Streit am Nagelshof geht weiter Dämmschicht am Meppener Neubau wieder abmontiert

Von Hermann-Josef Mammes


Meppen. Der seit Jahren schwelende Streit zwischen den Hauseigentümern am Nagelshof in Meppen geht in die nächste Runde. In den vergangenen Tagen musste ein Meppener Handwerksbetrieb in kleinen Schritten Teile der Außendämmung des Neubaus am Nagelshof 17 wieder abmontieren, die er selbst angebracht hatte.

Doch der Reihe nach: Vor vier Jahren entstand in Nachbarschaft der beiden teils 120 Jahre Häuser Nagelshof 15 und 15a ein Neubau für acht Eigentumswohnungen sowie ein Ladenlokal im Erdgeschoss. Der Bauherr, die damalige Firma von Josef Wulf ließ für die Gründung des Gebäudes am Nagelshof 17 im Jahr 2014 Spundwände bis zu sechs Meter tief in die Erde rammen. Wie sich später herausstellen sollte, befinden sich diese Spundwände befinden jedoch auf dem Nachbargrundstück Nagelshof 15 der Familie Plagge. Bis heute ragen Stahlenden aus dem Boden heraus. Vor der Baumaßnahme diente dieser Weg als Durchgang für die Mieter der beiden alten Häuser. Seit 2014 kann der Weg nicht mehr genutzt werden.

Jahrelanger Streit

Nach einem jahrelangen Streit zwischen Bauherr, Familie Plagge als Eigentümer der beiden alten Häuser sowie dem Landkreis Emsland und der Stadt Meppen stellte ein Gutachter des Landgerichtes Osnabrück fest, dass die Bauschäden an den teils 120 Jahre alten Häusern durch den Neubau auf dem Nachbargrundstück entstanden sind. Dabei konnte Plagge zusätzlich mittels des Katasteramtes nachweisen, dass das neue Nachbarhaus bis zu 40 Zentimeter auf seinem Grundstück steht.

Dämmung entfernen

Auch die Wärmeschutzdämmung der Außenmauer des Neubaus ragt über die Grundstücksgrenze hinweg. Die Stadt forderte die Käufer der Wohnungen am Nagelshof 17 in der Vergangenheit mehrfach schriftlich auf, die „Dämmung fristgerecht“ zu entfernen. Auf Anfrage der Redaktion bestätigte die Stadtverwaltung, dass das Innenmaterial der Wand „nicht feuerbeständig“ sei. Es müsse entsprechend ausgetauscht werden. Mit einem Schreiben vom 13. März 2018, das der Redaktion vorliegt, richtet sich die Stadtverwaltung jetzt an das Meppener Handwerksunternehmen, das seinerzeit das Dämmmaterial angebracht hatte. Auch um eine Gefährdung von Bewohnern, Besuchern und Passanten zu vermieden, müsse das „Dämmmaterial unbedingt entfernt werden“. Weiter heißt es in dem Schreiben: „Sie haben ein nicht zugelassenes Material angebracht, wodurch ein rechtswidriger Zustand entstanden ist.“

Schicht abgetragen

Tatsächlich wurden in mehreren Bauschritten große Teile der 22 Zentimer dicken Dämmschicht inzwischen abgetragen. Für Reinhard Plagge steht fest, dass keine neue Dämmschicht aufgetragen wird. Da das Nachbarhaus am Nagelshof 17 bereits illegal zu Teilen auf seinem Grundstück errichtet wurde, sei der Durchgang zu seinem Hinterhaus am Nagelshof 15 von 120 auf 80 Zentimeter geschrumpft. Zurzeit sei der Weg wegen der aus der Erde herausragenden Stahlenden sogar gänzlich unpassierbar.

Schmaler Durchgang

Bislang wollte nach seinen Angaben kein Handwerker die Eisenkonstruktionen abtrennen. „Sie befürchteten, dass sich dabei das Styropor der Dämmwände, die direkt darüber angebracht waren, entflammen könnten.“ Nach der Demontage der Dämmschicht können die Stahlenden jetzt endlich abgebrannt werden. Laut Kostenvoranschlag muss Plagge hierfür 2800 Euro zahlen. Danach soll der Weg endlich wieder eine Pflasterung erhalten. „Auf keinen Fall werde ich den Einbau einer neuen Dämmschicht erlauben“, kündigte er an. Nicht nur für den Möbeltransport benötige er den jetzt wenigstens 100 Zentimeter breiten Durchgang. Lediglich für eine dünne Putzschicht auf dem nackten Mauerwerk werde er seine Zustimmung erteilen. Notfalls müssten die Eigentümer ihre neuen Geschäfts- und Wohnräume von innen dämmen.

Teurer Rechtsstreit

Plagge sagt, dass seine beiden alten Wohnhäuser beide vermietet sind, und die rückwärtigen Mieter nur schon bald nur über diesen Durchgang zu ihrem Haus gelangen. Nach seinen Ausführungen will der Eigentümer des zweiten Nachbargrundstücks am Nagelshof 13, das bislang nur als Parkfläche dient, ebenfalls ein Wohn- und Geschäftshaus bauen. Damit seien Plagges Mieter auf den schmalen Durchgang auf jeden Fall angewiesen. Bislang kostete der langwierige Rechtsstreit dem Meppener Vermieter nach eigenen Angaben an Gerichts-, Anwalt- und Sachverständigenkosten sowie bereits 35.000 Euro. So ist vor dem Landgericht Osnabrück immer noch der Rechtsstreit zu den Gebäudeschäden (weitere 35.000 Euro) an den Altbauten anhängig.


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