Förderverein Pro E 233 Meppen: Vierspuriger Ausbau großer Sicherheitsgewinn

Von Hermann-Josef Mammes


Meppen. Der Förderverein Pro E 233 sieht im vierspurigen Ausbau der E 233 über 84 Kilometer von Meppen nach Emstek nicht nur eine enorme Zeitersparnis, sondern auch einen großen Sicherheitsgewinn. Das sagten Vorsitzender Dieter Barlage, zweiter Vorsitzender Klaus Mecking und Geschäftsführer Norbert Verst.

Die Bürgerinitiative Exit E 233 rechnet mit einer Reduzierung des Lkw-Aufkommens durch die Einführung der Maut im Juli 2018. Wie sieht die Prognose des Förderverein Pro E 233 aus?

Nach den aktuellen Zahlen des Bundesverkehrswegeplans werden wir bis 2030 eine Zunahme des Lkw-Verkehrs von 17 Prozent und bei den Pkw von 13 Prozent auf dieser Trasse bekommen. Obwohl der Lkw-Anteil jetzt mit 30 Prozent bereits unerträglich hoch ist, wird er also noch weiter ansteigen. Es wird keine Maut-Flucht geben. Nach Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen wird jeder Unternehmer die Maut zahlen, wenn er damit Personalkosten einsparen kann.

Ein weiterer Stein des Anstoßes sind die angeblich erhöhten Baukosten. Die Gegenseite nennt die Zahl von mindestens 870 Millionen Euro für den vierspurigen Ausbau auf einer Länge von 84 Kilometern. Welche Informationen liegen Ihnen zugrunde?

Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Bei den ersten Schätzungen ging man von einem ganz anderen Streckenverlauf aus. Jetzt ist es ein autobahnähnlicher Ausbau. Die aktuelle Zahl des Bundesverkehrswegeplans ist weiterhin 719 Millionen Euro. Aber es gibt natürlich Preissteigerungen mit jedem Jahr, in dem später gebaut wird. Die endgültige Zahl lässt sich erst errechnen mit dem Tag des Baubeginns.

Oft wird auch das Argument angeführt, dass der Ausbau unnötig sei, da es der Region bereits wirtschaftlich gut geht und nahezu Vollbeschäftigung besteht. Welche Vorteile bringt der Ausbau?

Viele Vorteile. Wir müssen unseren Fachkräften etwas bieten. Dies gilt gerade für höhere Führungskräfte, die oftmals der Region nicht verbunden sind. Diese wollen schnelle Verkehrsverbindungen. Die Familien könnten dann sehr schnell Großstädte wie Oldenburg oder Osnabrück in der Freizeit erreichen. Mir hat gerade erst ein guter Mitarbeiter gekündigt, der als junger Vater und Pendler unterwegs war und jetzt ein Angebot direkt vor der Haustür wahrnimmt. Auch für unsere Kunden sind die langen Anfahrtswege ein Problem.

Von der Gegenseite wird durch den Ausbau ein massiver Eingriff in die Umwelt prognostiziert. Wie sehen sie diese Argumentation?

Sicherlich bringt jede öffentliche Planung einen Eingriff in Natur und Landschaft mit sich. Aber jede öffentliche Planung wird nach Natur- und Landschaftsaspekten bewertet und der Eingriff muss wieder ausgeglichen werden. So entstanden auch entlang der Emslandautobahn neue wertvolle Naturräume. Hier werden sogar neue Naturschutzgebiete geschaffen.

Und wie sehen Sie den Vorschlag der Gegenseite für einen dreispurigen Ausbau?

Der dreispurige Ausbau ist schon 2003 betrachtet und bewertet worden. Er wird den Verkehrsströmen nicht gerecht. Zudem nimmt die Sicherheit damit nicht zu. Eine Vierspurigkeit bringt hingegen einen sehr großen Sicherheitsgewinn. Auf Autobahnen gibt es viermal weniger Unfälle. Wir hatten auf dieser Straße in den vergangenen Jahren acht Verkehrstote. Zieht die man die Statistik heran würden sechs noch leben. Wir haben schon Firmenangehörige auf dieser Straße verloren, nur weil sie abbiegen wollten und ein Lastwagen auf ihren Pkw aufgefahren ist.

Sie sprechen die Verkehrssicherheit an. Hier schlägt die Gegenseite Tempolimits und stärkere Verkehrskontrollen an. Wie ist hier Ihre Meinung?

Wir haben nichts gegen Verkehrskontrollen. Gerade in den vergangenen Monaten wird in beiden Landkreisen sehr stark kontrolliert.

Der Förderverein Pro E 233 wird von der Gegenseite als Lobbyverein der Wirtschaft benannt. Wie stellt sich die Mitgliederstruktur dar?

Wir haben über 200 Mitglieder und Befürworter. Die Hälfte davon sind Privatpersonen. Auch unsere Mitarbeiter sind fast alle für den Ausbau. Auch viele Kommunen sind unserem Verein beigetreten, weil sie sich vom vierspurigen Ausbau einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung versprechen, so wie er entlang der A 31 für die dortigen Kommunen bereits erreicht wurde. Es gibt keine Kommune in beiden Landkreisen, die gegen den Ausbau ist.

Wie steht nach Ihrer Einschätzung der überwiegende Teil der Bevölkerung im mittleren Emsland zum vierspurigen Ausbau.

Ich bin im Emsland sehr gut vernetzt. Ich höre fast nur positive Stimmen. Der überwiegende Teil der Bevölkerung begrüßt das Projekt. So sind ja auch CDU, SPD, UWG und FDP eindeutig dafür und repräsentieren den Großteil ihrer Wähler. Und selbst bei den Grünen gibt es Befürworter.

Eine Prognose zum Abschluss. Wann beginnt der Ausbau, und wann ist die vierspurige Strecke komplett fertig?

Wir sehnen uns den Spatenstich herbei. Die ersten beiden der insgesamt acht Bauabschnitte sollen jeweils an den Autobahnen A 31 bei Meppen und A 1 bei Emstek starten. Auch wegen möglicher Klagen ist eine Prognose sehr schwer. Deshalb ist die korrekte Planung so wichtig, um später vor Gericht bestehen zu können.

Welche konkreten Maßnahmen auch werbewirksam sind geplant?

Wir haben gerade vier neue Plakate entlang der E 233 aufgestellt. Zum einjährigen Bestehen wollen wir die Mitglieder noch einmal informieren, was wir in den vergangenen Monaten alles auf die Beine gestellt haben. Auch die Homepage soll noch attraktiver gestaltet werden. Auch zu den jeweiligen Bauabschnitten wird es wieder große Infoveranstaltungen geben. Es gibt nichts zu verbergen. Wir sehen nach der sachlichen Prüfung ein deutliches Ja für den Ausbau. Wir wollen uns der Diskussion stellen.