. Damals waren acht Tiere getötet oder wegen schwerer Verletzungen eingeschläfert worden, acht blieben verschollen. Schütte hatte seine Herde vorschriftsmäßig per E-Zaun geschützt und hält inzwischen vier Herdenschutzhunde.

„Dennoch konnte ich den Angriff nicht verhindern und später 100 der traumatisierten Mutterschafe trotz Vorvertrag nicht mehr verkaufen, weil der Käufer vom Geschäft zurücktrat.“ Schütte kündigte an, sein Sohn werde trotz ursprünglich anderer Pläne die Schäferei nun nicht mehr übernehmen. „Die viele Mehrarbeit können wir einfach nicht leisten. Allein das Absichern von kleinen Gräben auf unseren Umtriebsweiden kostet uns mehr als zehn Stunden pro Woche.“


Definition des wolfsabweisenden Grundschutzes für Schafe und Ziegen in der „Förderkulisse Herdenschutz“ in Niedersachsen:

1. Für einen wolfsabweisender Grundschutz sind folgende Voraussetzungen nebeneinander zu erfüllen:

1.1 Ein vollständig geschlossener, elektrisch geladener Netzgeflecht- oder Litzenzaun mit einer bauartbedingten Höhe von mindestens 90 cm.

1.2 Ein Untergrabeschutz mit mindestens einer stromführenden Litze oder einem stromführenden Glattdraht mit maximal 20 cm Bodenabstand.

1.3 Bei Verwendung stromführender Litzen oder Drähte müssen eingesetzte Weidezaungeräte laut Herstellerangaben eine Entladeenergie von mindestens 1 Joule aufweisen.

2. Alternativ zu den Nummern 1.1 bis 1.3 ist ein wolfsabweisender Grundschutz nach Nummer 2.1 oder 2.2 zulässig:

2.1 Maschendrahtzäune oder Knotengeflechte mit mindestens 120 cm Höhe, die bauartbedingt von Wölfen nicht durchschlüpft werden können und über einen Untergrabeschutz verfügen. Dieser kann darin bestehen, dass der Zaun mindestens 20 cm tief in den Boden eingelassen ist oder auf der Außenseite in maximal 20 cm Höhe und in 15 cm Abstand durch eine stromführende Litze oder einen stromführenden Glattdraht ergänzt wird. Alternativ zum Einlassen in den Boden oder zu einer stromführenden Litze in Bodennähe können Knotengeflechtzäune auch durch ein fest mit dem senkrechten Zaun verbundenes Knotengeflecht ergänzt werden, das nach außen auf 100 cm Breite auf dem Boden aufliegt. Dieses Knotengeflecht muss sowohl an der Zaunseite als auch am Außenrand durch mindestens alle 4 m versetzt angebrachte Bodenanker am Boden fixiert sein, sodass es insgesamt alle 2 m fixiert ist.

2.2 Alternativ können Maschendraht- oder Knotengeflechte von mindestens 90 cm Höhe, die bauartbedingt von Wölfen nicht durchschlüpft werden können und einen wie in Nummer 2.1 beschriebenen Untergrabeschutz aufweisen, durch Breitbandlitzen oder Stacheldrähte, die mit maximal 20 cm Abstand über dem Zaun und zueinander angebracht sind, auf mindestens 120 cm erhöht werden.

Definition des wolfsabweisenden Grundschutzes für Gatterwild in der „Förderkulisse Herdenschutz“

1. Für einen wolfsabweisenden Grundschutz sind folgende Voraussetzungen nebeneinander zu erfüllen:

1.1 Ein Wildzaun aus Knotengitter oder Maschendraht mit einer Mindesthöhe von 180 cm, der bauartbedingt von Wölfen nicht durchschlüpft werden kann.

1.2 Ein Untergrabeschutz mit mindestens einer stromführenden Litze oder einem stromführenden Glattdraht mit maximal 20 cm Bodenabstand und in 15 cm Abstand auf der Außenseite um den gesamten Zaun gezogen.

1.3 Bei Verwendung stromführender Litzen oder Drähte müssen eingesetzte Weidezaungeräte laut Herstellerangaben eine Entladeenergie von mindestens 1 Joule aufweisen.

2. Alternativ zu den Nummern 1.2 und 1.3 ist auch folgender wolfsabweisender Grundschutz zulässig:

2.1 Knotengeflecht auslegen:

Eine Schürze aus Knotengeflecht wird außen am Fuß des Zauns ausgelegt. Sie wird in ca. 20 bis 30 cm Höhe fest mit dem Zaun verbunden und am Fuß des Zauns mit Erdankern am Boden befestigt. Die restlichen ca. 100 cm werden auf dem Boden ausgebreitet und am äußeren Rand mit Erdankern fixiert. Die Erdanker am Fuß des Zauns und die am äußeren Ende des Knotengeflechts sollten jeweils nicht mehr als 4 m Abstand zueinander haben und versetzt platziert sein, sodass der Zaun insgesamt alle 2 m fixiert ist.

2.2 Zaun in Boden einlassen:

Anstelle einer Schürze nach Nummer 2.1 kann beim Neubau von Gehegen der Zaun auch mindestens 30 cm tief in den Boden eingelassen werden.

Eine Kombination der Nummern 1.2 und 1.3 mit Nummer 2.1 wird empfohlen, eine Kombination der Nummern 1.2 und 1.3 mit Nummer 2.2 ist möglich. Beide Kombinationen erhöhen die Abwehrkraft des Zauns gegen Wölfe erheblich.