32 Frauen müssen abgewiesen werden Frauenhaus Meppen: Auf der Flucht vor dem eigenen Mann

Meine Nachrichten

Um das Thema Meppen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Meppen. Bedrohung, Gewalt, Misshandlung – die Gründe, warum Betroffene im Frauen- und Kinderschutzhaus in Meppen Hilfe suchen, sind vielschichtig und wiegen oft schwer. Bis zu sechs Frauen und zwölf Kinder finden hier zeitgleich Zuflucht. Doch nicht immer können alle aufgenommen werden. 2017 mussten 32 Frauen und 35 Kinder in andere Einrichtungen vermittelt werden.

Regina G.* ist 39 Jahre alt, verheiratet und Mutter von zwei Kindern im Grundschulalter. Seit Jahren leidet sie unter der extremen Eifersucht und Kotrollsucht ihres Mannes. Als sie den Entschluss fasst, sich von ihrem Mann zu trennen, eskaliert die Situation zu Hause. Es kommt zu gewalttätigen Übergriffen, sie wird geschlagen und in den Unterleib getreten. Durch lautes Schreien kann sie die im Haus lebenden Schwiegereltern zu Hilfe holen. Die Polizei wird benachrichtigt. Ihr Mann bekommt einen Platzverweis und muss die Wohnung für 14 Tage verlassen. Die Beamten übergeben in solchen Fällen das Einsatzprotokoll an die Beratungs- und Interventionsstelle (BISS) des Sozialdienst katholischer Frauen Meppen – Emsland Mitte (SkF), die sich am folgenden Tag bei Regina G. meldet. Sie erläutert am Telefon ihre Situation und schildert ihre Ängste. Da sie sich nach wie vor nicht sicher fühlt, empfiehlt der SkF einen Aufenthalt im Frauen- und Kinderschutzhaus, auch zur Sicherheit ihrer beiden Kinder.

„Wir helfen, wo es geht“

Dieser Fall, den der SkF unserer Redaktion schildert, zeigt, wo die Arbeit des Frauen- und Kinderschutzhauses in Meppen ansetzt. Im vergangenen Jahr nahmen insgesamt 49 Frauen mit 56 Kindern dieses Angebot in Anspruch, ein über die vergangenen Jahre durchschnittlicher Wert. Doch nicht immer können Hilfesuchende im Frauenhaus aufgenommen werden. Aufgrund fehlender Kapazitäten mussten 2017 32 Frauen und 35 Kinder an andere Häuser vermittelt werden. „Wir weisen niemanden ab oder lassen jemanden in seiner Not im Regen stehen“, sagt Rita Gödde-Zink, Geschäftsführerin beim SkF Meppen. „Wir helfen, wo es geht. Wenn unser Haus voll belegt ist, vermitteln wir die betroffenen Menschen an eine andere Einrichtung, wo sie dann aufgenommen werden können.“ In der Regel sind das Frauenhäuser in der Region. Dazu zählen Lingen, Nordhorn, Leer oder Emden.

Platz für sechs Frauen und zwölf Kinder

In der Einrichtung, die sechs Frauen sowie zwölf Kindern gleichzeitig Platz bietet, sollen die Mütter und auch ihre Kinder zur Ruhe kommen und angstfrei wohnen. „Es ist wichtig, dass der Alltag wieder gestaltet werden kann“, erklärt Cordula Glanemann, Leiterin des Frauen- und Kinderschutzhauses. Jede Frau hat hier ein eigenes Zimmer. Gemeinsam genutzt werden die Küche, das Badezimmer, das Wohnzimmer und der Wintergarten. Den Kindern stehen ein Spielzimmer und ein Bewegungsraum zur Verfügung. Ebenfalls zum Haus gehört ein großer Garten mit Spielgeräten. „Wo sich das Haus befindet, ist aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich bekannt“, sagt die Leiterin. „In Gesprächen mit Psychologen und geschulten Mitarbeitern wird das Erlebte reflektiert und aufgearbeitet. Es werden Perspektiven entwickelt und Entscheidungen vorbereitet. Wir wollen, das die Frauen und Kinder wieder lachen können und sich wiederfinden.“

Wer kommt ins Frauenhaus?

