Nach langer und schwieriger Suche Emsländerin trifft zum ersten Mal ihren leiblichen Vater

Von Harry de Winter

Für Janina Hiller ist mit dem Auffinden ihres Vaters Michael R. ein großer Traum in Erfüllung gegangen. Foto: Janina HillerFür Janina Hiller ist mit dem Auffinden ihres Vaters Michael R. ein großer Traum in Erfüllung gegangen. Foto: Janina Hiller

Meppen. Jahrelang hat sich die gebürtige Meppenerin Janina Hiller gefragt, wer wohl ihr leiblicher Vater ist. Sie machte sich auf eine schwierige Suche, recherchierte in sozialen Netzwerken und wendete sich an die Öffentlichkeit. Nun hat sie ihren Vater ausfindig machen können. Wie das für die beiden war, schilderten sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

Am 7. Juni 1990 kam Janina Hiller im Krankenhaus in Meppen unter dem Namen Mandy Möller zur Welt. Kurz nach ihrer Geburt wurde sie von ihrer leiblichen Mutter zur Adoption freigegeben. So kam sie im Alter von zwei Monaten zu ihren Adoptiveltern nach Rhede. Hier wuchs sie unbekümmert und glücklich in einer Familie mit anderen Kindern auf. Im Jugendalter wurde ihr mitgeteilt, dass sie adoptiert sei. Von diesem Tag an beschäftigte sie die Frage, wer wohl ihre leiblichen Eltern sind.

2010 Mutter kennengelernt

Ihre Mutter konnte sie ausfindig machen und traf sich mit ihr im Jahr 2010 im hessischen Witzenhausen. Doch die Frage nach ihrem Vater konnte oder wollte die Mutter ihrer Tochter nicht beantworten. „Meine leibliche Mutter soll schon immer verschiedene Liebhaber gehabt haben. Leider steht auf meiner Geburtsurkunde nur ihr Name und nicht der meines Vaters“, sagt die 27-Jährige. Also startete sie eine Suche im sozialen Netzwerk Facebook und wendete sich im November 2017 an unsere Redaktion.

Mutter nennt den Namen des Vaters

Einige Tage nach der Veröffentlichung des Artikels meldete sich eine Freundin der Mutter bei Hiller und erklärte ihr, dass sie sich umgehend bei ihrer Mutter melden sollte. „Das habe ich daraufhin getan und meine Mutter nannte mir tatsächlich im Gespräch den Namen meines leiblichen Vaters. Nach dem Telefonat habe ich sofort den Namen im Internet gesucht und bin fündig geworden“, sagt Hiller.

Vater wusste nichts von Tochter

Auf gut Glück schrieb die 27-jährige einen Mann mit dem Namen Michael R.* an und bekam wenig später eine Antwort von ihm. „Ich konnte die Nachricht, die Janina mir geschrieben hatte, gar nicht so recht glauben und musste erst mal überlegen. Vor allem war ich sehr überrascht. Was vor 28 Jahren passiert ist, hat man ja nicht sofort parat“, schildert der 58-Jährige. „Und dann fiel mir ein, dass da mal etwas war.“ Anfang 1990 war der gebürtige Braunschweiger beruflich nach Meppen gezogen und hatte eine kurzzeitige Beziehung mit einer Frau. Das daraus ein Kind hervorgegangen war, wusste er nicht und wurde ihm auch nie von der Mutter mitgeteilt.

Erstes Treffen an Ostern

Hiller und ihr Vater hielten den Kontakt. Schrieben sich und telefonierten in regelmäßigen Abständen. So lernten sie sich langsam kennen. Da sie sich gut verstanden, entschieden beide, sich zu treffen. Als passender Termin wurden die Osterfeiertage ausgemacht. Dafür fuhr Hiller von ihrem Wohnort in Schleswig-Holstein nach Braunschweig, zu ihrem Vater.

Die Chemie stimmt

„Ich war unglaublich aufgeregt“, sagt Hiller. „Ich kannte meinen Vater von Fotos, aber in echt hatte ich ihn noch nie gesehen. Außerdem wusste ich nicht, wie das Treffen verläuft. Doch es war alles super schön. Wir sind zunächst einen Kaffee trinken gegangen, um uns zu beschnuppern.“ Auch ihrem Vater erging es bei diesem Treffen ähnlich. Umso glücklicher waren beide, dass zwischen ihnen die Chemie stimmte. Weitere Zusammenkünfte folgten in immer kürzeren Abständen. Auch die Familie ihres Vaters lernte Hiller kennen und kam gut mit dieser zurecht.

Umzug nach Salzgitter

Aktuell ist die 27-Jährige dabei, in die Nähe ihres Vaters nach Salzgitter zu ziehen. „Wir haben uns beide dafür entschieden“, sagt sie glücklich. „Ich habe bereits eine Wohnung gefunden und habe in den kommenden Wochen Vorstellungsgespräche bei verschiedenen Unternehmen. Es läuft momentan wirklich alles wunderbar und ich bin absolut zufrieden mit mir und meinem Leben.“

Gemeinsame Zeit nachholen

Für Hiller ist mit dem Auffinden ihres Vaters ein großer Traum in Erfüllung gegangen. Für die Zukunft hofft sie, „dass alles so bleibt, wie es jetzt ist. Mein Papa und ich haben viel gemeinsame Zeit nachzuholen und das wollen wir auch tun.“

*Vollständiger Name der Redaktion bekannt.