Prozess in Meppen Rangelei unter Jugendlichen um ein Handy

Von Heiner Harnack

Eine Rangelei um ein Handy ist Gegenstand eines Verfahrens vor dem Jugendschöffengericht gewesen. Am Ende war nicht zu klären, was mit dem Telefon passiert war. Foto: Volker Hartmann/dpaEine Rangelei um ein Handy ist Gegenstand eines Verfahrens vor dem Jugendschöffengericht gewesen. Am Ende war nicht zu klären, was mit dem Telefon passiert war. Foto: Volker Hartmann/dpa

Meppen. Eine Rangelei um ein Handy ist Gegenstand eines Verfahrens vor dem Jugendschöffengericht gewesen. Am Ende war nicht zu klären, was mit dem Telefon passiert war.

War das Verschwinden eines hochwertigeren Mobiltelefons lediglich eine Rangelei unter jungen Menschen oder hatten die drei Angeklagten einen Raub begangen, wie dieser ursprünglich in der Anklageschrift stand? Das Jugendschöffengericht musste nach teilweise widersprüchlichen Aussagen ein Urteil fällen.

An einem Unterstand am Harener Museumshafen hatten sich mehrere Jugendliche getroffen, die sich mehr oder weniger gut kannten. Nach der Verlesung der Anklageschrift monierte einer der drei Verteidiger, dass diese akustisch nicht zu verstehen gewesen sei, so dass der Staatsanwalt diese noch einmal vortragen musste.

Bei der Befragung durch den Richter räumte ein Angeklagter ein, dem Geschädigten den Arm verdreht zu haben, damit dieser den Code für das etwa 600 Euro teure Handy verriet. Das Entsperren gelang aber dennoch nicht. Einer der drei angeklagten jungen Leute erzählte, dass er dem Geschädigten die Frage gestellt habe, ob dieser schwimmen gehen wolle. Man habe den jungen Mann ärgern wollen, diesen aber nicht in den Fluss geworfen.

Ein Angeklagter habe dann das Telefon aus der Vordertasche eines sogenannten ‚Hoodys‘ genommen, die Tasche des Handys sei dann auf das Dach des Überstands geworfen worden. Auf Nachfrage des vorsitzenden Richters konnte keiner der Drei erklären, wo nach der Rangelei das Handy gewesen sei. Unter anderem wurde auch ein Name eines anderen, nicht an der Rangelei beteiligten Jugendlichen, genannt, der aber kein Prozessbeteiligter war.

Erinnerungslücken

Zu dem Vorgang zeigte einer der drei Angeklagten dem Richter einen früheren Chatverlauf auf dem Handy, der aber seinerzeit nicht von der Polizei gesichert worden war, was durch einen Verteidiger moniert wurde. Wer aber wirklich was in der Situation getan hatte, die etwa 20 Minuten angedauert haben soll, konnte auch der elektronische Speicher nicht wirklich beantworten. Nach der Befragung der drei Angeklagten, welche die Situation in etwa gleich schilderten, erklärte der Geschädigte, dass man ihm das Handy, das er einst über Ebay erstanden habe, weg genommen habe und dass es später nie wieder aufgetaucht sei.

Eine versuchte elektronische Ortung, die durch das Amtsgericht Osnabrück angeordnet war, brachte keinen Erfolg.In Teilbereichen konnte der Geschädigte sich an einige Vorgänge nicht genau erinnern. Zuerst habe es wie Spaß unter jungen Leuten ausgesehen, meinte er, fügte aber an, dass das Telefon plötzlich verschwunden gewesen sei. Er wusste nicht mehr, wer ihn festgehalten und wer das Gerät weggenommen habe. Auf Nachfrage des Richters konnte er auch nicht erklären, ob andere Personen ihm zur Seite gesprungen seien.

Letztendlich konnte nicht geklärt werden, ob das Telefon zerstört oder weggeworfen worden sei. Die drei Verteidiger beantragten, von einer Verurteilung wegen Raubes abzusehen, da dieser in keinem Fall habe nachgewiesen werden können. Unter der Auflage, dass zwei Angeklagte jeweils 300 Euro in Raten an den Geschädigten zahlen, wurde das Verfahren vorläufig vom Gericht eingestellt.

Dem dritten Angeklagten konnte keine Beteiligung nachgewiesen werden, so dass dieser frei gesprochen wurde. Noch im Gericht erhielt der Geschädigte von einer Angehörigen eines Angeklagten die erste Rate von 50 Euro.