Amtsgericht Meppen verurteilt Strafgefangenen Vier Monate Haft wegen Angriffs auf Justizbeamten

Von Gerd Albers

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Wegen des tätlichen Angriffs auf einen Justizbeamten ist ein 50-jähriger Strafgefangener zu weiteren vier Monaten Haft verurteilt worden. Foto: imago/Thomas EisenhuthWegen des tätlichen Angriffs auf einen Justizbeamten ist ein 50-jähriger Strafgefangener zu weiteren vier Monaten Haft verurteilt worden. Foto: imago/Thomas Eisenhuth

Meppen. Das Amtsgericht Meppen hat einen 50-jährigen Strafgefangenen wegen des tätlichen Angriffs auf einen Justizbeamten in Groß Hesepe zu weiteren vier Monaten Freiheitsentzug verurteilt.

Die Anklage hielt dem Mann vor, einen Abteilungsleiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Groß Hesepe während eines Gesprächs in dessen Büro angegriffen und mit einem Pullover auf ihn eingeschlagen zu haben. Der Angeklagte widersprach diesem Vorwurf und gab an, dass er während des Gesprächs, bei dem es um seine Verlegung in eine andere JVA ging, überreagiert und mit dem Pullover, den er zuvor aus dem Wäscheraum geholte hatte, um sich geschlagen habe.

Es könne möglich sein, dass er den Beamten dabei mit dem Pullover am Kopf gestreift habe. Er habe ihn aber nicht angreifen oder verletzen wollen. Ihm sei ganz einfach der Kragen geplatzt, weil er seit fast zwei Jahren auf eine Verlegung in eine andere, heimatnahe JVA warte. Er sei auch bereit, sich bei dem Beamten für seine Überreaktion zu entschuldigen.

Aggressive Wendung

Der Beamte, der als Zeuge vorgeladen war, schilderte das Geschehen aus seiner Sicht. Demnach habe der Gefangene ihn um ein Gespräch in seinem Büro gebeten. Zuvor habe er mit ihm noch einen Pullover aus dem für Gefangene verschlossenen Wäscheraum geholt. Es ging im Gespräch um die Verlegung des Gefangenen in eine andere JVA, denn dieser bevorzuge nach eigenen Angaben ein Gefängnis, in dem mehr Disziplin und Strenge herrsche. Da der Antrag bereits bearbeitet und abgeschickt war, konnte der Beamte dem Häftling laut eigener Aussage nicht weiterhelfen.

Nun habe das Gespräch plötzlich eine aggressive Wendung genommen. Der Angeklagte habe angekündigt, er werde sich Heroin und eine Pistole kaufen, sobald er wieder in Freiheit sei. Dann werde er eine Tour durchs Emsland machen, den Beamten aufsuchen und sich rächen. Dabei sei der Gefangene aufgestanden, habe zweimal mit dem Pullover nach ihm geschlagen und sei um den Schreibtisch herum gekommen, um ihn anzugreifen.

Mit Fußtritt auf Distanz gehalten

Da der Durchgang hinter den Schreibtisch recht schmal ist, konnte der Beamte den Häftling laut Aussage mit einem Fußtritt auf Distanz halten. Zuvor habe er den Alarmknopf gedrückt und um Hilfe gerufen, die dann auch kam. Er sei überrascht gewesen, welche Wendung das Gespräch genommen habe. Der Gefangene habe sich bis dahin einwandfrei, sogar vorbildlich verhalten. Doch nun plötzlich schien er nicht mehr Herr seiner Sinne gewesen zu sein. Von den zu Hilfe kommenden Beamten ließ er sich widerstandslos abführen.

Der Justizbeamte erklärte, bei dem Übergriff zwar nicht verletzt worden zu sein. Jedoch habe er zehn Tage nicht arbeiten können, da ihn das Geschehen psychisch zugesetzt habe. Danach sei er noch zusätzlich in Urlaub gegangen.

Lange Haftzeiten hinter sich

Ein zweiter Justizbeamter schilderte, wie er gesehen habe, dass sich sein Kollege mit erhobenem Fuß den Strafgefangenen vom Leibe gehalten habe. Zum Auslöser des Angriffs konnte er nichts sagen.

Ein Auszug aus dem Strafregister des Gefangenen zeigte, dass er lange Haftzeiten hinter sich hat und schon mehr als 20 Jahre im Gefängnis verbrachte. Der Staatsanwalt sah den Sachverhalt der Anklage bestätigt und wertete das Geschehen als einen versuchten tätlichen Angriff auf Justizbeamte und forderte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten.

Der Verteidiger sah diesen tätlichen Angriff nicht und forderte, seinen Mandanten freizusprechen. Der Richter schloss sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an, minderte allerdings die Strafe von sechs auf vier Monate.


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