Aktion von BUND Arbeit mit „Wunderboden“ im Bauerngarten in Helte

Im Bauerngarten in Meppen-Helte ging es um die Terra Preta. Foto: Martina CordesIm Bauerngarten in Meppen-Helte ging es um die Terra Preta. Foto: Martina Cordes

Meppen. Die Kreisgruppe Emsland des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) hat zusammen mit der Leader-Region Hasetal ein Wochenende rund um die fruchtbare Terra Preta beim Bauerngarten in Meppen-Helte veranstaltet.

Das Geheimnis der Terra Preta (portugiesisch für schwarze Erde) besteht in ihrem Pflanzenkohleanteil. Durch die Pflanzenkohle werden nahezu alle Prozesse im Boden positiv beeinflusst. In den oberen 30 Zentimetern eines gesunden Bodens bauen zwei Billionen Arten der unterschiedlichsten Mikroorganismen seit Millionen von Jahren Totes ab und Nährstoffe auf und sorgen so für den ewigen Kreislauf des Lebens. Nur etwa 5 Prozent dieser Arten sind überhaupt bekannt, da in diesem Bereich kaum geforscht wird. Pflanzenkohle wiederum hat aufgrund ihrer Zellstruktur eine enorm große Oberfläche. Ein Gramm Pflanzenkohle weist eine Fläche von 500 Quadratmetern auf.

Bodenleben wird gefördert

Unter Luftabschluss wird die Kohle durch Fermentation mit Pflanzenresten und Mist mit Mikroorganismen besiedelt, sodass das gesamte Bodenleben gefördert und ohne zusätzlichen Dünger der Boden nachhaltig aufgebaut und mit Nährstoffen versorgt wird. Das hat eine enorme Ertragssteigerung beim Gemüseanbau zur Folge wie Studien unabhängiger Wissenschaftler belegen. Mit der Terra Preta Technik ist es möglich, in kurzer Zeit Nährstoffkreisläufe zu schließen. Ohne Mineraldünger, ohne Gentechnik, was der Agrarindustrie nicht gut in das Geschäftsfeld passt.

Pflanzkohle erzeugen

Im praktischen Teil des Workshops wurde gezeigt, wie man ganz einfach in einem etwa 70 Zentimeter tiefen Erdtrichter Pflanzenkohle erzeugen kann. Kleinere Mengen an Kohle lassen sich aus Holzpellets und -schnitzeln im von Rainer Sagawe entwickelten Chantico-Terrassen-Ofen herstellen. Dabei wurde die entstehende Wärme zum Erhitzen von Wasser für den Kaffee und zum Braten von leckeren Kartoffelpfannkuchen genutzt.

Vergleichsbeet

Aus der zu Staub „getanzten“ Kohle, frischem Rasenschnitt, Küchenabfällen, Pferdemist, Gesteinsmehl und effektiven Mikroorganismen wurde die schwarze Erde angemischt und zum etwa vier Wochen dauernden Fermentieren luftdicht mit Folie abgedeckt. Nach vier bis sechs Wochen ist sie gebrauchsfertig, erkennbar an dem Geruch von Waldboden. Im Bauerngarten Helte wird in einem Versuch das Terra-Preta-Beet und ein Vergleichsbeet mit den gleichen Gemüsepflanzen bepflanzt. Im letzten Jahr konnten hier schon deutliche Unterschiede festgestellt werden.

Der Einsatz von Terra Preta ist ganz einfach im Hausgarten möglich. Es ist kein Dünger mehr erforderlich, als Futter für die Bodenlebewesen dienen leichter Mulch und Küchensmoothies. Der Boden wird locker, lässt sich leichter bearbeiten und benötigt weniger Wasser. Die Pflanzen danken es mit üppiger Blüte, hohen Ernteerträgen und einer verringerten Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge. Aber nicht nur im Hausgarten zeigt der Einsatz von Terra Preta Erfolge, sondern auch in der Landwirtschaft kann das Prinzip im größeren Maßstab genutzt werden.

Mikroorganismen

Über seine Erfahrungen mit Pflanzenkohle und effektiven Mikroorganismen (EM) berichtete nach einem Kurzvortrag von Rainer Sagawe über Terra Preta Landwirt Jürgen Hemker aus Walchum. Er hält in seinem Geflügelvermehrungsbetrieb 32.000 Elterntiere. Nach der Stallreinigung werden die Stallwände und die Einstreu mit einem EM-Kräuterextrakt besprüht und täglich wird alle 15 Minuten für jeweils 15 Sekunden EM im Stall vernebelt. Außerdem erhalten die Hühner einen Zusatz von 1kg Futterkohle auf 1 t des regulären Futters und der Einstreu wird Pflanzenkohle zugesetzt.

Keine Antibiotika mehr

Durch diese Maßnahmen hat sich ein völlig anderes Stallklima entwickelt, wodurch sich die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere entscheidend verbessert haben. So benötigt er seit fünf Jahren keine Antibiotika mehr. Ammoniakgestank und Staubbelastung sind verschwunden und der fermentierte Mist ist locker und riecht angenehm nach Waldboden. Mit weiterem Zusatz von Pflanzenkohle und Fermentation entsteht eine Terra Preta, die getrocknet und pelletiert als Naturdünger vermarktet werden kann. Auch in Rinder- und Schweineställen und sogar in Biogasanlagen führt der Einsatz von Pflanzenkohle dazu, dass das Fäulnisgas Ammoniak und damit der unangenehme Geruch stark verringert wird. Der Akzeptanz der Landwirtschaft ist das sicherlich förderlich.

Ein weiterer Workshop findet am 5. Mai in Löningen auf dem Ferienhof am Kolk der Familie Meyer von 10 bis 17 Uhr statt. Anmeldungen/Infos: Tel. 0 5432/.5995 99.


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