Von den insgesamt 49 Bewohnerinnen des Schutzhauses im Alter von 17 bis 62 Jahren waren 69 Prozent zwischen 22 und 30 Jahre alt. Einen Migrationshintergrund hatten 30 Frauen und 44 Kinder. Die Vermittlung ins Frauenhaus erfolgte bei 36 Frauen über professionelle Dienste und bei 13 Frauen durch eigene Initiative. Ausgelastet war die Einrichtung über das Jahr 2017 gesehen zu rund 65 Prozent. Fast 60 Prozent der Frauen kamen mit Kindern. Im Vorfeld hat sich der Zeitraum der Misshandlung in den meisten Fällen von einem bis fünf Jahren zugetragen. Die Gewaltausübenden waren in der Regel die Ehepartner. Von den 49 Frauen gingen 14 aus verschiedenen Gründen zurück in die Gewaltbeziehung, acht suchten sich eine neue Wohnung, fünf gingen allein zurück in die vorherige Wohnung, 13 kamen bei Freunden und Verwandten unter und neun suchten sich anderweitig eine Unterkunft. Durchschnittlich blieben die Betroffenen 29 Tage im Frauenhaus. Maximal können sie vier Monate in Anspruch nehmen.

Hilfen für die Kinder

Während ihres Aufenthaltes erhielten Regina G. und ihre beiden Kinder Hilfen bei der Gewaltverarbeitung und der Entwicklung neuer Lebensperspektiven für die Zeit nach dem Auszug aus dem Frauen- und Kinderschutzhaus. Die Kinder konnten durch die Teilnahme am Projekt „Kompass“, welches speziell für Kinder, die Zeugen häuslicher Gewalt wurden, entwickelt wurde, erstmals ihre eigenen Ängste offen ansprechen und ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln. Für Regina G. war das Angebot der regelmäßigen nachgehenden Beratung eine wertvolle Hilfe und eine Entlastung. Während des Aufenthaltes suchte sie außerdem gemeinsam mit den Betreuern nach einer neuen Wohnung, die sie alsbald fand. Bei dem Umzug und der Einrichtung der neuen Wohnung waren Ehrenamtliche des SkF ebenfalls behilflich. Bis heute halten die Mutter und ihre Kinder einen regelmäßigen Kontakt zu der Betreuungsstelle.

Auf das Ehrenamt angewiesen

„Damit eine Kontaktaufnahme an sieben Tagen die Woche zu jeder Tages- und Nachtzeit möglicht ist, sind wir auf ehrenamtliche Mitarbeiter angewiesen“, erklärt Gödde-Zink. Wie in vielen anderen Bereichen auch, werden diese jedoch immer weniger. „Wir suchen immer Menschen, die mithelfen wollen.“ Jedem werde dafür das nötige Rüstzeug durch Schulungen Fortbildungen an die Hand gegeben. Zusätzlich gebe es regelmäßige Treffen zum fachlichen Austausch und zur Einteilung der Arbeitszeiten. Alle weiteren Informationen gibt es auf www.skf-meppen.de.


Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF)

Seit über 100 Jahren ist der Sozialdienst katholischer Frauen ein Frauen- und Fachverband in der katholischen Kirche, der Hilfe für Kinder, Jugendliche, Frauen und Familien in schwierigen Lebenslagen anbietet. Die Beratung kann eder in Anspruch nehmen, unabhängig von Konfession und Nationalität. Sie ist kostenlos, und die Beraterinnen unterliegen der Schweigepflicht. Es arbeiten mehrere hauptamtliche Diplom-Sozialpädagoginnen, Sozialarbeiterinnen, Erzieherinnen sowie Verwaltungskräfte beim SkF Meppen - Emsland Mitte. Das Zusammenwirken von hauptberuflichen und ehrenamtlichen Kräften ist ein Merkmal des Verbands. Insgesamt hat der SkF Meppen – Emsland Mitte im Jahr 2017 1545 Menschen in all seinen Einrichtungen und Beratungsstellen betreut.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN