Bühnenschauspiel mit Musik „Die Wanderhure“ in Meppen bewegend inszeniert

Von Michael Potthast

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Meppen. Das Tourneetheater „theaterlust“ hat in Meppen eine insgesamt packende Fassung des Schauspiels „Die Wanderhure“ von Daniel Hohmann, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Iny Lorentz und der Verfilmung aus dem Jahr 2010, gezeigt.

Anfang des 15. Jahrhunderts sucht Matthis Schärer (Stefan Rihl) nach einem Mann für seine Tochter Marie (Anja Klawun). Nach der Verlobung mit dem hinterhältigen Advokaten Ruppertus Splendidus (Johannes Schön) beschuldigt dieser seine Frau der Unzucht, wodurch er nach geltendem Recht den Ehevertrag auflösen kann. Im Zuge der Anschuldigungen wird Marie aus der Stadt verbannt. Ihr Vater muss sein Vermögen übereignen, stirbt und wird heimlich begraben.

Missliche Lage

Die missliche Lage treibt die Ausgestoßene andernorts in die Prostitution. Sie will unbedingte Rache an ihren Peinigern üben und gelangt letztlich auch an belastendes Material. Schließlich gelingt es ihr auch die Schuld von Splendidus vor dem König nachzuweisen. Marie wird freigesprochen, der Advokat hingerichtet. Mit einer Entschädigung beginnt ein neues Leben für die ehemals Geächtete.

Flexibles Bühnenbild

Erwin Kloker und Eva Lüps gelang es ein zwar einfach wirkendes, aber durch die äußerst geschickte Nutzung beeindruckend flexibles Bühnenbild für die in sich stringente Inszenierung von Thomas Luft zu kreieren: Regie und Bühne ergänzen sich hier optimal, in dem die vielen beweglichen Teile vor dem teils mit wirkungsvollen Videos bespieltem Hintergrund immer wieder neue Räume und Möglichkeiten der Darstellung schaffen. Georg Karger (Komposition und Livemusik) bereichert viele Szenen mit musikalischen Elementen und einigen Songs, die vom neunköpfigen Schauspielensemble dargeboten werden. So ist allein das optische Erscheinungsbild der Inszenierung ein Highlight.

Bewegende Fassung

Die Riege der Schauspieler weiß in den zahlreichen dargestellten Rollen allgemein zu überzeugen und kann die Handlung glücklicherweise auch in den nur durch Choreografien getragenen stummen Szenen vorantreiben. Selbst einige Längen, die die Bühnenfassung zweifelsohne vor allem im zweiten Akt hat, konnten so kurzweilig gestaltet werden. Insgesamt zeigte das Tourneetheater theaterlust so eine ebenso interessante wie bewegende Fassung von „Die Wanderhure“.


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