Paartherapie für verfahrene Beziehung Komödie „Alles über Liebe“ im Theater Meppen

Von Iris Kroehnert

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Mal bitterernst, mal witzig: Zwischen der Therapeutin (Renan Demirkan) und dem Ehepaar Carlos (Giovanni Arvaneh) und Anna (Tanja Schumann, v. l.) entsteht schnell ein verbaler Schlagabtausch, der so ziemlich jede Szene einer Ehe aufs Tapet bringt. Foto: Iris KroehnertMal bitterernst, mal witzig: Zwischen der Therapeutin (Renan Demirkan) und dem Ehepaar Carlos (Giovanni Arvaneh) und Anna (Tanja Schumann, v. l.) entsteht schnell ein verbaler Schlagabtausch, der so ziemlich jede Szene einer Ehe aufs Tapet bringt. Foto: Iris Kroehnert

Meppen. Am Ende braucht sogar die Therapeutin Hilfe! Aber nicht wegen des Paares, das bei ihr eine Sitzung gebucht hat. Oder doch? Es ist ein wahres Feuerwerk an Pointen, das auf die Besucher der Komödie „Alles über Liebe“ im Theater Meppen niederprasselt. Zumindest das Publikum fühlt sich verstanden und quittiert die Theatervorstellung mit begeisterten Applaus.

Gestaltet wird das Kammerstück von Anna (Tanja Schumann) und Carlos (Giovanni Arvaneh), einem Ehepaar, das seine verfahrene Beziehung über eine Paartherapie retten möchte. Edeltraut Mayer-Wölk (Renan Demirkan) scheint für sie eine gute Therapie-Adresse zu sein. Schon das Bühnenbild vermittelt Reinheit und teure Kompetenz – scheint doch alles vom Designer zu stammen: die weiße Couch, ein weißer Schalensessel und ein weißer Acryltisch mit Glasplatte, auf dem jeder Wassertropfen gefürchtete Flecken hinterlässt. Jedenfalls nach Ansicht von Edeltraut Mayer-Wölk, die sich als Reinheit in Person präsentiert, was durch ihre weiße Kleidung unterstrichen wird.

Gar nicht lange dauert es, dann sagen sich Anna und Carlos kräftig die Meinung. Zwischen Anklagen, Aggressionen und Absurditäten werden Episoden aus dem Eheleben verbal und dramaturgisch eingestreut. Irgendwie kennt diese Szenen jeder, schließlich dürften nicht wenige von uns schon einmal die Einleitung verwendet haben: „Was ich dir immer schon mal sagen wollte.“ Je weiter das Paar die Theaterbesucher mit hinein nimmt in sein Eheleben, desto überforderter scheint die Therapeutin. Zum Schluss möchte man ihr sogar eine ausgewachsene Neurose bescheinigen.

Wiedererkennungswert

Bedient werden auf der Bühne viele Klischees. Auf der anderen Seite ist es genau das, was das Stück und seine Akteure so sympathisch macht. So manches Paar im Publikum dürfte sich wiedererkannt haben. Erging es einem vielleicht doch selber wie Anna und Carlos: Erst die stürmische Liebe, dann das Reihenhaus und zwei Kinder, und schon frisst der Alltag die Liebe auf.

Dann ist da noch die Psychotherapeutinnenkarikatur, die Renan Demirkan mit Perfektion darstellt. Sind es zunächst offensichtliche Zwangsstörungen, die mindestens für ein verhaltenes Schmunzeln im Publikum sorgen, muss die Expertin in Sachen Paartherapie am Ende eingestehen, dass sie nicht einmal ihre eigene Beziehung retten konnte. Hatte es Carlos nicht eingangs schon geahnt, dass sein Geld hier nicht gut angelegt ist?

Pointenreicher Schlagabtausch

Es ist der schnelle und pointenreiche Schlagabtausch zwischen den Ehepartnern, aber auch zwischen der Therapeutin und ihren Klienten, der fesselt, zum Zuhören zwingt, keine Langeweile aufkommen lässt und zu Wendungen führt. Ein hervorragendes Textbuch und exzellente Schauspieler geben Plattitüden keine Chance, obwohl die Gefahr nicht von der Hand zu weisen ist. Geboten wird eine freche und teilweise sogar bitterböse Komödie, die das romantisierte Ehebild, das sich insgeheim wohl jeder wünscht, entlarvt.


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