Bienen im Emsland auf Sammelflug Millionenfach summt es jetzt im Raps



Meppen/Lathen. Raps und Bienen, Bienen und Raps: Diese Kombination gehört in diesen Tagen zusammen. Denn die Insekten liefern nicht nur Honig, sondern sie steigern auch den Ertrag der gelb blühenden Ölfrucht. Landwirtschaft und Imkerei arbeiten oftmals eng zusammen.

Das ist bei einem Besuch der Wirtschaftsbetriebe Meppen auf Gut Rupennest in Lathen deutlich geworden. Gesamtleiter Martin Möllering und produktionstechnischer Leiter Jens Beelmann sind mit ihren Mitarbeitern für Ackerbau auf 1801 Hektar Fläche verantwortlich. Hauptsächlich werden Roggen,Weizen, Triticale zur Saatgutvermehrung, sowie Kartoffeln angebaut, aber auch Ölraps – in diesem Jahr 411 Hektar.

Alle Flächen liegen innerhalb der Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD) und gehören aus historischen Gründen der Bundesrepublik Deutschland. Sie dienen nicht nur der Landwirtschaft, sondern auch als Überschussgebiet bei der sicheren Erprobung von Waffen und Munition.

Martin Möllering und Jens Beelmann sowie Hermanns Hüsers und Björn Wicks vom Förderverein Imme Bourtanger Moor haben jetzt bei einem Ortstermin die aktuelle Situation rund um die weitläufigen Rapsfelder besprochen, die seit ein paar Tagen in voller Blüte stehen. Bis zu 200 Kilogramm Honig pro Hektar Raps können Imker im Bestfall ernten, im Emsland aber steht der Raps aufgrund der sandigen Böden nicht so üppig wie andernorts und die Imker erzielen etwa 80 Kilogramm pro Hektar.

Kein Schwerpunktgebiet

Im Emsland gibt es vergleichsweise wenig Raps: „Wir sind kein Schwerpunktgebiet“, sagt Martin Möllering. Tatsächlich wurde 2017 nur auf einem Prozent der emsländischen Äcker Raps produziert und damit auf rund 1450 Hektar. Entsprechend begehrt sind die gelben Bienenparadiese bei den Imkern. Björn Wicks berichtet, traditionell hätten emsländische Bienenhalter schon immer ihre Bienenvölker im Frühsommer zum Beispiel nach Ostfriesland oder Schleswig-Holstein gebracht, wo es mehr Raps gebe. Im Spätsommer zur Heideblüte hätten sie dann im Emsland Honig eingeflogen.

Bis zu vier Völker pro Hektar Raps können die Imker aufstellen, 300 bis 350 stehen im Moment an den Rapsfeldern der Wirtschaftsbetriebe. Bei der Verteilung der Standorte vermitteln die Imker und Björn Wicks steht in regelmäßigem Kontakt mit den Wirtschaftsbetrieben.

Denn nicht nur Wild- und Honigbienen stehen auf die Ölpflanze, auch Schädlinge wie Rapsglanzkäfer oder Kohlschotenmücke vermehren sich prächtig und können zum Problem werden. Dann ist der Einsatz eines Insektizides manchmal unumgänglich. Spätestens dann gibt es konkrete Absprachen mit den Imkern, denn auch wenn nur zugelassene, bienenunschädliche Mittel verwendet werden, können die Imker zum Beispiel die Bienenstöcke schließen und ihre Schützlinge am Ausflug hindern. Der Platz um die Stöcke selbst wird vorsichtshalber ausgespart.

Vorsorge

Vor allem aber setzen die Wirtschaftsbetriebe auf Vorsorge – etwa eine ausgewogene Fruchtfolge, die das Erstarken einer Schädlingspopulation verhindern kann. „Und wir setzen Chemie nicht vorsorglich ein und nur beim Überschreiten festgelegter Schadschwellen“, sagt Jens Beelmann. In den vergangenen drei Jahren habe man den Raps zur Blütezeit gar nicht behandeln müsse und das obwohl das Verbot der Saatgutbeizung insgesamt häufigeren Einsatz der Feldspritze notwendig machen könne.

Dass es den Bienen insgesamt nicht besonders gut geht, bedauerten Imker wie Landwirte gleichermaßen, hieß es. Denn sicher ist: Ohne Bienen sinkt der Rapsertrag in der Regel um bis zu eine Tonne pro Hektar, also rund ein Drittel bis ein Viertel. Und die Abreife ist wesentlich ungleichmäßiger, was die Ernte in die Länge zieht.

Landwirtschaft und Imkerei seien nicht nur in diesem Fall aufeinander angewiesen, sagte Imme-Vorsitzender Hermann Hüsers. Auch deshalb stehe man in ständigem Dialog und suche gemeinsam nach Lösungen.

In Deutschland wächst Raps zur Ernte 2018 auf 1,283 Millionen Hektar.


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