VHS Meppen zeigt Gründe auf Die Hälfte der Einwanderer erreicht nicht das Ziel des Sprachtests

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Die Absolventen eines Sprachkurses für Einwanderer an der VHS Meppen mit Ingrid Auth, zuständig für den Bereich Sprache und Integration an der VHS Meppen. Foto: Konstantin StumpeDie Absolventen eines Sprachkurses für Einwanderer an der VHS Meppen mit Ingrid Auth, zuständig für den Bereich Sprache und Integration an der VHS Meppen. Foto: Konstantin Stumpe

Meppen. Bundesweit erreicht mehr als die Hälfte aller Zuwanderer nicht das Ziel des verpflichtenden Sprachtests – auch in Meppen. Radka Lemmen, von der VHS Meppen nennt im Gespräch mit unserer Redaktion mögliche Gründe dafür.

Einwanderer, die dauerhaft in Deutschland leben möchten, müssen zunächst einen Integrationskurs absolvieren. An dessen Ende steht ein Sprachtest. Ziel ist das Sprachniveau B1. Doch kaum die Hälfte aller Teilnehmer erreicht dieses Level. Radka Lemmen, Fachbereich Bildungsmanagement an der VHS, betrachtet die Ergebnisse eines jüngst stattgefundenen Tests. Der besteht aus einem schriftlichen Teil mit Hörverstehen, Lesen und Schreiben sowie einem mündlichen Teil. Nur elf von 24 Teilnehmern haben B1 erreicht. 13 Absolventen liegen auf dem Level A2. Drei Teilnehmer sind ganz durchgefallen. Zur Einordnung: Das höchste Level ist C2, gefolgt von C1, dann B2, B1 usw..

Um einen Punkt gescheitert

In der vergangenen Woche übergab Ingrid Auth, Zuständig für die Organisation der Deutsch- und Integrationskurse, den Prüflingen ihre Ergebnisse. In dem multinationalen Kurs lernten Einwanderer aus Simbabwe, Afghanistan, Syrien, Russland und anderen Ländern zusammen. Gesprochen wurde nur Deutsch, erklärt Auth, was gar nicht so leicht sei, weil einige Teilnehmer vor Kursbeginn kein einziges Wort verstünden und die Lehrkraft auch nicht alle Sprachen beherrsche.

Einer der Teilnehmer war Slobodan Gavric aus Kroatien. Ganz knapp hat er nicht das Sprachniveau B1 erreicht. Nur ein Punkt in der mündlichen Prüfung hat ihm gefehlt. Weil er aber neben dem Sprachkurs noch einen Vollzeitjob als Schweißer ausübt, hatte er kaum Zeit zum Lernen. Er kann nun einen Antrag auf 300 weitere Übungsstunden sowie eine Wiederholung des Tests beantragen. Eine Kursteilnehmerin aus Russland ist ganz durchgefallen. Weil sie ihre zwei kleinen Kinder betreuen muss, hatte sie kaum den Unterricht besucht.

Lernen ist Gewohnheitssache

Radka Lemmen führt weitere Gründe für das schlechte Abschneiden an. Zunächst liege es an der mangelhaften Vorbildung der Einwanderer. Die meisten Geflüchteten seien in ihrer Heimat nur kurz zur Schule gegangen. Daraus ergebe sich ein weiteres Problem. „Jemand der nie in der Schule war, macht am Ende die gleiche Prüfung wie jemand, der die Schule besucht hat“, betont Lemmen. Lernen sei auch ein Stück weit Gewohnheitssache. Zur Vorbereitung auf den Sprachtest absolvieren die Einwanderer in der Regel einen halbjährigen Kurs mit 600 Unterrichtsstunden – etwa 20 Stunden pro Woche. Spezielle Kurse sind zwar auch mit 900 Unterrichtsstunden plus 300 zur Ergänzung möglich, „aber 1200 Stunden sind oft immer noch nicht genug“, meint Lemmen.

Dass die Kurse nicht von vorneherein mehr Unterrichtseinheiten beinhalten, sieht sie in der jüngeren Geschichte begründet. Als das Bundesamt für Migration zum Januar 2005 die Integrationskurse verpflichtend anordnete, seien die meisten Einwanderer aus Osteuropa oder Griechenland gekommen. „Dort sind die Menschen das Lernen gewohnt. Heute stammen die meisten Kursteilnehmer aus Asien, zum Beispiel Syrien. Dort lernen die Menschen ganz anders“ erklärt Lemmen. Der Sprachkurs ziele auf die Vermittlung von Kompetenzen ab, um sich im Alltag verständigen zu können, wohingegen in Syrien zumeist nur faktisches Wissen gelehrt werde. Außerdem müssten viele Einwanderer zunächst die Umstellung von der arabischen auf die lateinische Schrift lernen.

Doch auch ganz andere Probleme gebe es im ländlich geprägten Emsland. In den Schulferien fahren die Busse nicht mehr so häufig. Deshalb sei es auch für die Kursteilnehmer aus entlegeneren Orten schwierig, in dieser Zeit am Kurs teilzunehmen. „Wir können aber nicht sechs Wochen gar keinen Unterricht machen, sonst könnten wir wieder ganz von vorne anfangen“, sagt die Abteilungsleiterin.

Hier können Sie sich an einigen Beispielfragen aus einem Sprachtest für Zuwanderer ausprobieren.


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