Sorge auch im Emsland Schweinepest würde Landwirtschaft und Jagd verändern

Von Martin Reinholz

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Der Amtsveterinär des Landkreises Emsland, Dieter Brunklaus, zeigte den Mitgliedern der Kreisjägerschaft Meppen mögliche Folgen und notwendige Präventionsmöglichkeiten in Bezug der Afrikanischen Schweinepest (ASP) auf. Foto: Martin ReinholzDer Amtsveterinär des Landkreises Emsland, Dieter Brunklaus, zeigte den Mitgliedern der Kreisjägerschaft Meppen mögliche Folgen und notwendige Präventionsmöglichkeiten in Bezug der Afrikanischen Schweinepest (ASP) auf. Foto: Martin Reinholz

Meppen. Ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) unter Wildschweinen oder Hausschweinen im Emsland hätte „weitreichende Folgen“. Das hat Amtsveterinär Dieter Brunklaus während der Mitgliederversammlung der Jägerschaft Meppen verdeutlicht.

„Ein Ausbruch würde Landwirtschaft und Jagdwesen dauerhaft verändern“, sagte der Tiermediziner im Emslandsaal Kamp in Meppen.

Die Ursprünge der schweren Virusinfektion, die ausschließlich Schweine (Haus- und Wildschweine) betrifft und für diese tödlich ist, liegen in den baltischen Staaten (Lettland, Litauen und Estland) und im nordöstlichen Polen, führte Brunklaus aus. Für den Menschen stellt sie keine Gefahr dar, unterstrich der Veterinär. Im vergangenen Jahr breitete sich die Seuche über Tschechien, Rumänien und dem zentralen und nördlichen Polen weiter in Richtung Deutschland aus. In Europa gab es im vergangenen Jahr 4140 ASP-Fälle, davon 248 bei Hausschweinen und 3892 bei Wildschweinen.

Den Bestand an Hausschweinen im Emsland bezifferte Brunklaus auf etwa 1,8 Millionen. Ferner gebe es drei größere Schweineschlachtbetriebe und mehrere Zerlegungs- und Fleischverarbeitungsbetriebe. Aufgrund der Streckenzahlen gebe es im Frühjahr etwa einen Bestand von 644 Sauen und im Herbst von etwa 1288 Sauen. Der Zuwachs zum Herbst ergebe sich durch eine angenommene Reproduktionsrate von 100 Prozent, erläuterte Brunklaus.

„Unbedachte menschliche Aktivitäten stellen die größte Gefahr der ASP-Verschleppung über große Entfernungen dar“, stellte Brunklaus fest. Während die Wildtiere wie Wolf, Fuchs, Raben- oder Greifvögel nicht infiziert werden könnten und somit ein eher geringeres Risiko bei der Verbreitung darstellten, könnten Landwirte, Tierärzte, Fernfahrer, Erntehelfer, Jagdtouristen und Pflegekräfte aus den Seuchengebieten das Virus weitaus verbreiten. Hinzu komme eine Übertragungsgefahr durch Fleisch- und Speiseabfälle im Transitverkehr, Verbringung von Schlachtabfällen und Tierkadavern und Reste an Jagdausrüstung, Jagdfahrzeugen und Transportfahrzeugen.

Milliardenschaden

„Ein Ausbruch der ASP würde Landwirtschaft und Jagdwesen dauerhaft verändern“, prognostizierte Brunklaus. Schätzungen gehen von einem volkswirtschaftlichen Schaden in Niedersachsen zwischen vier und 22 Milliarden Euro und deutschlandweit bis zu 100 Milliarden Euro aus. Betretungsbeschränkungen in der Natur, Ernteverbote, Verfütterungsverbote und Jagdverbote nannte er als mögliche Maßnahmen im Falle eines Ausbruchs. Aufhebungen von entsprechenden Maßnahmen gebe es erst zwölf Monate nach einem positiven ASP-Befund. Bis dato sei in den bislang seit dem Jahr 2014 befallenen Gebieten aktuell keine Aufhebung der Maßnahmen bekannt.

Als „präventive Maßnahmen“ im Bereich der Landwirtschaft nannte der Amtsveterinär sichere Zäune bei Auslauf- und Freilandhaltungen, ordnungsgemäße Hygieneschleusen, sichere Kadaver- und Futterlagerung und regelmäßige Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen. Den Jägern riet er, ASP-verseuchte Regionen grundsätzlich zu meiden, kein Wildbret oder Trophäen von auswärtigen Jagden mit zurück zu bringen und Kleidung, Schuhe, Fahrzeuge und Jagdausrüstungen nach einer auswärtigen Jagd zu reinigen.

Anzeigepflicht

Ferner bestehe für Landwirte, Tierärzte und Jäger eine Anzeigepflicht von auffälligen Totfunden. Brunklaus rief die Jäger zu einer verstärken Bejagung des Schwarzwildes auf – besonders von jungen Bachen und Frischlingen. Die durch den Landkreis erlassene Aufhebung der Schonzeiten hielt der Veterinär für richtig. Zudem begrüßte er die geplante Genehmigung von Nachtsichtgeräten bei der Jagd und angedachte Prämien zum Abschuss der Wildscheine.

Abschließend erklärte Brunklaus, dass „das lokale Krisenmanagement“ aus Erfahrungen durch die wiederholt ausgebrochene Geflügelpest, durch regelmäßige landesweite Tierseuchenübungen und „bewährter Strukturen“ der Tierseuchenbekämpfung „recht seuchenerprobt“ sei.


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