Mordsmäßiges Vergnügen für die vielen Fans Ausverkaufter Krimi-Abend mit Klaus-Peter Wolf in Meppen

Von Reinhard Fanslau


Meppen. Er hat 200 Auftritte im Jahr. Einer davon führte Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf auf Einladung des Freiwilligenzentrums Meppen in das seit Tagen ausverkaufte Theater.

Die meisten der 600 Besucher kamen, weil sie absolute Fans der Ostfriesenkrimis des 64-Jährigen sind. Nach zwei Stunden unterhaltsamen, spannenden und humorvollen Programms gingen sie zufrieden nach Hause.

Der Abend begann mit einer ernsten Ansage von Wolf. Im Vorfeld sei er gefragt geworden, ob die Krimilesung überhaupt stattfinde. Zu dem Zeitpunkt waren noch nicht viele Informationen über die Geschehnisse in Münster durchgedrungen. Es stand die Vermutung im Raum, dass es sich um einen Terroranschlag gehandelt haben könnte. Der Autor machte klar, dass er und die Veranstalter nicht an eine Absage denken. Denn unter Künstlern bestehe seit den Attentaten in Paris im November 2015 die Vereinbarung, alle Veranstaltungen durchzuziehen. „Wir werden dem Terror nicht weichen. Die Kultur soll bleiben, der Terror soll weichen“, sagte Wolf. Erst später am Abend stellte sich heraus, dass der Anschlag in Münster auf das Konto eines psychisch gestörten Einzeltäters ging.

Kleine Plauderstunde

Dann ging es hinein ins mordsmäßige Vergnügen. Ehe der Dauerbesetzer von Platz 1 der Spiegelbestsellerliste aus seinem neuen Werk „Ostfriesenfluch“ rezitierte, legte er eine kleine Plauderstunde ein. Sehr amüsant und für viele Lacher im Publikum sorgte die Geschichte über einen Schweizer Lehrer, den er vor Jahren traf und der Ostfriesland –den Schauplatz aller Wolf-Krimis- für eine Insel in Ostdeutschland hielt. Dann erinnerte sich der in Gelsenkirchen geborene Nicht-Ostfriese an die Anfänge der Ostfriesenkrimis. Zu einer seiner ersten Lesungen in Leer wären damals nur sieben Leute gekommen. „Die Stadt Leer machte ihrem Namen damals alle Ehre“, kann es der Erfolgsschriftsteller heute mit Humor nehmen. Denn er hat mittlerweile in Deutschland fünf Millionen und weltweit zehn Millionen seiner Bücher verkauft und alle seine Veranstaltungen sind ausverkauft. „Jetzt, wo der Erfolg so groß geworden ist, denke ich oft an die ersten Jahre“, sagte Wolf. Wie bodenständig er trotz seines Ruhmes geblieben ist, zeigt sich auch am Samstagabend im Theater. So musste er selber mehrfach spontan über Passagen in seinen eigenen Büchern lachen und wirkte so wie ein großer Junge.

Sympathisch

Sympathisch kam der Krimi-Autor auch deswegen herüber, weil er immer wieder durchblicken ließ, dass er wie am ersten Tag verliebt in seine Frau ist. Er lobte und pries das Wesen und die Kreativität der in Bamberg geborenen Bettina Göschl, wo es nur ging. Die Liedermacherin war es dann auch, die mit ihren niveauvoll-originellen Krimi-Songs wie „Ostfriesentango“ oder „Ostfriesenblues“ den Abend über eine reine Vorleseshow hinaushob und zu Recht viel spontanen Beifall bekam. Die stärksten Momente des Abends waren aber die, wenn Wolf in die Welt von Kommissarin Ann Kathrin Klasen und ihres skurrilen Mitarbeiters Rupert eintauchte und Passagen aus „Ostfriesenfluch“ vortrug. Sofort kamen dann seine Stärken zum Tragen, die auch die Bücher so erfolgreich machen. Wolf schaffte es mühelos, die Fantasie seiner Anhänger in Gang zu setzen und Bilder im Kopf des Zuhörers zu erzeugen. Da hätten ihm auch die Besucher noch stundenlang zuhören können, die noch keine Wolf-Fans- und -Kenner sind und aus Neugier gekommen sind. Einigen von ihnen war es zu viel Plauderei und zu wenig Rezitation. Das war dann aber auch der einzige Kritikpunkt des Abends, der zu hören war.

Ansturm auf Autogramme

Wie sehr die Fans den 64-Jährigen lieben, zeigte sich auch am Büchertisch im Foyer des Theaters. Andere Schriftsteller signieren ihre Werke nach der Veranstaltung. Wolf auch, aber er schrieb Autogramme auch vor Beginn seines Auftritts und auch während der Pause, da er sonst den Ansturm nicht bewältigt hätte. Vor der Veranstaltung sagte er, dass es ein sehr, sehr langer Abend für ihn werden würde, wenn er nur ausschließlich am Ende des Abends signieren würde. Eine gute Maßnahme, das nicht zu machen, denn auch am Samstagabend gingen die Bücher und CDs weg wie warme Semmeln und es bildeten sich lange Schlangen vor dem Büchertisch, weil alle die Unterschrift des Erfolgsautors begehrten.