Pilotprojekt in Meppen und Lingen Emsland startet erste ländliche E-Roller-Vermietung

Von Tobias Böckermann

Auf geht´s mit den ersten Elektrorollern: Michael Steffens (v.l.), Christian Gnaß, Helmut Knurbein, Mirko Lühn, Reinhard Winter, Georg Schröer und Oliver Rosen stellten das Projekt „e-Scootersharing“ vor dem Kreishaus vor. Foto: Tobias BöckermannAuf geht´s mit den ersten Elektrorollern: Michael Steffens (v.l.), Christian Gnaß, Helmut Knurbein, Mirko Lühn, Reinhard Winter, Georg Schröer und Oliver Rosen stellten das Projekt „e-Scootersharing“ vor dem Kreishaus vor. Foto: Tobias Böckermann

Meppen. Mobilität ohne eigenes Auto – das ist nicht nur etwas für Großstädte: Auch in Meppen und Lingen kann man jetzt unkompliziert per Smartphone Elektroroller ausleihen. Wenn´s mal schnell gehen muss, oder einfach, weil es Spaß macht.

Denn die sogenannten e-Scooter sind in – mit ihnen kommt man bequem, leise und flott durch die Stadt. Und manchmal ist ein Weg einfach zu weit, um ihn zu Fuß zurückzulegen, aber zu kurz für ein Auto. Oder man hat gleich gar kein Auto mehr und ein Fahrrad ist gerade nicht greifbar. Eine „sinnvolle Ergänzung“ für die sogenannte „letzte Meile“, sollten die Roller sein, sagte Landrat Reinhard Winter, also ein Fortbewegungsmittel etwa dann, wenn man zuvor mit Bus oder Bahn in Meppen angekommen sei und dann noch ein paar Kilometer weiterkommen müsse.

So ähnlich dürfte wohl das Kalkül des in Lingen neu gegründeten Unternehmens „share2move“ lauten, das als „neuer Sharing-Dienst in Meppen und Lingen“ durchstarten will. Das Schlagwort „meli-sharing“ für Meppen und Lingen sowie „sharing“ für Teilen. In diesen beiden Städten startet Mirko Lühn mit „share2move“ jetzt durch und Hilfe erhält er dabei vom Landkreis Emsland, den beteiligten Städten und der Sparkasse Emsland.

Bei einem Pressetermin im Kreishaus haben Vertreter der beteiligten Kommunen und Organisationen das Projekt vorgestellt. Es setzt nicht nur auf Nutzer, sondern auch auf e-scooter aus dem Emsland. Denn die bis zu 45 km/h schnellen Roller stammen aus der Produktion der Lingener emco Group, für die Mirko Lühn bislang tätig war und für das er ähnliche Flottenrollersysteme bereits in Großstädten wie Barcelona oder Berlin installiert hat.

In ländlichen Regionen gebe es diese Art der Mobilität bislang nicht, sagte Landrat Reinhard Winter. Auch deshalb habe man „share2move“ mit einer Anschubfinanzierung von 100.000 Euro aus dem Programm „Beschäftigung durch Innovation“ unterstützt. Die Gesamtkosten für Entwicklung, Programmierung, Prototypenbau und Erprobung lagen bei 475.000 Euro.

Roller von emco

Die Vermietung der umweltfreundlichen E-Roller erfolgt per Smartphone. Jeweils 20 Fahrzeuge sind in Meppen und Lingen deponiert, in Meppen unter anderem beim Kaufland und vor der Sparkasse. Wer mindestens 16 Jahre alt ist, sich für eine einmalige Gebühr von 19 Euro hat registrieren lassen und sich eine App aufs Smartphone geladen hat, kann nach ein paar Formalitäten (unter anderem Führereschein und Personalausweisprüfung) den nächstgelegenen Roller finden und mieten, der dann per App auch freigeschaltet wird. Jeder Roller ist neben einem nicht ausschaltbaren mit einem Helm ausgestattet, der in einer Box eingeschlossen ist. Die Roller sind ständig zu orten.

Die Roller schaffen 120 Kilometer mit einer Batteriefüllung, jede gemietete Minute kostet 23 Cent, maximal aber 34,99 Euro am Tag. Wer den Roller nicht fährt, kann ihn in den Parkmodus schalten, der dann 11 Cent pro Minute kostet. Innerhalb eines definierten Gebietes in den beiden Städten kann man den Rolle kostenlos wieder abstellen. Für volle Akkus sorgt der Betreiber.

Erste Erfolge

Obwohl das Angebot bislang kaum bekannt und erst am 1. Mai gestartet ist, hatten sich am Donnerstab bereits 150 Nutzer registriert und waren 65 Fahrten unternommen worden. „Damit sind wir sehr zufrieden“, sagte Mirko Lühn. Er setzt auf eine Ausweitung des Projektes auf andere Städte im Emsland und der Grafschaft Bentheim, dafür gebe es positive Signale, sagte er.

Christian Gnaß vom Rollerhersteller Emco ist froh, dass mit dem Sharingsystem ein Test der eigenen Produkte und vor allem eines Fahrzeugsharings auf dem Land direkt vor Ort möglich werde. Dazu war eine Anpassung sämtlicher Systeme und Programme zum Beispiel auf Netzlücken oder langsames Internet notwendig. Sicherheit werde dabei groß geschrieben.

Die Sparkasse Emsland unterstützt die Rollerflotte als Sponsor und erhofft sich dadurch Vorteile für die Region insgesamt. Oliver Rosen und Georg Schröer von der Geschäftsführung sind jedenfalls schon selbst mit den Rollern unterwegs gewesen. Meppens Bürgermeister Helmut Knurbein sieht ebenfalls Vorteile in der smarten Elektromobilität, gerade auf dem Land. Deshalb unterstütze die Stadt den Betreiber nicht finanziell, aber unter anderem in der Parkplatzfrage. Auch übernehme man wie der Landkreis und die Stadt Lingen für alle Azubis die Anmeldegebühr.